Peter Dinklage

„Man behandelt dich wie ein kleines Kind“ 

Interview: Rüdiger Sturm
Foto: Getty Images

„Game of Thrones“-Star Peter Dinklage musste eine harte Schule durchlaufen und viele Dosensuppen essen, ehe er zum vielumjubelten Schauspieler wurde.

THE RED BULLETIN: Vor zwölf Jahren machten Sie die Filmbranche mit dem Film „The Station Agent“ auf sich aufmerksam, aber erst jetzt wurden Sie mit „Game of Thrones“ zum Star. Hätten Sie gewünscht, das wäre früher passiert?

PETER DINKLAGE: Keineswegs. Damals wäre ich vermutlich nicht gut damit klargekommen. Denn ich hatte gar nicht die Konstitution dafür gehabt. Es ist gut, wenn du Zeit hast, dich zu beweisen und reifer zu werden und dir nicht alles auf dem Silbertablett serviert wird. Das hat mich stark geprägt. Und deshalb ist für mich die Arbeit immer das Wichtigste gewesen. Alles, was ich jetzt an Luxus und Glamour erlebe, fühlt sich für mich unwirklich an.

Aber wären Sie bereit gewesen, auf den großen Erfolg zu verzichten?

Offen gestanden hatte ich erwartet, dass ich den Rest meines Lebens Dosensuppen essen werde - um es mal überspitzt auszudrücken. Aber ich hatte keine Lust, lächerliche Rollen anzunehmen. In „Living in Oblivion“ spiele ich einen Kleinwüchsigen, der sich beklagt, dass man ihn immer nur als Klischeezwerg besetzt. Und so habe ich mich auch gefühlt. Deshalb habe ich eben andere Jobs angenommen, um hinzuzuverdienen. Wenn du etwas liebst, dann darfst du keine faulen Kompromisse machen.

Peter Dinklage kann nicht nur Serien, sondern auch Film - so wie in Pixels.

© YouTube/ Sony Pictures Entertainment

Das redet sich so leicht. Wie schafften Sie es, sich als Kleinwüchsiger in diesem Beruf durchzuboxen?

Indem ich gekämpft habe. Ich war voller Energie und Hunger – ohne die kommst du speziell am Anfang deiner Karriere nicht aus. Leider ist dieses Gefühl bei mir nicht mehr so ausgeprägt wie damals.

Das klingt ja nicht so schön. Was sagte da Ihre Familie dazu?

Damals hatte ich noch keine, und da konnte ich mir so eine Einstellung leisten. Und jetzt kämen sie notfalls alleine zurecht. Meine Frau ist schließlich Theaterregisseurin. Eigentlich ist sie die wahre Künstlerin in unserer Familie. 

Und wer sind Sie?

Ich bin der Fernsehschauspieler geworden, der die Rechnungen bezahlt. 

Verändert man sich, wenn man berühmt wird?

Ich nicht. Ich versuche letztlich immer nur den Kopf über Wasser zu halten. Aber ich kann die Erfahrung nicht unbedingt empfehlen, abgesehen davon dass ich jetzt mehr berufliche Angebote bekomme. Du musst aufpassen, dass du nicht zu verhätschelt wirst. Man behandelt dich wie ein kleines Kind, liest dir jeden Wunsch von den Augen ab. Nicht mal den Kaffee am Morgen brauche ich mir selbst zu machen.

„Offen gestanden hatte ich erwartet, dass ich den Rest meines Lebens Dosensuppen essen werde.“
Peter Dinklage

Wie bleiben Sie da auf dem Teppich?

Zuhause brauche ich keine Diva heraushängen zu lassen. Das würde mir meine Familie nicht durchgehen lassen. Und das ist sehr gut so. Nur die Außenstehenden reagieren nicht normal. Ich bin 1,35 Meter groß, früher konnte ich normal durch die Straßen laufen, ohne dass mich jemand anschaut. Das hat sich drastisch geändert. Ich wünschte, wir würden noch zu den Zeiten leben, wo nicht jedermann eine Kamera dabei hätte. Dann hätte Berühmtsein vielleicht noch Spaß gemacht.

Ihre Empfehlung lautet also: Werdet kein Star!

Das ist ein bisschen heftig ausgedrückt. Ich gebe auch zu, dass ich mich auf hohem Niveau beklage. Ich liebe eben mein Privatleben und meine Ruhe so sehr. Wenn ich positive Energie tanken will, dann gehe ich in mein Waldhaus und kümmere ich mich um meine Pflanzen. Oder ich gehe mit Freunden aus, trinke ein gutes Glas Wein. Das sind erstrebenswerte Ziele.

Würden Sie regieren wollen wie Tyrion Lannister?

Oh nein, ich bin Schauspieler! Vergessen Sie das nicht. Wobei die angenehmen Seiten seines Lebens dem meinen ähneln.

„Die Welt ist manchmal eben ganz schön verkorkst, und so etwas sollten wir nicht akzeptieren.“
Peter Dinklage

Sie haben doch auch Einfluss. Bei den Golden Globes hielten Sie einen Appell für einen kleinwüchsigen Mann, den man bei einem unfreiwilligen Zwergenwerfen verletzt hatte.

Das war eigentlich nicht meine Absicht. Aber meine Frau las diese Meldung, als wir unterwegs zu den Globes waren, und unmittelbar bevor ich das Podium betrat, meinte sie ‚Sag doch was dazu.’ Ich dachte darüber nach, und dann ist es einfach aus mir herausgeplatzt. Die Welt ist manchmal eben ganz schön verkorkst, und so etwas sollten wir nicht akzeptieren. Wenn es also darum geht, das Bewusstsein für Probleme zu schärfen und die Welt zu verbessern, dann bin ich mit dabei. Aber nicht an vorderster Front. Da gibt es andere Leute, die das viel besser können.

Können Sie anderen Kleinwüchsigen mit Ihren Erfahrungen Mut machen?

Ich denke schon. Unsere Gesellschaft ist toleranter geworden und mehr Diversität gewöhnt. Selbst die Hauptrollen in Film und Fernsehen werden jetzt anders besetzt - siehe mein Fall. Es gibt weniger die klassischen Hollywoodschönen, sondern realistische Porträts von normalen Menschen. Denn Aussehen ist zweitrangig. Das ist die Lektion, die Sie grundsätzlich auf alles übertragen können. Das Äußere ist Teil von dir, aber es definiert dich nicht als Person.

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07 2015 The Red Bulletin 

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