MB Labs, ganadores de Red Bull Creation

Geistesblitz

Text: Anne Ford
Fotografie: Hank Pearl

Wie viel Weltverbesserung passt in 72 Stunden? Red Bull Creation Challenge fordert Amerikas schnellste Superhirne.

Während die Konkurrenz sich noch fieberhaft das Gehirn zermarterte, rumkonstruierte, zeichnete und ihre Computer bearbeitete, hatten Bill Fienup und sein Team schon Zeit für ein paar entspannte Biere. Eigentlich hätten sie bei Red Bull Creation Challenge ja 72 Stunden Zeit für eine Erfindung gehabt. Doch 70 Stunden und 30 Minuten reichten ihnen.

Und sie waren nicht nur das schnellste, sondern auch das beste der sechs qualifizierten Teams: Fienup und sein „MB Labs“ aus Chicago gewannen die 10.000 Dollar Sieger-Preisgeld für ein Ding, das sie „Autoloop“ nannten. Ein neuartiges Instrument, das Usern unabhängig von Alter oder Können erlaubt, Schlagzeug zu spielen. Einfach Kieselsteine auf einen Tisch voller Sensoren legen – den Rest erledigt das schlaue Ding auf gespenstisch souveräne Weise.

Fienup ist ein 33 Jahre alter Maschinen-bauingenieur mit markantem Kinn. Und Teamchef von MB Labs, einer seit vier Jahren bestehenden losen Gruppierung junger Techniker, Designer, Unternehmer und Künstler. Autoloop war eine Fingerübung, nicht mehr: Fienup und sein Team machen sich in Amerika zusehends einen Namen damit, Produkte zu entwickeln, die Menschen nicht nur zum Staunen und Schmunzeln bringen, sondern auch ihr Leben verbessern.

MB Labs

„MB Labs“ aus Chicago vereint einige der klügsten Hirne der ganzen USA.

Überall in den USA gibt es immer mehr Teams wie diese. Schlaue Leute mit exzellenter Ausbildung, die sich in der Freizeit treffen, um an allerhand Dingen rumzutüfteln.

MB Labs

„Leute kommen mit vagen Ideen zu uns, wir machen sie zum Projekt.“

Manche davon sind schrullig oder skurril – Flammenwerfer und boxende Kampfroboter üben besondere Anziehungskraft aus –, aber Kickstarter und ähnliche Crowdfunding-Plattformen eröffnen den Ideen plötzlich die Chance für den Schritt von der Theorie in die Praxis. Und den Leuten dahinter sogar den Schritt in ein ernstzunehmendes Unternehmertum.

„Mit Kickstarter hat dieser Trend definitiv den nächsten Level erreicht“, erklärt Fienup. Den nächsten Level zu erreichen, bedeutet für MB Labs konkret die Gründung eines Unternehmens. „Leute kommen mit einer vagen Idee zu uns. Wir machen daraus ein Projekt. Und setzen es um“, sagt Fienup. Beispiel? „Scout Alarm“, ein smartphonegesteuertes Haussicherungssystem, das so individuell anpassbar ist, dass es alles bewachen kann – vom Fenster bis zur Hausbar.

„Es gab viele Zeichnungen von Katzen. Und eine von einem Penis. Eineinhalb Meter groß.“
Fienup

Für diesen Schritt ins Unternehmertum ist Infrastruktur nötig. Und auch hier hatten Fienup und seine Kollegen eine schlaue Idee. Sie gründeten Anfang des Jahres „Catalyze Chicago“, einen Co-Working-Space für „Hardware-Entrepreneure“, wie sie selbst es nennen. Mitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag, um die Einrichtungen des Co-Working-Space nutzen zu können. Darunter modernste digitale Produktionsmaschinen wie 3-D-Drucker, CNC-Fräsen und Laser-Cutter, eine Maschinenwerkstatt und ein Elektroniklabor.


TECHNIK-TITANE

Mitte Juli in Detroit verteidigen MB Labs ihren Titel bei der Red Bull Creation Challenge. Als Qualifikationsprojekt reichten sie ein Netzwerk kleiner, solar-betriebener Outdoor-Anlagen ein, an denen man Telefone oder Tablets auflädt, gratis WLAN nutzt und sich auf hyperlokalen Message Boards austauscht.

MB Labs

Die Jungs von MB Labs haben aus einem Hobby ein Unternehmen gemacht


Womit hatten sie sich im Vorjahr qualifiziert? Mit einer Apparatur namens „Persistence“, verrät Fienup. Einem knapp zwei Meter langen, mit LEDs bestückten Roboterarm, der auf eine phosphoreszierende Leinwand malt – und zwar Online-Zeichnungen von Usern.

„Es gab viele Zeichnungen von Katzen“, erzählt Fienup. „Und als wir die Website ganz frisch online hatten, saßen wir alle in einem dunklen Raum, programmierten und konnten dann live beobachten, wie sich auf der Leinwand nach und nach etwas abzeichnete: ein Penis, eineinhalb Meter groß. Ein paar Tage später erzählte ich meiner Mutter davon, und sie meinte nur: ‚Oh … das war ich.‘“

Mit „Persistence“ hat sich das MB Labs-Team im Vorjahr qualifiziert.

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08 2014 the red bulletin

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