Robert Pattinson

Robert Pattinson:
„Du brauchst deine Angst“

Text: Rüdiger Sturm
Foto: Getty Images

Vor wenigen Jahren war Robert Pattinson eines der größten Teenie-Idole auf Erden. Jetzt versucht er sich in Filmen wie „Life“ als ernsthafter Schauspieler. Aber die Erfahrungen des damaligen Wahnsinns prägen den 29-Jährigen noch heute.

THE RED BULLETIN: Es gab Zeiten, da war Ihr Privatleben für den Rest der Welt wie eine riesige Seifenoper. Können Sie sich noch erinnern?

ROBERT PATTINSON: Oh ja, es war völlig durchgeknallt. Ich machte großes Aufhebens drum, dass ich nie über etwas Persönliches in der Öffentlichkeit spreche. Und es war völlig egal, denn die Leute erfanden einfach Sachen über mich. Ich war eine Figur in den Geschichten, die sie erzählen wollten, und ich konnte nichts dagegen tun. Eine Zeitlang ließ ich mich sogar nicht mehr fotografieren, weil ich dachte, dass man ohne neue Fotos nichts über mich schreiben kann – aber dann nahmen die Zeitungen einfach alte Aufnahmen.  

Und wie ist es jetzt? Können Sie ein normales Leben führen?

Es ist einfacher geworden. In London werde ich kaum noch beachtet, auch in Los Angeles, wo es normalerweise am schlimmsten ist, ist es schon lockerer. Ich habe mir geschworen, dass ich keine Hüte oder sonstigen Verkleidungen mehr trage. Wenn du beim Anziehen bloß noch denkst ‚Wie kann ich mich am besten verstecken?’, hinterlässt das psychische Spuren. Es treibt dich in den Wahnsinn. Das ist mir inzwischen klar geworden, und ich dachte mir: ‚Komm einfach damit klar.’

Das sind natürlich Probleme, mit denen der normale Leser nicht konfrontiert ist. Was kann man allgemein aus Ihren Erfahrungen lernen?

Dass man sich nicht googlen sollte. Das ist das Schlimmste überhaupt. Denn dann hast du bloß noch Angst. Du denkst dir, dass man ständig über dich urteilt.

© YouTube/ Universum Film

Aber Sie haben nach Einträgen über sich gesucht?

Klar – wie jeder andere auch. Das ist eine ganz üble Sucht. Denn sobald du weißt, dass jemand im Nebenzimmer über dich spricht, willst du natürlich hören, was man sagt. Wenn du viel Zeit alleine verbringst, fördert es das Ganze natürlich noch. Ich weiß, das ist speziell mein Problem. Aber wenn du die meiste Zeit in Hotelzimmern verbringst, dann lebst du in einer seltsamen alternativen Realität – so wie ein Einsiedler. Du musst dich dann daran erinnern, wer du wirklich bist und wie du wirklich leben möchtest. Das gilt für jeden. 

 

„Google dich nicht selbst! Das ist das Schlimmste überhaupt.“

 Was kann einem dabei helfen?

Deine Familie. Manche Leute haben immer ihre Angehören und Freunde bei sich. Bei mir allerdings funktioniert das nicht. Denn effektiv würde das bedeuten, dass ich sie bei mir anstellen müsste, schließlich haben sie ja auch noch Jobs. Und wenn jemand für dich arbeitet, dann ist das der sichere Weg, deine Beziehung zu ruinieren.

Wenn Sie mit Ihrem jüngeren Ich sprechen könnten, was wären die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie ihm mitteilen würden?

Ich weiß es selbst nicht so recht. Normalerweise würde man seinem jüngeren Ich sagen: Mach dir über dies und jenes weniger Sorgen. Aber das funktioniert nicht. Denn dann taucht einfach das nächste Problem auf, über das du dir den Kopf zerbrichst. Wenn ich einen Rat hätte, dann höchstens den: Du brauchst deine Angst.

Aber Sie meinten vorher, dass Sie mit bestimmten Ängsten nicht klar kommen.

Ja, aber ich bin viel lieber jemand, der mit vielen Ängsten konfrontiert ist, als jemand, der sich in der Illusion wiegt, es gäbe keine Probleme. Denn ich mag es, wenn ich Hürden überwinden kann, egal, wie klein sie sind.   

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11/2015 Redbulletin.com

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