Ron Perlman

„Was du tust, macht dich aus“

Text: Holger Potye
Bild: Maarten de Boer

Ron Perlman ist Hollywoods schönster hässlicher Mann. Er weiß, wieso wir alle ein Buch schreiben sollten.

THE RED BULLETIN: Mister Perlman, wie schafft man eine so schöne Hollywood-­Karriere wie Sie?

RON PERLMAN: Sie werden es nicht glauben, aber deine Karriere entscheidet sich nicht, wenn du ­arbeitest. Sondern wenn du nicht arbeitest.

Das hätten wir tatsächlich andersrum erwartet.

Ich war immer am glücklichsten, wenn ich ein kreatives Rätsel lösen musste. Egal ob ich pleite war oder private Troubles hatte, ich war happy. Das ist bis heute so. Wenn Sie mich glücklich machen wollen, geben Sie mir eine knifflige kreative Aufgabe.

Was daran macht happy?

Ganz einfach: Was du tust, macht dich aus. Es gibt dir Sinn, macht dich zu einem Teil unserer Gesellschaft. 

„Wenn Sie mich glücklich machen wollen, geben Sie mir eine knifflige kreative Aufgabe.“

Für einen Schauspieler mag das gelten oder für andere Menschen mit Berufen in der Öffentlichkeit, aber …

… nein, das ist eine allgemein männliche Eigenschaft, dieses Einflussnehmenwollen. Wenn ein Mann nichts tut, fühlt er sich nutzlos.

Sie haben aber zu Beginn gesagt, gerade die Zeiten, in denen man nicht arbeitet, seien die wichtigen. Was ist wertvoll daran, sich nutzlos zu fühlen?

Nichts. Aber die Aufgabe ist, damit klarzukommen. Ich hatte immer wieder diese frustrierenden Phasen, oft jahrelang. Eine Zeitlang dachte ich, das einzig Gute an mir sei, dass ich oft mit Tom Waits verwechselt werde. Bis es dann plötzlich, als ich fünfzig war, Bäng! gemacht hat, das ist 15 Jahre her, und seither läuft’s. Ich musste also bis fünfzig durchhalten, bis das Telefon klingelte, Jean-Jacques Annaud dran war und sagte: „Hey, lass uns ‚Enemy at the Gates‘ drehen!“

Sie haben nun ein Buch über Ihr Leben geschrieben, „Easy Street (the Hard Way)“. Es ist ziemlich persönlich geworden.

Wissen Sie, was? Jeder Mann sollte mit Mitte sechzig ein Buch geschrieben haben. Egal ob du berühmt bist oder nicht, schreib ein Buch über dein Leben. So ein Buch zwingt dich, grundsätzlich über dein Leben nachzu­denken. Du erkennst, was du aus dir gemacht hast, wo du gestartet bist, wo du heute stehst. Ob du die Welt einmal als besseren Platz verlassen wirst, als du sie vorgefunden hast.

Und noch etwas: So ein Buch ist dein Manifest. „Hey, seht her, das bin ich. Das sind die Dinge, an die ich glaube, das sind die Dinge, für die ich stehe.“ Darum geht es nämlich im Leben. Nicht um den ganzen Quatsch, den du von klein auf hörst wie „Solange du gesund bist, ist alles andere egal“ oder so. Es geht darum, zu wissen, wofür du stehst, und dass du die verdammten Eier hast, dich dazu zu bekennen und danach zu leben. 

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03 2016 The Red Bulletin

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