Ryan Gosling

Ryan Gosling: „Frauen als Kumpel? Klar!“  

Text: Rüdiger Sturm
Foto: Miller Mobley/AUGUST

Ryan Gosling ist zuerst einmal cool. Klar. Aber dann ist der Hollywoodstar auch noch ein richtig ­guter Freund. Wie das läuft, erklärt er hier.

THE RED BULLETIN: In der Thriller­komödie „The Nice Guys“ werden Sie und Film-Partner Russell Crowe beste Kumpel. Wissen Sie jetzt, worauf es in einer echten Freundschaft ankommt?

RYAN GOSLING: Auf den Grad an Ehrlichkeit. Die kann so weit gehen, dass es auch mal unangenehm wird.

Wann denn?

Wenn du dem anderen Dinge sagst, weil dir sein Wohl­ergehen am Herzen liegt – er diese aber nicht hören will. Du riskierst dabei die Freundschaft. Aber darum geht es.

Sie sind also mit Ihren Freunden brutal ehrlich? 

Ich gebe zu, dass es schwierig ist. Mir fällt es auch schwer, mit mir selbst total ehrlich zu sein. Aber auch wenn du’s nicht schaffst, diese Ehrlichkeit permanent zu leben, dann schaffst du es eben ­immer wieder in einzelnen Momenten. Und auf diese kommt es dann an.

In „Nice Guys“ schenken sich die Kerle jedenfalls ­ordentlich ein. 

Weil es hier um Männer geht. Daher auch um Konkurrenz. Find ich nicht so gut. Das kann Freundschaften ruinieren.

Dann lieber Freundschaft mit Frauen? 

Ich bin mit vielen Frauen befreundet. 

Echt? Kann das überhaupt funktionieren?

Das mag in meinem Fall daran liegen, dass ich ohne Vater mit meiner Mutter und meiner Schwester aufgewachsen bin. Ich habe eine Agentin, eine Managerin und eine Publizistin. Die brauche ich ständig um mich. 

„The Nice Guys“: ab 3. Juni im Kino

© YouTube // KinoCheck

Sie verbinden also Freundschaft mit Arbeit. Manche behaupten, man sollte das voneinander trennen.

Überhaupt nicht. Ich habe einige meiner besten Freunde durch die Arbeit kennen­gelernt. Es hat was, wenn du die Ärmel hochkrempelst und gemeinsam eine Herausforderung anpackst. 

Zum Beispiel? 

Diese Erfahrung machte ich schon als Kind. Da kümmerte ich mich um die Beleuchtung in den Shows meines Onkels. Der trat als Elvis-Imitator auf. Meine anderen Onkel waren seine Bodyguards, meine Tanten seine Background-Sängerinnen. In dieser Zeit lernte ich alle meine Verwandten erst richtig kennen. Eine super Erfahrung. Die will ich jetzt in meinen Jobs wiederholen.

Welche Freunde hatten den größten Einfluss auf Sie?

Wenn wir Familienmitglieder einschließen – meine Schwester. Zu der sah ich immer auf.

Warum? 

Weil sie bei Meinungsverschiedenheiten jede Perspektive nachvollziehen kann. Sogar wenn jemand eine aus meiner Sicht unhaltbare Position einnimmt, ist sie imstande, das Ganze aus dessen Blickwinkel zu sehen. Das hat meine eigene Denkweise sehr geprägt.

Schon wieder eine Frau. ­Haben Sie auch wichtige männliche Freunde?

Einer meiner besten Freunde ist John Prendergast, ein Menschenrechtsaktivist und der ehemalige Chef der Afrika­abteilung des National Security Council (ein Gremium, das den US-Präsidenten berät; Anm.). Für mich ist er ein moralischer Maßstab.

„Mein Onkel war Elvis-Imitator, meine Tanten seine Background-Sängerinnen. Ich kümmerte mich ums Licht.“
Ryan Gosling

Was genau beeindruckt Sie an diesem Mann?

Er lässt nicht locker, wenn’s darum geht, seiner Überzeugung zu folgen. Ich arbeite mit ihm beim „Enough Project“ zusammen, das die Zielsetzung hat, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen, speziell in Afrika. Ich war damit schon in Uganda, im Kongo und in Flüchtlingscamps an der Grenze zwischen Darfur und dem Tschad. Dabei habe ich gesehen, wozu John und seine Leute imstande sind.

Und zwar?

Ich habe Resozialisierungszentren für Kindersoldaten besucht. Da haben sich Jungen ein Stockbett geteilt, von ­denen der eine die Mutter des anderen umgebracht hatte. 

Wie kann das funktionieren?

Indem John und sein Team ­ihnen klarmachen konnten, dass sie beide Opfer der Umstände sind. Am Ende waren sie Kinder, die tatsächlich keinen Groll gegeneinander hegten, sondern sogar beste Freunde wurden. Für uns Westler mag sich das total fremdartig anfühlen. Für uns würde sich in so einer Situa­tion alles um Rache drehen.

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05 2016 The Red Bulletin

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