Seth Rogen

Seth Rogen: „Titten sind nicht lustig, Eier schon!“

Interview: Holger Potye
Photo: Universal Pictures International

Seth Rogen & Chloe Grace Moretz über gelebte „Nachbarschaftshilfe“ und Genital-Jokes in Bad Neighbors 2. 

THE RED BULLETIN: Es gibt da einen Witz in Bad Neighbors 2, der politisch korrekten Zeitgenossen etwas aufstoßen dürfte …

SETH ROGEN: (Lacht.) Sie meinen den „Noch ein Jude im Ofen“-Joke? Der sorgt für die meisten Lacher!

CHLOE GRACE MORETZ: Das ist definitiv der gemeinste Witz im ganzen Film.

Aber Sie können ihn machen.

SR: (Lacht.) Ja, klar. Ich darf. Ich bin Jude. Wenn den einer machen darf, dann ich.

Wem ist der Witz denn eingefallen?

SR: Der ist einfach so aus mir rausgesprudelt. Ich habe improvisiert. Selbst ich war geschockt, als ich hörte, was ich da sage. Es ist einer dieser Jokes, bei denen du nicht davon ausgehst, dass die Masse ihn überhaupt mitkriegt oder kapiert. Als wir dann im Kino ein Probescreening gemacht haben, haben wir dafür die meisten Lacher bekommen. Das hat mich ein bisschen schockiert. Es ist nur ein kleiner, verbaler Joke in einem Film, der mit Over-The-Top-Slapstick-Momenten gespickt ist.

© Universal Pictures // Youtube

Der Film liefert mehr als nur lustige Slapstick-Momente. Sie sprechen viele brandaktuelle Themen an - zum Beispiel die Gender-Debatte, Erziehungsfragen und den Generation Gap. Zeitweise ist man überrascht, dass Sie da noch Platz für Jokes fanden.

SR: Wenn man in Hollywood ein Sequel machen will, heißt es immer: „Macht einen größeren, lustigeren Film!“ Unser Zugang lautete: „Lasst uns einen gescheiteren Film als Teil eins machen.“ Wir haben viel Energie in die Handlung, die Themen und in die Botschaften dahinter gesteckt. Bad Neighbors 2 ist auf jeden Fall ein Film mit Message.

Best celebrity I've ever met.

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Ihnen ist ein kleines Kunststück gelungen. Sie haben eine Komödie gedreht, bei der es keinen typischen Bösewicht gibt. Eigentlich mag man alle Charaktere, obwohl sie Gegenspieler sind und verschiedene Interessen vertreten.

SR: Ich mag keine typischen, klischeehaften Bösewichte - speziell in Komödien. Aber es gibt natürlich jede Menge Konflikte im Film. Darum funktioniert er auch. Meiner Meinung nach sind Bösewichte nur dann gut (und berechtigt), wenn der Drehbuchschreiber ihnen auch Charakter verliehen hat. Man muss ihre Motive und Handlungsweisen verstehen können, hegt vielleicht sogar das eine oder andere Mal Verständnis und Sympathie für sie. Das war mir auch in diesem Film wichtig. Was Chloe und ihre Girls machen, ist richtig und wichtig.

Im Gegensatz zum ersten Film mit Zac Efrons Burschenschaft?

SR: Ja, viel mehr als bei den Jungs. Klar verstehst du, warum die Jungs Spaß haben wollen. Aber moralisch betrachtet waren ihre Motive belanglos. Das wollten wir diesmal anders machen. Mir gefiel, dass man als Zuseher versteht, warum Rose (Byrne) und ich als Paar so agieren, wie wir agieren. Zugleich kann man aber auch verstehen, warum Chloes Girls aus der Studentinnenverbindung ihr Ding durchziehen. 

 „Ich mag keine Bösewichte, schon gar nicht in Komödien“

Chloe tut etwas äußerst Unrealistisches in Bad Neighbors 2: Sie setzt Zac Efron vor die Tür. 

CM: Nun, ich denke das ist ein übliches Vorurteil gegenüber jungen Frauen. Wir sind nicht alle hirntot, sobald ein fescher Kerl vor uns steht. 
SR: Ja, nicht alle lassen sich von Zac blenden.
CM: Wir lassen uns nicht von perfekten Sixpacks aus der Ruhe bringen. (Lacht.)

„Wir haben keine Nacktszenen, außer es gibt einen verdammt guten Grund dafür“
Seth Rogen über freizügige Szenen in Bad Neighbours 2

Wie steht es um die Zensur bei US-Komödien? Wenn man Bad Neighbors 2 sieht, scheint es, als wäre es voll okay, das männliche Gemächt vor der Kamera baumeln zu lassen. Bei weiblichen Nippeln sieht die Sache anders aus …

SR: Nein, nein. Wir dürfen schon weibliche Nippel zeigen. Wir tun’s bloß nicht.

Warum?

SR: Titten sind nicht lustig, Eier schon! (Lacht.)
CM: Die US-Zensurbehörde erlaubt mehr weibliche Nacktheit als männliche.
SR: Und wir haben uns entschlossen, dem entgegenzusteuern.
CM: Ja, es ist lustig, einmal den Spieß umzudrehen.
SR: Als ich jung war, habe ich mir all die Komödienklassiker wie Animal House, Caddyshack und Co. angesehen. Ich habe sie geliebt, aber für mich passten damals die Nacktszenen irgendwie nicht zum Rest des Films. Es fühlte sich schräg an. Ich hatte das Gefühl, die haben sie nur ins Drehbuch geschrieben, damit mehr Leute zusehen. Stimmig war das allerdings nicht. Wir haben bei Bad Neighbors 2 auf Nacktszenen verzichtet, außer es gibt einen verdammt guten Grund dafür.

Sie und Zac Efron verbringen diesmal viel Zeit ohne Shirt. Haben Sie sich wohlgefühlt? Zac hat immerhin ein perfektes Sixpack zu bieten.

SR: Stimmt, er hat einen guten Körper. Aber ich schäme mich nicht für meine „Schwimmreifen“ um den Bauch. Ich weiß, wie viel Zeit er in seinen Körper investieren muss. Ich würde so nicht leben wollen. Ich liebe gutes Essen und bin der geborene Couch-Surfer.

Chloe, wir haben Sie bisher noch kaum in Komödien gesehen. Wird sich das nach Bad Neighbors 2 ändern?

CM: Das ist meine erste Comedyrolle. Es hat extrem Spaß gemacht und es war eine tolle Gelegenheit, mit Seth zu arbeiten. Für mich ist er eines der größten Comedy-Genies unserer Zeit. Was meine Zukunft betrifft: Ich möchte möglichst viel unterschiedliche Charaktere in verschiedenen Genres spielen. 

Seth, Sie waren großartig im Film über Apple-Gründer Steve Jobs. Können Sie sich vorstellen, auf Dauer ins ernste Fach zu wechseln?

SR: Ich würde mehr ernsthafte Rollen spielen, wenn man mich fragt. Aber ich glaube, als nächstes mache ich bei einem von Chloes Filmen mit.

CM: Ja, genau. (Lacht.)

SR: The Sixth Wave. (Beide lachen. Hinweis: Chloes letzter Film hieß The Fifth Wave.)

SR: Ich hatte viel Spaß beim Dreh. Zacs schauspielerische Fähigkeiten sind auf einem All-Time-High, das meine ich ganz ernst. Allerdings wird das niemandem auffallen, weil Bad Neighbors 2 eine Komödie ist und Zac sein Gemächt in die Kamera hält.

@chloegmoretz this movie's gon b ridiculous 🙌🏼 #neighbors2

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Würden Sie einen Film wie The Interview - eine Politsatire, in der Sie und James Franco für die CIA Diktator Kim Jong-un ermorden sollen - nochmal machen? Zum Beispiel über Erdogan, Trump oder Putin …

SR: Sag niemals nie, aber nach den Erfahrungen mit The Interview müsste ich mir das gut überlegen. Derartige Komödien müssen stets Extreme ausloten. Sie sind zugleich auch ein Beweis dafür, wie viel Macht und Impact Kino, oder Kunst im Generellen, haben kann. Dass der Film wegen den Drohungen Nordkoreas zuerst nicht im Kino gezeigt wurde, ist natürlich traurig. The Interview war in gewisser Weise ein großer Erfolg und zugleich eine ziemliche Schlappe.

Haben Sie Personenschutz bekommen, als The Interview dann doch noch in den Kinos anlief?

SR: Sony hat dafür gesorgt, dass wir alle Security-Guards hatten, als der Film in den Kinos anlief. Aber von einem Tag auf den anderen waren die dann verschwunden. (Lacht.)

Einfach so?

Ja! Sony hat es wohl nicht der Mühe wert befunden uns anzurufen, und uns mitzuteilen, dass keine Security mehr vor unserem Haus steht. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes eines Tages vor die Haustür getreten und keiner war mehr da. Ich weiß noch, als wir Personenschutz hatten, sagten James (Franco) und ich immer: „Pah, wir brauchen keine Security. Das ist doch Bullshit!“ In dem Moment, in dem sie plötzlich nicht mehr da waren, war ich der erste, der sagte: „Wo ist mein Bodyguard? Was ist hier los? Security!“ Ich rief also James (Franco) an und fragte ihn: „Sind deine Bodyguards heute auch spät dran?“ Und er sagte: „Nein, die sind einfach wie vom Erdboden verschluckt. Vermutlich sind wir nicht mehr gefährdet. Oder Sony hat keinen Bock mehr, die Security-Spesen zu berappen.“

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05 2016 Redbulletin.com

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