SoKo

„Ich war in Sophie Marceau verliebt“

Interview: Florian Obkircher
Bilder: Warner Music

Musikerin SoKo im Interview über ihr zweites Album, eine geplatzte Hochzeit und schlechte Erfahrungen beim Flaschendrehen.

2007 landete die 21-jährige Stéphanie „SoKo“ Sokolinkski den Überraschungshit des Jahres. In dem Lo-Fi-Song „I’ll Kill Her“ rechnete sie in charmant französischem Akzent mit ihrem Ex-Freund und seiner neuen Geliebten ab. Ohne große Plattenfirma im Rücken legte die junge Französin damals einen beeindruckenden Karrierestart hin: Ausverkaufte Konzerte in Australien, Belgien und den USA, eine große Tour mit ihrer Heldin M.I.A., Popstar CeeLo Green coverte das Stück.

Acht Jahre später zählt SoKo nun zu den erfolgreichsten Künstlerinnen ihrer Heimat. Für ihre Rolle in dem Film „In The Beginning“ wurde sie 2010 mit dem renommierten César Award als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet, ihr zweites Album erschien Ende Februar unter Applaus des Feuilletons.

Es ist eine selbstbewusste Platte, auf der die Musikerin leichtfüßig zwischen rotzigem Post-Punk und flockigen Folk-Songs balanciert. Den Frust ihrer Teenagertage hat SoKo abgelegt, der Motor ihrer neuen Songs sind Träume. Darauf deutet schon der Albumtitel hin: „My Dreams Dictate My Reality“.

Für ihr neues Album „My Dreams Dictate My Reality“ nahm SoKo ein Lied mit dem amerikanischen Musiker Ariel Pink auf. 

THE RED BULLETIN: Was hast du letzte Nacht geträumt?
SoKo: Es war ein Albtraum. Ich stand auf der Bühne, steckte meine Instrumente an und nichts funktionierte. Träume von Konzerten, bei denen nichts klappt, sind die schlimmsten. Ich wache auf und fühle mich total wertlos.

Was könnte das heißen? Versuchst du deine Träume zu deuten?
Ich versuche aus meinen Träumen zu lernen. Bei diesem bin ich mir nicht sicher. Was könnte er bedeuten? Vielleicht dass ich in ein paar Tagen auf Tour gehe und mich noch nicht ganz bereit dafür fühle. Vielleicht ist der Traum Ausdruck meiner Nervosität.

Dabei könnten die Vorzeichen doch gar nicht besser stehen: Die Kritiken deines neuen Albums sind durch die Bank positiv. Bei dem Titel „My Dreams Dictate My Reality“ musste ich übrigens an den Film „La Boum – Die Fete“ denken. Vermutlich wegen dem Titelsong „Dreams Are My Reality“. Kennst du den?
Klar! Aber lustig, diese Parallele ist mir noch gar nicht aufgefallen. „La Boum“ war einer meiner Lieblingsfilme als Teenager. Ich war in die Hauptdarstellerin Sophie Marceau verliebt. Sie ist der Grund, warum ich Schauspielerin werden wollte. Ich wollte so sein wie Vic (Marceaus Rolle, Anm.), ich wollte ihren Freund küssen. Und nicht zu vergessen: der Titelsong hat mich etliche Male zum Weinen gebracht. Es war der Soundtrack meiner Jugend. 

Der Film löst ganz schön viele Emotionen bei dir aus!
Mann, ich realisiere gerade, dass mich der Film unterbewusst zu meinem Albumtitel inspiriert hat. Dabei habe ich schon ewig nicht mehr an den Streifen gedacht. Vielen Dank, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast!

„Ich verliebe mich ständig in Leute auf Facebook. Du stellst dir vor, wie es wäre, im echten Leben mit dieser Person zusammen zu sein.“
SoKo
SoKo

Mochtest du als Teenager Partys?
Nein. Meine Geburtstagsfeiern waren schrecklich. Ich war immer das seltsame Mädchen, das sich in der Ecke versteckte und weinte. Diese Erlebnisse haben mich zur hoffnungslosen Romantikerin gemacht.

SoKo

„Mir wurde einmal online ein Heiratsantrag gemacht.“ 

Auch beim Flaschendrehen hattest du keinen Spaß?
Naja, es war meine einzige Gelegenheit, einen Kuss abzustauben. Wenn die Flasche gedreht wurde, schloss ich meine Augen und hoffte, dass sie bei dem Jungen stehenbleibt, in den ich verliebt war. Aber meistens zeigte sie auf den hässlichsten Typ der Party. Feig wie ich war, lief ich schluchzend weg (lacht).

Die hübschen Jungs von damals werden sich ärgern. Neben deiner Musikkarriere startest du gerade auch in Hollywood durch. In Spike Jonzes Film „Her“ hattest du neben Scarlett Johansson eine Sprechrolle. Wie kam es dazu?
Spike und ich sind gute Freunde. Wir lernten uns von Jahren in Los Angeles kennen als wir gemeinsam an einem Projekt arbeiteten.

In dem Film verliebt sich Joaquin Phoenix in ein Betriebssystem. Wie nahe ist diese Zukunftsvision an unserer Realität?
Ich kann mir das schon vorstellen. Ich verliebe mich ständig in Leute auf Facebook. Du stellst dir vor, wie es wäre, im echten Leben mit dieser Person zusammen zu sein. Du idealisiert die Person. Dann triffst du sie im echten Leben – und wirst meistens enttäuscht.

Sprichst du aus Erfahrung?
Mir wurde einmal online ein Heiratsantrag gemacht. Von jemandem, den ich auf Skype kennenlernte. Wir trafen uns, verliebten uns und planten sogar unsere Hochzeit. Dann entdeckte ich, dass er heroinabhängig war. Ein heikles Detail, das er mir verschwiegen hatte.

Auf deinem neuen Album singst du einen Song mit dem amerikanischen Indie-Enfant-terrible Ariel Pink. Wäre der nicht ein guter Fang?
Wir gingen tatsächlich eine Zeit lang miteinander aus. Aber wir fanden schnell heraus, dass das auf Beziehungsebene nicht klappt mit uns. Dafür ergänzen wir uns musikalisch umso besser.

SoKos neues Album „My Dreams Dictate My Reality“ (Because/Warner Music) ist bereits erschienen; am Freitag (13.03.) präsentiert sie es live im Flex in Wien. Tickets gibt’s hier

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03 2015 The Red Bulletin 

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