Sophie Turner aka. Sansa Stark in "Game of Thrones"

„Game of Thrones“-Nesthäkchen Sophie Turner: Die nackte Wahrheit

Text: Holger Potye
Bilder: Getty Images 

„Game of Thrones“-Starlet Sophie Turner spricht im Interview seelenruhig über ihre Rolle als Sansa Stark, ihre Männerwahl und männliche Nacktheit.

THE RED BULLETIN: Was erwartet Sansa in Staffel 5?

SOPHIE TURNER:
Am Ende der vierten Staffel hat sich Sansa vom lieben Mädchen-Dasein verabschiedet. Sie hat sich in eine Art dunkle Sansa, eine „Darth Sansa“ (um es im Star Wars-Jargon zu sagen), verwandelt - auch ihre Denkweise hat sich verändert. In der neuen Staffel muss sie wieder durch jede Menge Tiefen gehen – immerhin handelt es sich ja um Game of Thrones – aber sie stellt sich diesen Herausforderungen jetzt anders. Was ich noch verraten darf in Sachen Plot: Es gibt wieder ein paar bekannte Gesichter zu sehen - aber das ist echt alles, was ich verraten darf! (Lacht.) 

Sie dürfen also nicht verraten, ob sich ihre Beziehung zu Littlefinger weiter entwickelt?

Sie entwickelt sich, so viel kann ich sagen. Littlefinger und Sansa scheinen von außen betrachtet dieses seltsam, kaputte Paar zu sein. Aber es ist keine komplett verkorkste Beziehung. Vielmehr ist es wohl so, dass für Sansa die einzige Möglichkeit die Dinge zu bekommen, die sie will, darin besteht ihre Weiblichkeit und Sexualität einzusetzen. Wir sehen das an ihren neuen Outfits, an ihrer neuen Frisur – an diesen Dingen. Und Littlefinger hält sie definitiv auf Trab. Die beiden sind wie eine Art Tagteam beim Wrestling – jeder setzt noch eines drauf. Dadurch bleiben sie aber auch auf Zack. Sansa und Littlefinger im Doppelpack sollte man nicht unterschätzen.   

Game of Thrones

Die Highlights aus Staffel 4 und 5.

© Screen Junkies // YouTube

Es gibt sehr unterschiedliche Frauentypen in der Serie. Cersei war immer die Powerfrau, die genau wusste, wie man Machtspiele spielt. Sansa war im Gegensatz dazu eher wie eine unberührte Blume. Müssen wir uns vor der neuen Sansa fürchten?

Ich weiß, viele Fans fürchten, dass sich Sansa in eine böse Königin Cersei verwandelt. Aber keine Angst: Sansa trägt noch immer die moralischen Werte des Hauses Stark in sich. Sie ist noch immer nobel und will das Richtige tun. Im Unterschied zu ihrer Familie versucht sie ihre Ziele auf eine andere Art zu erreichen. Statt Ehrlichkeit und Wahrheit wird Sansa wohl mehr auf Täuschen und Manipulieren setzen, um das zu bekommen, was sie will. Aber am Ende des Tages tut sie das alles aus hehren Motiven. Der Zweck heiligt die Mittel. 

Sophie Turner

© Getty Images/Stefania D’Alessandro/WireImage

Viele Fans mögen Sansa nicht besonders. Für einige ist sie sogar ein Bösewicht …

Mögen die Fans sie wirklich noch immer nicht? Ich glaube nicht, dass die Leute Sansa notwendigerweise als Bösewicht sehen. Es gibt kein klassisches Gut und Böse in Game of Thrones. Das ist ja das Tolle an der Show. Jeder Charakter ist komplex. Sansa ist kein Bösewicht, nur ein weiterer Spieler im Spiel um die Macht, den man nicht unterschätzen sollte. Man kann es eben nicht allen recht machen. Sansa ist ein 15-jähriges Mädchen. Sind nicht die meisten 15-jährigen Mädchen nervig? Mir gehen sie jedenfalls ziemlich auf die Nerven. (Lacht.)

Sansa hat definitiv einen seltsamen Geschmack was Männer angeht. Zuerst Joffrey, dann Tyrion, jetzt Littlefinger 

Seien wir einmal ehrlich: Sansa ist diesen Männern nicht wirklich nachgelaufen. Es war nicht ihre Entscheidung. Sie wurde immer verbandelt. Was Joffrey anbelangt, da war sie wohl ein bisschen verknallt und hat ihn durch eine rosarote Brille betrachtet. Sie dachte sich: „Er ist ein Prinz und ich werde Prinzessin und eines Tages werde ich Königin sein, und das wird alles total romantisch und wunderbar.“ Außerdem sieht Joffrey nicht schlecht aus. Also, warum nicht? Der Rest von Sansas Männern war nicht ihre Entscheidung. Aber sie hat definitiv ein bisschen Pech in der Liebe und kein Händchen dafür. Loras (Tyrell), auf den sie gehofft hatte, ist homosexuell. Und was die Sache mit Littlefinger betrifft – die hat er arrangiert. 

Sophie Turner

  • Geboren: 21. Februar 1996 in Northampton
  • Bei „GoT“ seit: 2011
  • Filmografie: Another Me (2013), Barely Lethal (2015), X-Men: Apocalypse (2016), Alone (2016)
  • Fun Fact: Obwohl sie als Rothaarige zu Berühmtheit gelangte, ist sie eigentlich blond
     

„Für mich gilt: je mehr Gewalt, desto besser!“
Sophie Turner

 Was will Sansa mehr als alles andere in der Welt?

Ich denke seit dem Ende von Staffel 1 hat sie eigentlich nur ein großes Ziel: Sie will ihre Familie wiedersehen. Allerdings stirbt ihr die ziemlich schnell unter den Händen weg. Ich denke mittlerweile geht es für Sansa vor allem ums Überleben, damit sie eines Tages vielleicht wieder die noch lebenden Starks in die Arme schließen kann.

Haben Sie auch das Gefühl, dass die Serie von Staffel zu Staffel brutaler wird?

Ja, absolut und ich finde es gut.

Gibt es für Sie eine Grenze was die Darstellung von Gewalt betrifft?

Ich glaube nicht, dass es bei Game of Thrones irgendwelche Grenzen gibt. Das ist doch auch das Tolle an der Show. Wir loten immer die Grenzen aus. Deshalb gilt für mich: je mehr Gewalt, desto besser. 

Es scheint allerdings Grenzen zu geben was männliche Nacktszenen betrifft…

Ha! Vergleichen wir einmal Game of Thrones mit anderen TV-Serien. Es gibt in unserer Show viel mehr *Schwänze* zu sehen als in jeder anderen TV-Show. Das Verhältnis weibliche und männliche Nacktszenen ist definitiv nicht 50:50, das stimmt. Aber der Grund dafür liegt meiner Meinung nach darin, dass Frauen sich – obwohl wir auch Kämpferinnen wie Daenerys und Brienne in der Show haben – zu der Zeit meistens anders zu helfen wissen mussten. Sie mussten manipulieren, um das zu bekommen, was sie wollen. Und um zu manipulieren, setzten sie ihren Körper ein. So war das damals. Um Macht zu bekommen, bedienten sich Frauen ihrer Sexualität. Das ist ein bewusster Akt. 

Wie würden Sie das Haus Stark beschreiben?

Für das Haus Stark stehen Ehre und Moral über allem anderen. Das macht die Starks zu den Starks. Sie wollen für das Gute kämpfen. Das wurde uns schon eingebläut, als wir begonnen haben die erste Staffel zu drehen. Jedes Haus steht für andere Charaktereigenschaften und Werte. Die Tyrells kennen sich gut mit Manipulation aus – vor allem Olenna und Margaery sind Profis darin. Die Lannisters sind die „bösen Buben“ – mit Ausnahme von Tyrion. Wir bekamen, als wir mit Game of Thrones anfingen, alle genaue Charakterhinweise und Beschreibungen der verschiedenen Häuser. 

„Es gibt in unserer Show viel mehr *Schwänze* zu sehen als in jeder anderen TV-Show.“
Sophie Turner

Bei den Interviews zur 4. Staffel hat Maisie (Williams) gesagt, dass sie in der Schule Probleme hatte. Sie wurde von einigen Mitschülern gemobbt, weil sie auf einmal berühmt war.

Ja, das hab’ ich auch gehört. Und ich kann es nachvollziehen. Es ist schwierig, denn Kinder können ganz schön gemein sein. Sie verstehen oft nicht, was da passiert und sind eifersüchtig. Ich hatte aber Glück. Ich kam einfach zurück zur Schule und machte weiter und alle meine Freunde unterstützten mich. Aber du lernst natürlich in dieser Zeit, wer deine wahren Freunde sind. 

Stimmt es, dass Sie „Lady“, Ihren Wolf, adoptiert haben?

Ja, „Lady“ stirbt in der Serie, wie wir alle wissen. Alle anderen Hunde, mit denen wir am Set arbeiteten, waren perfekt und taten alles, was man mit ihnen trainiert hatte. Nur meiner nicht. Sie war nicht die allerbeste Schauspielerin, das darf ich verraten. (Lacht.)
Also haben die Tiertrainer, als die Dreharbeiten mit „Lady“ beendet waren, gesagt: „Wir brauchen sie nicht mehr. Will sie jemand haben?“ Und ich sagte sofort: „Ja, ich will sie haben. Also hab’ ich sie mit nach Hause genommen. Im echten Leben heißt sie übrigens „Zuni“.

Warum hat die Show diesen weltweiten Erfolg?

Ich glaube es liegt an unseren Drehbuchschreibern und an George R.R. Martin, der die großartige Vorlage geliefert hat. Die Balance zwischen Fantasy und sehr echten, menschlichen Gefühlen und Emotionen ist perfekt. Viele Fantasy-Serien schaffen es nicht ihr Publikum zu berühren, weil die Handlung und die Charaktere nicht glaubhaft sind. Alles wirkt ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Ja, wir haben auch Drachen und Eis-Zombie-Monster, aber es gibt in Game of Thrones auch ganz normale menschliche Beziehungen, wie die zwischen Jon und Sam zum Beispiel. Darin kann sich jeder wiederfinden. Jeder Mensch hat einen Freund wie Jon oder Sam. Diese zwischenmenschlichen Beziehungen funktionieren auch in unserer heutigen Zeit genau so. Dasselbe gilt für die politischen Intrigen und das Ränkeschmieden in der Show – auch wenn es bei uns immer wieder echt „magische“ Momente gibt.

Sophie Turner in ihrer Rolle als Sansa Stark

©  Ryan Kyle Newman // YouTube

Konnten Sie etwas von Ihrem Charakter Sansa für Ihr echtes Leben lernen?

Glücklicherweise habe ich nicht dieselben Probleme wie Sansa. Manchmal wünsche ich mir, dass ich mehr wie sie wäre. Aber ich war nie in solchen extremen Situationen wie sie. Ich habe, Gott sei dank, keinen größenwahnsinnigen Psychopathen als Verlobten. Aber ich bewundere Sansas Überlebensstrategien. Falls ich also je in so eine Situation kommen sollte, werde ich hoffentlich von Sansas Wissen profitieren. Aber wir haben zumindest einige Gemeinsamkeiten. 

Viele der Schauspieler in der Serie haben actionreiche Szenen, die auch eine körperliche Herausforderung sind. Geht Ihnen das ab? Würden Sie sich ein bisschen mehr Action für Sansa wünschen?

Anfangs hab’ ich mir das schon gewünscht. Ich fragte mich: „Warum dürfen alle anderen mit Schwertern kämpfen und ich darf nur da sitzen und weinen?“ Aber nach einer Weile wurde mir klar, dass genau das Sansas Überlebensstrategie ist. Sie kann sich sehr gut an ihre Umgebung anpassen. Sie weiß, wann sie den Mund halten muss. Sie weiß, wann sie untertauchen muss, um zu überleben. Sie kann es sich nicht leisten wild um sich zu schlagen, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Ich meine, vielleicht wird sie genau das eines Tages machen. Aber Sansa ist so gut darin geworden ein unschuldiges Gesicht aufzusetzen und allen anderen etwas vorzuspielen. Nach außen hin ist sie das verletzliche, naive Mädchen. Innen drinnen sieht es aber ganz anders aus. Trotzdem wäre es nett auch einmal ein paar Stunts zu machen. 

Die Show geht jetzt in ihr fünftes Jahr. Sie sind mittlerweile 19. Auf gewisse Weise ist „Game of Thrones“ auch eine Art Video-Tagebuch von Ihnen. Man kann Ihnen beim Erwachsenwerden zuschauen. Fühlt sich das nicht ein bisschen seltsam an?

Das ist sogar sehr seltsam. Maisie (Williams) und Isaac (Hempstead-Wright) und ich, wir gingen quasi vor einem Millionenpublikum durch unsere Pubertät. Das kann ganz schön peinlich sein. Wenn ich mir heute die erste Staffel noch mal anschaue, schäme ich mich teilweise zu Tode. Hab’ ich wirklich so ausgesehen? Hab’ ich echt so ungeschickt gespielt? Es ist furchtbar. Vor einem Millionenpublikum erwachsen zu werden ist kein Spaß, glauben Sie mir! Andererseits ist es auch etwas ganz Besonderes, wenn du deine Jugend auf einem Game of Thrones-Set verbringen darfst. Ich musste dadurch schneller erwachsen werden und dafür bin ich dankbar. Für mich war es perfekt. Ich könnte mir heute nicht mehr vorstellen einfach zur Schule zu gehen, dann die Universität zu besuchen und danach in einem Bürojob zu enden. Ich hatte Glück! 

„Ich zwinge meine Mutter sich GoT anzuschauen.“
Sophie Turner

Können Sie in London auf der Straße gehen ohne erkannt zu werden?

Okay, ich werde des Öfteren erkannt, wenn ich durch die Straßen spaziere. Aber das ist nicht schlimm. Damit komm’ ich klar. Verrückt war es nur, als wir unsere allererste Premierenfeier hatten. Das war in der dritten Staffel. Wir sind damals aus den Autos gestiegen, um zum roten Teppich zu gehen und die Leute haben uns zugejubelt. Und wir konnten nicht glauben, dass alle wegen uns da waren. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich eine Verantwortung habe. Du musst dich immer von deiner besten Seite in der Öffentlichkeit zeigen. Aber mir fällt das nicht schwer. Da die Serie erst über die Jahre größer und größer wurde, konnten wir gut lernen damit umzugehen. 
 

Schaut sich Ihre Mutter „Game of Thrones“ an?

(Lacht.) Ja, das muss sie. Wir schauen immer gemeinsam.

Game of Thrones gibt es auf SKY zu sehen!

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04 2015 The Red Bulletin

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