Die Stereotypen und Klischees aus "Star Wars"

Star Wars: Angriff der Stereotype

Text: Christoph Stachowetz/Marco Rauch
Fotos: Lucasfilm

Das Star-Wars-Universum ist die Heimat einer Vielzahl unterschiedlichster Charaktere. Doch selbst die buntesten Fantasie-Gestalten sind oftmals nur Abbilder gängiger Klischees unserer Gesellschaft. Vorhang auf für die Stereotypen-Stars!

Vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxie… waren auch zahlreiche Klischees und stereotype Figuren offenbar keine Seltenheit. Ja, richtig: „Star Wars“ ist nur so überfüllt mit recht zweifelhaften Charakteren, die klar in Richtungen zeigen, die bei näherer Betrachtung nicht ganz unproblematisch sind. Vor allem bei der neuen Trilogie, also den Prequel-Teilen rund um den eher mühseligen Aufstieg und Fall Anakin Skywalkers, finden sich eine Vielzahl anstößiger Persönlichkeiten, die eigentlich keinen Platz in einem modernen Blockbuster mit jugendlichem Zielpublikum haben (Wobei: Transformers?).

Hier jedenfalls die umstrittensten Stereotypen und Klischeebilder in allen bisherigen „Star Wars“-Teilen. Beschwerde-Mails bitte an: george.lucas@notmyproblemisoldthefranchise.com

Nute Gunray, Rune Haako und Daultay Dofine: Die hochnäsigen und hinterlistigen Franzosen (im Original: Asiaten)

Nute Gunray

Wer? Einer der sehnlichst erwarteten Filme zur damaligen Zeit - und er beginnt mit einer Handelsblockade. Und kaum machen diese dämonischen Bösewichte, hinter denen sich sogar ein Darth Vader verstecken kann, ihren Mund auf, hört man es: einen starken französischen Akzent (bzw. im Original waren es Asiaten).

Warum? Die hanebüchene Theorie: Star Wars spielt gar nicht in einer anderen Galaxie und schon gar nicht vor langer Zeit, sondern weit in der Zukunft. Die Menschheit, die sich über das Weltall verstreut hat, ist mutiert und die Franzosen hatten leider Pech und kamen auf einen Planeten, auf dem die Anpassung an Klischees die einzige Form zu überleben war.

Dexter Jettster: Der für seine Kochkünste bekannte Italiener

Dexter Jettster

Wer? Nicht nur eine gute, sondern eine grundsätzliche Frage: Wer genau ist Dexter Jettster und warum sollte man den Namen oder Charakter kennen? Eine tatsächliche Antwort können wir kaum liefern, auch George Lucas dürfte beim Ausdenken dieses “Besaliken”, der einen kleinen Imbiss auf Coruscant betreibt und einen alten Bekannten von Obi-Wan Kenobi darstellt, sicher nicht allzu viel Energie verschwendet haben. Jedenfalls erfüllt er seine ihm angedachte Aufgabe und liefert dem Jedi-Ritter in Angriff der Klon-Krieger ein paar Story-relevante Informationen rund um den Planeten Kamino.

Warum? So wie fast alle auch nur schemenhaft gezeichneten oder kurz auftretenden Figuren im Star Wars-Universum ist auch die Hintergrund-Geschichte zu Dexter gefüllt mit Trivialitäten, die sich nur ein Wahnsinniger ausgedacht haben konnte. So ist er nicht nur ein Waffenschieber, Schmuggler und Barkeeper, sondern auch - seinem Auftreten wohl entsprechend - Koch und Sandwich-Spezialist. Natürlich hat der Besitzer von Dex’ Diner auch einen italienischen Akzent verpasst bekommen, um das Klischee perfekt abzurunden. Wir sind eigentlich überrascht, dass seine Spezialität nicht in Richtung Pasta-Rezepte geht.

Watto: Der kleine, geldgierige und herzlose Jude

Watto - Star Wars

Wer? Der auf seinen Stummelflügeln schwebende Watto ist nicht nur ständig auf seinen Profit bedacht, sondern auch gleichzeitig der Sklavenhalter von Klein-Anakin und seiner Mutter. Immerhin etwas, eine Familie soll man ja nicht trennen.

Warum? Weil, wieso nicht? Wenn uns die Geschichte schon sonst nichts gelehrt hat, und das hat sie nicht, dann, dass sich George Lucas noch nie darum geschert hat, was andere von ihm denken. Im Guten wie im Schlechten. 

Tusken-Räuber: Die gewaltbereiten und unzivilisierten Sandleute

Tusken Raiders - Star Wars

Wer? Man kann sich richtig das Brainstorming vorstellen: Wir brauchen ein Volk, das in der Wüste lebt, gerne Schleier trägt und von denen jedes Wort, das sie sagen, in unseren westlichen Ohren wie wüste Beschimpfungen klingt.

Warum? Weil für die “klugen Kreativen” hinter dem Star Wars-Universum die Antwort darauf nur die Araber sein konnte. Da hat sich wohl jemand vor einem „Lawrence von Arabien“-Screening gedrückt? Oder ist es etwa der verzweifelte Versuch, eine Form von politischer Aussage in das „Star Wars“-Universum zu bringen? Hoffentlich nicht, denn dann wäre das, na ja, fragwürdig.

Jar Jar Binks: Der tollpatschige Naivling mit mehr Glück als Verstand (später: Politiker)

Jar Jar Binks - Star Wars

Wer? Leider stellt sich die Frage kaum, hat sich die wohl meistgehasste Filmfigur aller Zeiten doch fix in das Gedächtnis eines jeden Filmfans unwiderruflich eingebrannt. Fest verkettet mit der „Star Wars“-Prequel-Trilogie, vermag der “Gunganer” das erste Anzeichen für das Scheitern aller drei Filme gewesen zu sein: Zu infantil, komplett unnötig im Gesamtverlauf der Handlung und auch noch bei jedem Auftritt so unglaublich nervig, dass auch heute noch beim kleinsten Gedanken an ihn gleichzeitig Wut und Frust in einem aufkocht.

Warum? Sowohl in der Literatur als auch im Film existiert ein Stilmittel namens “Comic Relief”, also eine sinngemäß befreiende Komik, die sich in Szenen, Dialogpassagen oder auch Figuren auszudrücken vermag. Die erste „Star Wars“-Trilogie hatte dies etwa in Form von C-3PO und R2-D2. Jar Jar Binks ist vor allem in „The Phantom Menace“ für genau diesen Zweck erschaffen worden. Tollpatschig und extrem ungeschickt, scheinbar komplett willkürlich agierend, naiv, Nonsense-Sprachgebrauch und nur durch reines Glück noch am Leben, treibt Drehbuchautor und “Regisseur” George Lucas das Ganze dann auf die Spitze und macht ihn - wie tiefsinnig, George - in den nachfolgenden „Star Wars“-Filmen zum Volksverteter im galaktischen Senat. Eine Art CGI-Forrest-Gump könnte man sagen.

Nien Nunb: Der mexikanische, chilenische oder auch philippinische Co-Pilot

Nien Nunb - Star Wars

Wer? Kein Rechtschreibfehler: Schon in der ersten „Star Wars“-Trilogie finden sich Charaktere mit schrägen Namen, hier nun ist der Millennium-Falke-Co-Pilot von Lando Calrissian gemeint, der für die (endgültige) Zerstörung des Todessterns auch irgendwie mitverantwortlich ist.

Warum? Mal wieder eine Star Wars-Figur, die kaum verständlich ist und als Kompagnon im Schatten eines Draufgängers steht. Mit seiner gedrungenen Statur und schrägem Sprachgebrauch wirkt Nien Nunb recht enigmatisch, auch die Tatsache, dass der Synchronsprecher einen obskuren kenyanischen Dialekt (“Haya”) benutzt hat und es sich hierbei zudem um eine vollbewegliche Puppe handelt, lässt den Charakter zumindest einigermaßen interessant wirken. Man wird jedoch kaum den Eindruck los, dass auch hier mit verschiedenen Stereotypen nur so um sich geschmissen wurde.

Oola: Eine der wenigen weiblichen Figuren im „Star Wars“-Universum (aka die leichtbekleidete Tänzerin)

Oola - Star Wars

Wer? Die halbnackte Konkubine von Jabba the Hut. Vollführt erotische Tänze in hautengen Kleidern. Wird im weiteren Verlauf von Prinzessin Leia ersetzt, nachdem sie entkommen wollte und Jabba ihrer Überdrüssig wurde.

Warum? Weil es auch im Star Wars-Universum Frauen geben muss. Auch wenn es offensichtlich nur zwei Arten von Frauen gibt: heldenhafte Kämpferinnen (Padmé, Leia) und eben die leichtbekleideten Damen (Oola und wieder: Leia). Damit (und mit seinen Dialogen zwischen Anakin und Padmé) hat sich Lucas wahrlich den Titel als größter Frauenversteher verdient.

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12 2015 Pressplay für The Red Bulletin

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