Daisy Ridley

Daisy Ridley im Interview: „Ich wollte nie berühmt sein“

Interview: Alexander Kern 
Foto: Getty Images

Die Macht ist mit ihr: Die Hauptrolle im neuen „Star Wars“-Film befördert Daisy Ridley vom Nobody zum Superstar. Dabei wollte sie ja eigentlich etwas ganz anderes machen.

Mit einem schüchternen Lächeln im schönen Gesicht betritt Daisy Ridley die riesige Suite im Ritz-Carlton in München. Sie trägt ein beinahe bis zum Kinn hochgeschlossenes Blümchenkleid. Man merkt gleich: Diese Frau weiß noch nicht so recht, wie sie mit all der Aufmerksamkeit umgehen soll.

Eben noch war sie nicht einmal Filmfans ein Begriff. Plötzlich ist sie DER Stern am „Stars Wars“-Himmel. Das siebente Abenteuer der Fantasy-Saga mit dem Titel „Das Erwachen der Macht“ zählt schon jetzt zu den größten Kinoereignissen der letzten Jahre, Experten prognostizieren ein Einspielergebnis von über zwei Milliarden Dollar. Ein Hype, an den sich die schnell zum Kichern aufgelegte britische Hauptdarstellerin erst gewöhnen muss …

Miss Ridley, stimmt das, was man über Sie hört – dass Ihnen Popkultur eher fremd ist, Sie dafür aber die Kunst lieben?

DAISY RIDLEY: Wir sind eine Künstlerfamilie, da muss das wahrscheinlich so sein. Mein Vater ist Fotograf, meine Schwester Kika-Rose ist Model. Auch meine zwei Halbschwestern sind in dieser Welt zu Hause. Aber in meiner Familie ist niemand Fan von irgendetwas oder irgendwem.

Das klingt ein bisschen traurig.

Als ich ein Kind war, gab es keine bestimmte Art von Musik, die ich besonders
geliebt, oder Filme, die mich auf irgendeine Art beeinflusst hätten. Das höchste der Gefühle war, wenn mich mein Vater in eine Galerie mitgenommen hat. Unser Ding war die Kunst.

© YouTube//Star Wars

Das heißt dann wohl, dass ich mir jede Frage über Ihre Beziehung zu „Star Wars“ sparen kann.

Lassen Sie es mich so formulieren: Bevor ich diesen Film gedreht habe, war „Star Wars“ für mich so etwas wie ein entfernter Cousin. Ich wusste, dass es ihn gibt, aber wir haben uns selten gesehen. In der Popkultur mag „Star Wars“ eine Macht sein. In unserer Familie nicht. Mein Vater liebt zwar Science Fiction, aber das war es auch schon wieder. Er hat mir sogar gestanden, dass er immer mehr der „Star Trek: Raumschiff Enterprise“-Fan war …

Erwähnen Sie das bloß nie bei einem Fantreffen … Trotzdem muss es sich angefühlt haben wie ein Gewinn in der Lotterie, als Sie die Rolle bekommen haben.

Hm, ich weiß nicht, ob ich das als Jackpot bezeichnen würde. Es ist gleichzeitig auch eine grauenhafte Verantwortung, die einem damit aufgehalst wird.

Daisy Ridley

© @daisyridley//Instagram 

Ach, kommen Sie – Sie werden mit dem Film doch zum großen Star!

Ich denke über mich selbst nicht als Star nach. Ich bin doch nur ein ganz normales Mädchen …

Noch. Bis zum Filmstart!

Ich wollte nie berühmt sein. Aber ich wollte erfolgreich sein. Nur in der Schauspielerei, in der Politik und im Sport geht das eine mit dem anderen Hand in Hand. Das ist verrückt. Aber es liegt nicht in meiner Hand. Es tut mir jetzt schon leid für meine Freunde, dass ich vom Cover jeder Zeitschrift lache. Die Leute werden sich an mir sattsehen! (Lacht.)

Das kommt davon, wenn man Schauspielerin wird.

Dabei war das gar nicht mein sehnlichster Wunsch. Viele wollen das ja von Kindesbeinen an. Ich nicht. Ich war einfach ein frecher Bengel, und meine Mama hat mir einen Kurs rausgesucht, weil sie dachte, das würde mir Spaß machen.

Was wollten Sie denn stattdessen am liebsten werden?

Ich wollte eigentlich Tierpflegerin im Zoo werden, denn ich liebe Affen. Nächstes Jahr mache ich den Abschluss der Ausbildung. Ich habe vor ein paar Jahren damit begonnen und musste pausieren, weil das Filmen an erster Stelle stand. Jetzt möchte ich das fortsetzen.

Plan B sozusagen?

Nein, ich möchte natürlich weiterhin Schauspielerin sein. Wobei ich mein erstes Vorsprechen für „Star Wars“ absolut grauenhaft fand. Ich hatte sofort
Zweifel, ob das was geworden ist. Ehrlich gesagt habe ich immer noch Zweifel, ob ich wirklich die Richtige für die Rolle bin. Und zwar jeden einzelnen Tag. Die ganze Drehzeit hindurch ging es mir so. Jeden Tag verließ ich mit einem Seufzen das Set.

Aber nach einem monatelangen intensiven Entscheidungsprozess hat man Sie ausgewählt.

Sieben Monate musste ich auf die Zusage warten. Ich hatte das Glück, dass sie jemanden wollten, den wirklich keiner kennt. Und dann durfte ich es zunächst drei Monate lang niemandem erzählen! Nur meiner Mutter und meiner Schwester habe ich es verraten. Meine andere Schwester, die nach Australien ausgewandert ist, hatte keine Ahnung.

Und jetzt sind Sie gut Freund mit Ihrem Filmpartner Harrison Ford. Wie nennen Sie ihn eigentlich? Harrison? Mr. Ford? Oder Indiana?

(Lacht.) Harrison selbstverständlich! Zum Glück hatte ich die Chance, ihn
und das ganze Team schon vor Drehbeginn zu treffen. Plötzlich saß ich neben Han Solo bzw. Indiana Jones! Da bekommt man vor Ehrfurcht schon mal Herzklopfen. Wir führten Small Talk, das hat ihn richtig menschlich gemacht.

Dabei wirken Sie recht tough.

Äußerlich vielleicht. Ich wirke, als ob ich viel Sport betreiben würde. Das
machen die breiten Schultern. Ich sehe aus, als wäre ich eine Schwimmerin. Bin ich aber nicht. Das ist nun mal mein Körper! (Lacht.) Das Training für den Film tat dann das Übrige. Drei Monate lang musste ich fünf Stunden am Tag klettern, Stunts und Kämpfen trainieren.

„Es gibt über mich kaum Verrücktes zu wissen. Unglücklicherweise. Ich bin wirklich Durchschnitt!“

Jetzt könnten Sie wahrscheinlich ohne Probleme jeden fertigmachen.

Oh mein Gott, das ist meine größte Angst! Dass irgendein Fremder auf der Straße auf mich zukommt, mich angreift und schlägt. Was das angeht, bin ich schon paranoid! Ich verabscheue Gewalt. Als ich das erste Mal „Reservoir Dogs“ von Quentin Tarantino sah, dachte ich, mir wird schlecht. Wenn ich eine Schlägerei beobachten muss, krampft sich mein Magen zusammen. Ich selbst könnte mich, glaube ich, verteidigen, aber ich hoffe, dass ich es nie tun muss.

Reden wir über Angenehmeres: Womit vertreiben Sie sich gerne Ihre Freizeit?

Ich mag Stepptanzen. Aber nur einmal in der Woche. Vor kurzem habe ich meine Steppschuhe wieder gefunden und gleich ein kleines Freudentänzchen eingelegt. Aber sonst gibt es über mich kaum Verrücktes zu wissen. Unglücklicherweise. Ich bin wirklich Durchschnitt!

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12 2015 Redbulletin.com

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