Taylor Schilling

„Ich bin ziemlich rauflustig“

Text: Andrew Swann
Bild: Getty Images 

Taylor Schilling über die Arbeit am Set der Netflix-Erfolgsserie Orange is the New Black und ihre Chancen im wahren Leben im Gefängnis zu überleben.

Der Erfolg von Orange is the New Black machte Taylor Schilling zum weiblichen Gesicht von Netflix, das neben Kevin Spaceys Frank Underwood aufpoppt und als einer der TV-Serien gilt, die man auf der Internet-Streaming-Plattform unbedingt gesehen haben muss.

Zum Start der dritten Staffel am 12. Juni, hat sich The Red Bulletin mit der Schauspielerin in Berlin getroffen, um darüber zu sprechen, was ihrem Charakter Piper Chapman bevorsteht und wie gut sich die blonde Schönheit tatsächlich im Gefängnis zurecht finden würde - aber Vorsicht, diese Frau hat es faustdick hinter den Ohren.

Alle Episoden der dritten Staffel von Orange is the New Black können exklusiv auf Netflix angeschaut werden. 

THE RED BULLETIN: Am Ende der zweiten Staffel erwischen wir Piper dabei, wie sie ihre Macht ausnützt, um Alex wieder ins Gefängnis zu bringen. Bezogen auf die dritte Staffel: Inwiefern hat das Gefängnis Piper verändert? 

TAYLOR SCHILLING: Ich denke, dass Piper selbstbewusster geworden ist, sie weiß jetzt eher wozu sie fähig ist, wodurch auch ihr eigenes Selbstempfinden gefestigter ist. Am Anfang der Show hatte sie ein viel beschränkteres Bild von sich selbst und jetzt beginnt sie langsam ihre Flügel auszubreiten und ihre Stärken auf eine andere Art und Weise zu entdecken. 

Es scheint als würde Piper mit jeder weiteren Folge, und je mehr Gefängniserfahrung sie hat, härter zu werden. Hat sie das Potenzial eine Anführerin wie Vee oder Red zu werden?

Auf jeden Fall, ich denke sie beginnt sich selbst anders wahrzunehmen und verabschiedet sich von ihren früheren Vorstellungen von dem, was gut und was schlecht ist. Sie passt sich an die Situation im Gefängnis an und lernt auf sich selbst aufzupassen. Ich denke, ihr sind keine Grenzen gesetzt, inwieweit sie gehen kann. 

Könnte sie jemals so gefährlich wie Vee werden?

Wieso nicht? Ich glaube, es liegt nichts außerhalb des Bereichs des Möglichen – ganz im Gegenteil. Vor allem jetzt, wo sie gelernt hat, sich selbst zu beschützen und langsam beginnt, ihre Flügel auszubreiten und zu realisieren, dass die Person, die sie vor ihrer Zeit im Gefängnis war, nur ein winziger Teil von dem ist, was und wer sie tatsächlich sein kann. Es wird interessant werden zu beobachten, in welche Richtung sich alles entwickeln wird - ich glaube nicht, dass sie das selbst einschätzen kann, sondern dabei ist ihre Grenzen auszutesten. Wir werden sehen, wo sie landen wird.

Orange

Taylor Schilling und Laura Prepon in der dritten Staffel des Netflix-Hits Orange is the New Black.

© JoJo Whilden/Netflix

Was war die größte Herausforderung bei dem Dreh der dritten Staffel?

Hmm, Herausforderung ist kein einfaches Wort. (Lacht.) Ich habe in der dritten Staffel einen gewissen Leichtsinn festgestellt, und eine neu entdeckte Fröhlichkeit, die Piper an den Tag legt. Sie hat begonnen, sich selbst neu zu definieren und Spaß daran gefunden.

Wie kam die Show bei echten Gefängnishäftlingen an? Haben Sie mit Insassen über die Serie gesprochen?

Ja, das habe ich tatsächlich. Ich habe zwar nicht mit Leuten gesprochen, die derzeit inhaftiert sind, aber mit ehemaligen Häftlingen, die die Show verfolgen. Es ist wirklich ermutigend zu hören, dass die Art und Weise, wie die Gemeinschaft, die sozialen Schichten und die Umgebung, ja sogar die Gefängniswärter, dargestellt werden, tatsächlich deren Erfahrungen widerspiegeln. Ich hatte mehrere Unterhaltungen darüber, dass die Szenen mit den Gefängniswärtern den Erlebnissen der ehemaligen Häftlinge sehr ähnlich sind. Es ist wirklich beruhigend zu wissen, dass wir etwas darstellen, das dem entspricht, was Menschen im US-amerikanischen Gefängnissystem erlebt haben.

„Nacktheit ist etwas sehr Verletzliches. Sobald ich darauf vertrauen kann, dass Nacktheit für die Story relevant ist, habe ich kein Problem damit.“ 
Taylor Schilling

Glauben Sie, dass Sie im echten Leben im Gefängnis überleben könnten?

(Lange Pause.) Ich bin ziemlich rauflustig. (Lacht.) Ich glaube, ich würde den Dreh herauskriegen. Es wäre fürchterlich und sehr hart, aber ich würde überleben. Ich hoffe nur, dass ich es nie herausfinden muss, bitte, lass es mich nie herausfinden müssen! Aber ich habe das Gefühl, dass ich es schaffen könnte. 

Taylor Schilling

Taylor Schilling (links) bekommt Ratschläge von der Regisseurin Jodie Foster während dem Dreh zur zweiten Staffel. 

© Jessica Miglio for Netflix

Gibt es etwas ohne dem Sie im Gefängnis nicht überleben könnten?

Wenn ich plötzlich weg müsste, ohne mich von den Menschen, die ich liebe, verabschieden zu können. Ich denke, dass mich das erledigen würde. Ich würde es möglicherweise nicht schaffen, wenn mich jemand ohne jegliche Vorwarnung aus meinem Leben herausreißen würde - ich glaube, dass ich das nicht überleben würde. 

Sie behaupten also, dass Sie ziemlich rauflustig sind. Mit welchem Charakter würden Sie sich auf keinen Fall anlegen wollen?

Oh Gott, mit so vielen nicht! Aber ich glaube, dass Pennsatucky eine ziemlich harte Nummer ist. So jemandem wie ihr würde ich auf jeden Fall aus dem Weg gehen. Aber ehrlich gesagt, gibt es in der Serie so gut wie niemanden, mit dem ich mich tatsächlich anlegen wollen würde. 

Sie sind quasi über Nacht von einer relativen unbekannten Schauspielerin zum weiblichen Gesicht von Netflix geworden – wie unerwartet kam für Sie der Erfolg der Show?

Naja, es ist lustig, weil unter uns gesagt, habe ich mich nie so gefühlt, als wäre ich komplett unbekannt. (Lacht.) Ich dachte mir: „Hey, meine Leute kennen mich!“ Aber was ich daran liebe, ist die Arbeit selbst. Es gibt’s nichts Schöneres als diese beflügelnden Momente, die ich habe, wenn ich an einer Geschichte mitwirke, die ich toll finde. Genau diese regelmäßig wiederkehrende, kreative Befriedigung, spiegelt für mich diese Erfahrung wider. In diesem Sinne hat sich mein Leben verändert – das Glück zu haben, etwas zu tun, das ich liebe und die Möglichkeit zu haben, es regelmäßig tun zu können.

Was macht die Show Ihrer Meinung nach so erfolgreich?

Die Show hat einen ehrlichen Kern und sie wurde mit der klaren Intention geschrieben, die Charaktere so ehrlich wie möglich darzustellen. Als Zuschauerin will ich etwas sehen, dass mit der Wahrheit spielt beziehungsweise etwas, das ich als ehrlich wahrnehmen kann, denn nur dann überzeugt es mich. Und genau das macht die Show: Es gibt keine Beschönigungen, keinen Hauch Hollywood oder die perfekte Darstellung der Frau – es wird nicht versucht, soziale Abgründe zu überbrücken. Jenji [Kohan], unsere Produzentin, stellt die Dinge dar, wie sie sind und ich glaube, das ist das, womit sich die Leute identifizieren können.

Taylor Schilling

Wie gut wird Piper in Staffel drei mit dem Neuankömmling Stella Carlin, gespielt von Ruby Rose, umgehen können?

© JoJo Whilden/Netflix

Es scheint, als würde die Darstellung von Nacktheit und Sex im Fernsehen immer normaler werden. Was ist der merkwürdigste Teil, wenn Sie Nacktszenen für die Show drehen müssen?

Naja, es ist etwas sehr Verletzliches. Meiner Meinung nach ist Nacktheit ein sehr schwieriges Thema. Ich habe quasi zwei Seiten: Die eine Seite kann sich problemlos ins kalte Wasser stürzen und dann fühle ich mich ziemlich wohl in meiner Haut, sobald ich einmal drinnen bin – das ist meine Art von „Ich pfeif’ drauf“-Attitüde –  aber auf der anderen Seite kann es schon sehr angsteinflößend sein und ich muss genau wissen, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird. Ich muss wissen, ob die Story solch einer gewagten Entscheidung wie physischer Nacktheit standhalten kann, aber sobald ich dem vertraue und ich auch darauf vertrauen kann, dass die Szenen wirklich relevant sind für die Story, habe ich kein Problem mehr damit. Aber das ist der Knackpunkt, der wirklich schwierig für mich sein kann – die Geschichte zu verstehen und zu verstehen, dass Nacktheit absolut unverzichtbar ist.

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06 2015 Redbulletin.com

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