Teresa Palmer

Teresa Palmer - Wassernixe trotz Angst vor Wasser

Text: Rüdiger Sturm
Foto: JUSTIN R. CAMPBELL/CONTOUR BY GETTY IMAGES

Teresa Palmer meisterte ihre Wasser-Phobie beim „Point Break“-Dreh mit voller Konzentration – auf sich selbst und eine Meerjungfrau.

THE RED BULLETIN: Ihr Sohn trägt denselben Namen wie eine der Hauptfiguren in „Point Break“. Ist das ein Zufall? 

TERESA PALMER: Ja, mein Sohn war schon geboren, bevor die Dreharbeiten für den Film begannen. Aber einen bemerkenswerten Zusammenhang gibt es schon: „Bodhi“ bedeutet im Buddhismus-Kontext „Erleuchtung“. 

Eine Actionkracher-Hauptfigur steht für buddhistische Erleuchtung?

Bodhi folgt in „Point Break“ nur seinem eigenen Taktschlag. Er weiß, wie wichtig es ist, sich selbst zu mögen und seinen eigenen Weg zu gehen. Was auch meine Philosophie ist und die meines Mannes und unserer engen Freunde. 

Sie waren bereits früh auf sich selbst gestellt. Nach der Scheidung Ihrer Eltern lebten Sie phasenweise bei Ihrer manisch-depressiven Mutter im Sozialbau.

Ja, meine Kindheit war, sagen wir mal, nicht traditionell. Früher traf ich viele meiner Entscheidungen aus Angst. Statt auf mich selbst zu vertrauen, suchte ich Sicherheit und Geborgenheit in Dingen außerhalb von mir selbst. 

Welche äußeren Dinge meinen Sie?

Vor allem Beziehungen. Es waren andere Menschen, die mir Halt gaben, aber nicht ich selbst. Und meine Karriere, schon wegen der ganzen Aufmerksamkeit, die ich als Schauspielerin bekomme. Viele Menschen träumen von Beziehungen oder auch Ruhm. 

Was ist daran schlimm?

Das ist nicht grundsätzlich schlimm. Aber du kannst darauf nicht aufbauen. Diese Dinge sind flüchtig und daher instabil. Ich habe das erst dank meinem Ehemann verstanden. Er hat mich dazu gebracht, meine alten Muster zu durchbrechen.

Wie können wir das verstehen?

Ich konzentriere mich auf mich selbst und lerne, mich zu mögen. Das klingt banal und leicht im ersten Hinhören. Ist jedoch bei genauerer Betrachtung schwer. Aber nur so kann ich mich auf gesunde und bewusste Art durch mein Leben bewegen.

„Es waren andere Menschen, die mir Halt gaben, aber nicht ich selbst.“
Teresa Palmer

Was tun Sie, um diese Haltung einzunehmen?

Ich lese Bücher, meditiere und umgebe mich mit Menschen, die bewusst leben und ähnlich denken wie ich. Außerdem trainiere ich meine Achtsamkeit.

Was meinen Sie mit „Achtsamkeit trainieren“?

Dazu gibt es ständig Gelegenheit. Beim Dreh zu „Point Break“ hatte ich zum Beispiel diese einschneidende Erfahrung bei der Arbeit an den Unterwasserszenen. Seit meiner Kindheit habe ich latent Angst vor dem Meer. Und ausgerechnet ich hing beim Dreh in sieben Meter Tiefe mit Gewichten an den Beinen, die mich auf dem Meeresboden festhielten. Diese Gewichte wurden nur entfernt, wenn wir drehten. Den Rest der Zeit baumelte ich da herum. Noch dazu ohne Sauerstoffflasche.

© KinoCheck // YouTube

Moment … unter Wasser ohne Sauerstoff? Wie soll das funktionieren?

Wenn dir die Luft ausging, dann hast du ein Zeichen gegeben. Dann tauchte jemand zu dir und gab dir schnell Luft aus seiner Flasche. Mental war das für mich eine ziemliche Herausforderung.

Wie wurden Sie mit Ihrer Wasserphobie unter diesen verschärften Bedingungen fertig?

Zuerst mit Meditation. Ich begriff, dass meine Angst mit einer Erfahrung in meiner Kindheit zu tun hat. Und ich lernte, wie ich diese Angst loslassen kann.

„ICH BAUMELTE MIT GEWICHTEN AN DEN BEINEN AM MEERESGRUND. NOCH DAZU OHNE SAUERSTOFF-FLASCHE.“

Und dann?

Ich konzentrierte mich komplett auf unsere Freediving-Trainerin. Sie ist Champion in dieser Disziplin und bewegt sich unter Wasser wie eine Meerjungfrau, ruhig und souverän. Ich nahm mir vor, mich buchstäblich in sie zu verwandeln. Die allerletzten Reserven mobilisierte ich mit den Gedanken an die Geburt meines Sohnes, eine echte Power-Erfahrung.

Sie arbeiten also mit der Kraft der Vorstellung.

Ja, bereits seit meiner Jugend. Damit ist alles möglich. Das hat mir meine Großmutter beigebracht, und genau das werde ich auch meinen Kindern vermitteln.

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02 2016 The Red Bulletin

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