Jóhann Jóhannsson

Playlist: Jóhann Jóhannsson

Der für einen Oscar nominierte isländische Komponist Jóhann Jóhannsson erzählt uns, welche Songs sein Leben veränderten.

2002 erschien „Englabörn“, das Debütalbum des isländischen Komponisten Jóhann Jóhannsson. Es klang wie die Jamsession eines Kammerorchesters mit einem Roboter.

Die epische Qualität seiner Arbeit weckte das Interesse der Filmregisseure, 2014 gab es für den Soundtrack zu „The Theory of Every­thing“ eine Oscar-Nominierung und einen Golden Globe.

Dieses Jahr ist der 46-Jährige mit seiner bedrohlich-elektronischen Musik für „Sicario“ Favorit für weitere Preise. Hier erzählt er, welche Tracks sein Leben veränderten.

johannjohannsson.com

Ennio Morricone: „Gli occhi freddi della paura“ („Cold Eyes of Fear“)

„Morricones Kompositionen für Spaghetti-Western wie ‚Eine Handvoll Dollar‘ sind groß, aber noch besser ist seine obskure Filmmusik aus den Siebzigern mit einem italienischen Improvisationsensemble. Sie machten ein paar Alben zusammen, ein Teil der Musik landete in diesem Horrorkrimi. Faszinierendes Zeug. Er war der erste Film­komponist, der sein Aufnahmestudio als Instrument nutzte.“

© MorriconeRocks // YouTube

Miles Davis: „Ascenseur pour l’échafaud“ („Elevator to the Gallows“)

„Das Überwältigende an dieser Filmmusik: Sie wurde improvisiert. Davis nahm die Band mit ins Studio, projizierte den Film, und während sie ihn zum ersten Mal sahen, legten sie los. An einem Tag waren sie fertig. Anscheinend hat das mit Ausnahme von Neil Young (‚Dead Man‘; Anm.) nie mehr jemand so gemacht. Was für eine großartige Art zu arbeiten. Ich träume davon, so was auch einmal zu probieren.“

© SophyaAgain // YouTube

Bernard Herrmann: „Vertigo“

„Dieser Soundtrack weckte mein Interesse an der Musik im Kino, nicht zuletzt, weil der Film selbst ja so großartig ist. Die Art, wie Regisseur Alfred Hitchcock die Filmmusik und die Bilder auf der Leinwand miteinander verflicht, ist einzigartig. Die Musik wird beinah zu einer eigenen Figur im Film. Die Szene, in der James Stewart Kim Novak folgt – sie ist beinahe wie ein Tanz choreographiert.“

Howard Shore: „Scanners“

„David Cronenbergs schaurige Filme prägten meine Jugend, in den 1980ern schaute ich die VHS-Kassetten, bis sie völlig abgenutzt waren. Es war unmöglich, die ‚Scanners‘-Filmmusik in Island zu bekommen, also nahm ich direkt vom TV-Gerät auf Kassette auf. Shores Musik ist bemerkenswert, sie verschmilzt auf visionäre Art Orchestrales mit elektronischen Elementen, ein Vorbild für mich.“

© John Smith // YouTube

Goblin: „Suspiria“

„Die minimalistische Musik für Dario Argentos Horrorklassiker von 1977 stammt von einer italienischen Prog-Rock-Band und ist einzigartig. Sie basiert auf einer wiederkehrenden sechs Töne langen Phrase, die sich beunruhigend aufbaut. Verführerisch und zugleich hypnotisch, zieht sie­ ­einen in ihren Bann. Ich verehre Filmemacher, die bei der ­Musik etwas wagen und nicht den sicheren Weg gehen.“

© moviemusicyeah // YouTube

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03 2016 The Red Bulletin

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