keira knightley

„Die Nacktfotos sind sozusagen meine Nippel“

Interview: Rüdiger Sturm 
Foto: Austin Hargrave/August

Keira Knightley ist eine wunderschöne Frau, sehr reich, betörend intelligent und wurde gerade wieder für einen Oscar nominiert. Leider sehnt sie sich nach blauen Tätowierungen.

Sie war achtzehn, als sie Johnny Depp erstmals in den Hintern trat. Es folgten: SM-Szenen mit Michael Fassbender. Kämpfe an der Seite von Mickey Rourke und Clive Owen. Jude Law die Hörner aufsetzen. Ziemlich viel Action also. Und ziemlich viel Sex. Doch Keira Knightley ist mehr als eine der schönsten Actionheldinnen der Filmgeschichte.

Die bald Dreißigjährige ist eine großartige Schauspielerin, die in komplexen Charakterrollen aufblüht, wie zuletzt in „Imitation Game“ als Vertraute des gequälten Kryptographie-Genies ­Benedict Cumberbatch oder aktuell im Überlebensdrama „Everest“. Für ihre Rolle in „Imitation Game“ wurde Knightley erst jüngst für einen Oscar („Beste Nebendarstellerin“) nominiert.

Im exklusiven Interview spricht die Engländerin über blau tätowierte Nippel, gutes Aussehen und frühe Berühmtheit. 

THE RED BULLETIN: Sie wurden für Ihre Rolle in The Imitation Game für einen Oscar nominiert. Denken Sie während der Dreharbeiten eigentlich daran, dass Sie mit einem Film auch etwas gewinnen könnten? 

Keira Knighley: Ich habe schon bei vielen Rollen gehört: „Dafür musst du Nominierungen bekommen.“ Aber ich bekam letztlich keine. Dann denkst du dir nur: „Oh f**k“. Das Ziel bei einem Film darf aber nie sein, damit Preise zu ergattern. Das Ziel muss sein, den besten Film zu machen, der möglich ist. Natürlich ist es wahnsinnig schön, Nominierungen oder sogar Preise zu bekommen. Aber was wirklich zählt, ist, dass sich die Menschen für deine Arbeit interessieren.

Vergangenes Jahr zogen Sie sich für das US-Magazin ­„Interview“ aus. Als Statement gegen den Photoshop-Wahn der Branche, wie Sie sagten, denn Sie verboten jegliche Bearbeitung der Bilder. Sie haben eine reizende Art, Anliegen auszudrücken. 

Oh, danke. Diese ­Fotos sind für mich das, was meine Mutter ihre „blau tätowierten Nippel“ nannte. 

Ihre Mutter hat sich ihre Nippel …?

Nein, sie meinte das im übertragenen Sinn, zum Glück. Sie sagte einmal: „Wenn ich eine Oma bin, will ich blau tätowierte Nippel haben. Dann wissen alle, dass ich ein richtiges Leben gelebt habe.“ Die Nacktfotos sind sozusagen meine Nippel. Das wollte ich sagen. Und ich werde sie eines Tages stolz meinen Enkeln zeigen.

„Die Nacktfotos sind sozusagen meine Nippel. Das wollte ich sagen. Und ich werde sie eines Tages stolz meinen Enkeln zeigen.“

Mit achtzehn hatten Sie in „Fluch der Karibik“ Ihre erste Blockbusterrolle. Hat es wehgetan, dass manche meinten, die Rolle hätten Sie eher Ihrem Aus­sehen als Ihrem Talent zu verdanken?

Immerhin sagte niemand, die hässlichste Frau der Welt habe die Rolle bekommen. Ist doch auch was. Wissen Sie, ich sehe das entspannt. Unsere Branche arbeitet mit Bildern. Und ich weiß, dass ich „Fluch der Karibik“ auch wegen meines Aussehens bekommen habe. Aber eben auch. Denn damals waren jede Menge ausgesprochen hübscher Mädchen in der engeren Wahl. Es muss also noch etwas anderes gegeben haben, das für mich sprach. 

Sind Sie stolz auf Ihr Aussehen?

Aussehen verblasst. Wenn es das Einzige wäre, was ich zu verkaufen hätte, müsste ich mir ganz, ganz große Sorgen machen.

Ich nehme an, es hat auch etliche Nachteile, wenn man so früh berühmt wird?

Dauernd ist irgendeine Kamera auf dich gerichtet. Und ich meine: dauernd. Das Experimentieren fällt also weg. Du kannst zum Beispiel nicht alle Drogen nehmen, die du möchtest. Ich hatte nie diese Phase, in der ich mich besaufen und auf dem ­Boden wälzen konnte wie jede stink­normale Achtzehnjährige.

Wenn’s mit den Drogen und dem ­Saufen nicht so geklappt hat, haben Sie sich stattdessen andere Gepflogen­heiten zugelegt? Zum Beispiel Sport?

Da mache ich verschiedene Phasen durch. Da gibt es diese sechs Monate, in denen ich mir einen Personal Trainer besorge und ins Fitnessstudio gehe. Aber nach einiger Zeit ist mir das zu langweilig. Keinen Bock mehr. Dann beginnen sechs Monate, in denen ich dahinvegetiere. Und dann beginnt wieder alles von vorne.

Sie halten sich mittlerweile weit mehr als ein Jahrzehnt ganz oben in der Branche, sind eine von Hollywoods bestverdienenden Schauspielerinnen. Wie haben Sie das geschafft?

Keira Knightley

Keira Knightley wurde für ihre Rolle bei „The Imitation Game“ für einen Oscar nominiert.

© Getty Images

Hm … ehrlich gesagt bin ich selbst überrascht. Und ich glaube, mein Erfolgs­geheimnis wird Sie ziemlich enttäuschen: Ich habe unglaublich viel Glück gehabt. 

Vom Erfolgsgeheimnis-Standpunkt aus betrachtet, ist das jetzt wirklich ein ­wenig enttäuschend.

Okay, warten Sie … ich finde, ich bin eine Kämpferin. Ja, das kann ich sagen. Wenn mich mal was umwirft, stehe ich ziemlich schnell wieder auf und kämpfe weiter. Auf der anderen Seite mutiere ich aber auch schnell zu einer dieser Schauspielerinnen mit Stirnhirn-Lobotomie …

Mit …?

Stirnhirn-Lobotomie. Nervenbahnen im Hirn durchtrennt. Völlige Apathie. Typischer Schauspielerinnen-Zustand. Doch wenn ich meine Stirnhirn-Lobotomie-Phase habe, passiert etwas Merkwürdiges: Ich erschrecke vor meiner eigenen Faulheit. Und fange an, etwas dagegen zu tun. 

Wenn alles schiefgeht, könnten Sie doch mit Ihrem Gatten (James Righton von der Londoner Indie-Rock-Band Klaxons; Anm.) gemeinsam Musik machen.

Ganz schlechte Idee! Ich habe scheiß viel Angst, vor Publikum zu singen. Ich würde mich zum Narren machen. Schrecklich!

Ist Ihnen die Meinung anderer so wichtig?

Klar. Ihnen nicht? Wer sich nicht darum schert, ist doch ein Psychopath.

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03 2015 The Red Bulletin

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