Filmfestival Cannes

Was vom Filmfestival in Cannes übrig bleibt

Text: Rüdiger Sturm
Bild: Pixabay.com

Die 69. Auflage der Filmfestspiele von Cannes ist zu Ende, wir waren live dabei. Nach Verleihung der Goldenen Palme stellt sich nur noch eine Frage: Welche Impressionen überdauern? 

War es prophetisch? Im ersten Blog zu Cannes 2016 war vom Siegeszug der alten Männer die Rede. Und wer gewann die Goldene Palme für den besten Film? Der 79-jährige Brite Ken Loach für das Sozialdrama „Daniel Blake“. Und das, obwohl die versammelten Kritiker lieber „Toni Erdmann“ von der 39-jährigen Deutschen Maren Ade gekürt gesehen hätten. Die ging sogar komplett leer aus. Allerdings, der Eindruck trügt. Das liegt nicht nur daran, dass der 28-jährige Kanadier Xavier Dolan den Grand Prix, sprich den zweiten Hauptpreis gewann. Die Preisverleihung war streng genommen weniger eindrucksvoll als die Begegnungen mit den echten Helden. 

Die allerdings wirkten diesmal gar nicht fit. Ein von einer langen Nacht zermürbter Sean Penn überlebte seine Pressetermine nur mit Kaffee und Zigaretten. Wenn er ein wenig zu tief ins Glas geschaut hatte, dann hatte das seine Gründe. Denn kein Filmemacher wurde in Cannes so von der Kritik zerfleddert wie der 55-jährige für sein Liebesdrama „Last Face“. Dass seine Ex und Hauptdarstellerin Charlize Theron bei allen öffentlichen Auftritten gefühlte 20 Meter von ihm entfernt ging, mag ihm den Rest gegeben haben.

Und was war – mit dem schon angekündigtenMel Gibson? Wie viel Testosteronpower er noch hat, das zeigte er auf der Leinwand im Actionfilm „Blood Father“. Aber beim Gespräch? Da wirkte er kleinlaut, rieb fast manisch die Hände aneinander, und äußerte auf die Frage, wann Hollywood ihm wieder eine Chance gibt, ein „Ich weiß es nicht.“

Doch ein alter Haudegen enttäuschte nun wirklich nicht. Der 77-jährige „Basic Instinct“-Macher Paul Verhoeven – der mit „Elle“ zeigte, dass er nichts von der Energie und Provokationslust seiner jungen Jahre verloren hat. Und dass Sharon Stone in Isabelle Huppert eine mehr als würdige Nachfolgerin gefunden hat. 

Sind das die Impressionen von Cannes 2016, die bleiben? Vielleicht ist es auch der Bombenspürhund, der vor den Vorführungen durchs Kino schnupperte. Eine kleine Erinnerung daran, dass es noch eine andere Realität neben diesem Festival gibt, das so selbstverliebt seine Rituale und Obsessionen pflegt.

Doch - The Show Must Go On. Nächstes Jahr gibt es den 70. Geburtstag. Und da bleibt die Hoffnung auf viele alte und neue Helden, männlich und weiblich. Aber keine Spürhunde.

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05 2016 The Red Bulletin

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