Ice Cube et O'Shea Junior

„Lass dich nicht zum Nice Cube machen“

Text: Andreas Tzortzis
Photo: Universal Pictures

„Straight Outta Compton“ kommt in die Kinos, O’Shea Jackson Jr. spielt seinen Vater Ice Cube. Ein Doppel-Interview.

Ende der Achtziger schaffte es Ice Cube mit den Rap-Pionieren der N.W.A („Niggaz Wit Attitudes“) ganz nach oben. Ihr Durchbruch: das ­Album „Straight Outta Compton“ (1988). Dessen ­Geschichte erzählt der gleichnamige Film von F. Gary Gray.

THE RED BULLETIN: O’Shea Jr., warum hast du eingewilligt, deinen Vater zu spielen?

O’SHEA JACKSON JR.: Für mich ist die Geschichte der N.W.A wichtiger als meine Rolle. Es geht da letztlich um das Vermächtnis meiner Familie, die Basis von allem. Diese Geschichte wollte ich richtig erzählt wissen, wollte mitbestimmen, welches Bild sich die Leute von meinem Vater machen. Ich kenne ihn schließlich besser als jemand, der sich „eingehend“ mit ihm „befasst“. Ich hab ihn über zwanzig Jahre studiert, den Film hab ich mir zugetraut. Dann ging’s vor allem darum, mein Schauspiel zu schärfen.

ICE CUBE: Ich bin so stolz. Ich sagte ihm, was wirklich in mir vorging während einiger dieser Szenen. Er musste wissen, was ich von allen dachte, was mir damals durch den Kopf gegangen war. Das hat er als Munition benutzt. Er brachte mich perfekt auf den Punkt. 

Jeder sieht dich an, als hättest du nichts, als kämst du direkt aus dem Ghetto“
Ice Cube

Die Straßenhymne aus dem gleichnamigen Album (1988).

© YouTube // EmiMusic

O’Shea, was ist das Wichtigste, was du von deinem Vater gelernt hast? 

O’SHEA: Mut. Als Teenager hat er mir viel über Selbst­vertrauen beigebracht. Ich weiß noch, wie er zu mir sagte: „Die Mädels stehen drauf, wenn du weißt, was du tust.“ Wenn du kein Selbstvertrauen hast, wie sollen sich andere auf dich verlassen? 

Hat es, glaubst du, eine Rolle gespielt, dass du nicht in Compton aufgewachsen bist? 

O’SHEA: Nein. Als Schauspieler kommt es darauf an, was in deinem Charakter vorgeht. Und von meinem Vater steckt so viel in mir, so viel von seinen Eigenheiten, dass ich aufpassen musste, nicht allzu sehr Schauspieler zu sein. Es ging darum, es so echt wie möglich zu machen. 

CUBE: Als Schwarzer in Amerika kriegst du überall dein Fett ab. Jeder sieht dich an, als hättest du nichts, als kämst du direkt aus dem Ghetto. Egal wie viel Kohle er hat, mein Sohn spürt immer noch diesen Druck. Aber es ist egal, woher du kommst. Es geht ­darum, wo du stehst. 

 

© YouTube // vipmagazin

Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, deinen Weg vom Gangsta-Rapper zum Produzenten und Schau­spieler in Familien­filmen – überrascht dich diese Entwicklung manchmal? 

CUBE: Nein. Du musst unterscheiden zwischen der Film-Sache – mit dem Spielen, dem Produzieren, dem Regieführen – und der Musik. Meine Filme sind großartig, sie bewirken Gutes, die Leute ­lieben sie. Aber Filme sind Fantasie, und meine Platten sind echt. Da gibt es keinen Charakter oder Schauspieler. Was mich überrascht, ist, dass Leute dich in einem Film ­sehen und glauben, du seist wirklich so. Die Leute würden lieber Nice Cube statt Ice Cube sehen. Pah! Hättet ihr mich lieber nett, oder soll ich euch den kranken Scheiß tief in mir drin zeigen? 

O’Shea, was kannst du von deinem Vater lernen? 

O’SHEA: Seine Karriere zeigt mir, dass ich immer ich sein kann, egal was man mir sagt. Unterm Strich werde ich nur dann glücklich sein, wenn ich mir treu geblieben bin. 

… da wird einem Vater warm ums Herz, nicht?

CUBE: Ich möchte nicht, dass er glaubt, er müsse sich vor ­irgendjemandem rechtfertigen. Außer vor sich selbst.

Ich kann mir vorstellen, dass Hollywood versucht hat, dich gefügig zu machen?

CUBE: Sie wollten den Ice Cube verdammt noch mal zum Schmelzen bringen. 

Lässt dein alter Herr dauernd solche Sager los?

O’SHEA (lacht): Die ganze Zeit, Mann! Einmal gingen wir in den Zoo. Dann sagte er: „Sogar ein Löwe weiß, wenn er es mit zu vielen Hyänen zu tun hat“, nur um mir klarzumachen, dass man auf die Umgebung achten soll. Er hat einen ganzen Sack davon. Ich liebe das.

CUBE: Lass mich dir das eine sagen: Sei gut zu deinen Kindern. Es zahlt sich aus. Eines Tages bist du ein alter Sack, und sie werden sich um dich kümmern müssen.

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09 2015 The Red Bulletin

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