Will Smith Interview mit The Red Bulletin

Will Smith: „Angst ist ein Produkt meiner Fantasie“

Interview: Rüdiger Sturm
Foto: Getty Images   

In „Suicide Squad“ führt Will Smith eine ganze Bande von Superschurken an, im exklusiven Interview mit The Red Bulletin stellt sich der Hollywood-Star ganz alleine.

Was wir von Will Smith lernen:

  • gewohnte Sympathie kann auch ein Fluch sein
  • an Angst zu denken ist oft härter, als tatsächlich Angst zu haben
  • Freiheit ist befriedigender, als jemandem Lektionen beizubringen


THE RED BULLETIN: Sie wurden als Hauptdarsteller von jugendfreien Actionfilmen und lockeren Komödien zum Weltstar. Aber jetzt sind Sie in dem harten, politisch unkorrekten Superheldenfilm „Suicide Squad“ gelandet…

WILL SMITH: Ich weiß, dass das für mein Stammpublikum ein gewisses Problem ist. Wenn die Leute deine Filme mögen, dann wirst du zum Teil ihres Lebens. Und sie sträuben sich, wenn du was Neues versucht - so nach dem Motto ‚Wir hatten doch eine tolle Beziehung zusammen, warum veränderst du das?’ Das ist eben auch ein Fluch.

Will Smith wird als Deadshot im Film „Suicide Squad“ ab 18. August 2016 im Kino zu sehen sein.

© KinoCheck // YouTube 

Warum wollen Sie denn etwas verändern?

Ich bin jetzt 47 und das bedeutet, ich bin im Lauf der Zeit als Schauspieler besser geworden und ich entwickle mich weiter. Und ich habe das Gefühl, dass die nächsten drei bis fünf Jahre in meiner Karriere einen ganz besonderen Stellenwert haben. Ich möchte jetzt die ganzen Möglichkeiten und die Power des Kinos ausloten und dem Publikum noch mehr geben, gerade weil ich es drauf habe.

Und Sie haben keine Angst, Ihren Erfolgsstatus zu verlieren?

Meine einzige Angst ist es, vor etwas Angst zu haben. Allein von dem Gedanken, mich zu fürchten, wird es mir körperlich schlecht. Und das heißt, ich muss mich mit jeder Angst sofort auseinandersetzen. Effektiv ist sie ja nur ein Produkt meiner Fantasie. Ich quäle mich mit etwas, das jetzt nicht existiert und vielleicht nie existieren wird.


DIE FAKTEN:

  • VOLLER NAME: Willard Carroll Smith, Jr.
  • GEBURTSDATUM: 25.09.1968 in PhiladelphiaPennsylvania, USA
  • EHEFRAU: Jada Pinkett 
  • KINDER: 3 
  • BERÜHMT FÜR: Der Prinz von Bel-Air, Men in Black, Bad Boys, Ali, Independence Day 
  • ZUKÜNFTIGE FILME: Suicide Squad, Collateral Beauty, Bad Boys 3 und 4, The American Can
  • GUT ZU WISSEN: Gewann einen Grammy Award für den Song „Summertime“ während seiner Karriere als Rapper

Aber was heißt das konkret: Sie setzen sich mit Ihrer Angst auseinander? Indem Sie solche Rollen spielen? 

Nicht nur. Das ist schon so weit gegangen, dass ich mich körperlich in Gefahr gebracht habe.

Zum Beispiel?

Es gibt da ein Café an der Küste von Jamaica. Da sind Klippen, von denen man ins Meer springen kann. Nun konnte ich nicht wirklich schwimmen.

„Wenn du mittendrin steckst, ist es bei weitem nicht so schlimm wie wenn du’s dir ausmalst.“
Wie Will Smith sich mit seiner Angst auseinander setzt

In der Innenstadt von Philadelphia, wo ich aufwuchs, gab’s eben nicht so viele Schwimmbäder. Nun sah ich aber, wie die Leute da alle ins Wasser sprangen, und ich hatte total Schiss davor, was ich noch schlimmer fand. Also holte ich mir einen Jamaikaner, der sehr gut schwimmen konnte und sagte ihm, er solle vor mir springen und dann unten im Wasser auf mich warten. Als ich nach ihm an der Reihe war, dachte ich mir: So ein Blödsinn. Aber ich hatte keine andere Wahl: Ich sprang, er half mir zurück ans Ufer, und so habe ich das geschafft. Die Moral von der Geschichte: Wenn du mittendrin steckst, ist es bei weitem nicht so schlimm wie wenn du’s dir ausmalst.

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Sie haben zwei Kinder, die auch schon in der Showbranche aktiv sind. Haben Sie denen die gleiche Lektion beigebracht?

Mein Prinzip und das meiner Frau war, Ihnen keine Lektion beizubringen. Wir glauben an Freiheit. Und das heißt: Wir haben ihnen immer die nötigen Informationen gegeben, und auf dieser Grundlage mussten sie dann ihre Entscheidung treffen. Zum Beispiel: ‚Erinnert ihr noch, wie ihr nicht genügend Schlaf bekommen habt und im Unterricht eingeschlafen seid und nachsitzen musstet? Wollt ihr wirklich so spät ins Bett?’

Und was war, wenn Ihre Kinder die falschen Entscheidungen trafen?

Es tat weh! Aber nichts ist großartiger, als wenn sich deine Kinder anders entscheiden und dir beweisen, dass du selbst falsch liegst. Unsere Tochter Willow zum Beispiel hat ihre Karriere im Showbusiness abgebrochen, weil sie ein anderes Leben führen wollte. Erstmal war ich entsetzt, aber ich legte ihr keine Steine in den Weg, und das verschaffte mir eine ganz, ganz tiefe Befriedigung.

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07 2016 The Red Bulletin 

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