Copenhagen Wheel: Das smarteste Fahrrad der Welt

„Copenhagen Wheel“ - Das intelligenteste Fahrrad der Welt

Foto: Max Tomasinelli

Es gibt E-Bikes und es gibt das „Copenhagen Wheel“, das jahrelang am MIT entwickelt wurde. Nun ist das supersmarte Fahrrad massentauglich.

Radfahren ist nicht nur eine umweltfreundliche Art sich fortzubewegen und dabei ein bisschen Workout zu betreiben, es kann auch zur Weiterentwicklung von Städten beitragen. Zumindest wenn es nach den Vorstellungen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) geht. 

Gemeinsam mit der Stadt Kopenhagen entwickelte das Senseable City Lab der Forschungseinrichtung seit 2009 eine Konstruktion, die jedes Fahrrad im Handumdrehen zum smarten Hybrid-E-Bike und mobilen Sensorzentrum macht. 

Es ermöglicht dir, die während der Fahrt entstehende Energie zu speichern und sie bei Bedarf wieder abzurufen. Zudem sammelt es Daten zu einer Vielzahl von Umwelteinflüssen, die mit Freunden oder der Stadt geteilt werden können.

Das Startup Superpedestrian hat in den letzten Jahren daran gearbeitet, das Projekt des MIT marktfähig zu machen und kürzlich damit begonnen, eine massentaugliche Variante des „Copenhagen Wheel“ zu verkaufen.

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Was dieses Fahrrad von anderen E-Bikes unterscheidet, ist die kompakte Einheit, die sich im Zentrum des Hinterrades befindet und die gesamte Technik in sich vereint. So kann jedes normale Fahrrad durch den Tausch des Hinterrades zu einem Copenhagen Wheel nachgerüstet werden. In der Radnabe befindet sich ein Elektromotor (Spitzengeschwindigkeit 25 km/h), eine 3-Gang-Schaltung, Akkus für eine Reichweite von rund 50 Kilometer, ein Drehmomentmesser, GPRS und ein Sensorenpaket, das u.a. den Kohlenstoffmonoxid-Gehalt, Stickoxide, den Lärmpegel, die relative Luftfeuchtigkeit und Temperatur misst.

Ein weiteres Highlight ist das integrierte Energierückgewinnungssystem, das sich am Motorsport orientiert.

© Youtube // MIT Senseable City Lab

„Das Copenhagen Wheel nutzt eine Technologie ähnlich dem KERS (Kinetic Energy Recovery System), das wir aus der Formel 1 kennen. Wenn du bremst, wird deine kinetische Energie vom Elektromotor aufgefangen und in den Akkus gespeichert, damit du darauf zurückgreifen kannst, wenn du sie benötigst“, erklärt Prof. Carlo Ratti, Leiter des Sensable City Lab.

Als Kontrollzentrum dient dein Smartphone, dass sich mit dem Bluetoothmodul in der Radnabe verbindet, sobald es in die Halterung am Lenker gesteckt wird. Auf dem Smartphone kannst du durch die Gänge schalten und regulieren, wie stark der Motor dir bei der Fahrt behilflich sein soll. Du siehst auch persönliche Daten, wie deine aufgebrachte Energie und wie viele Kalorien du verbrennst, sowie Echtzeitinformationen über die Verkehrslage, den Zustand der Straße die Luftqualität, etc. So kannst du dein Training optimieren oder Routen wählen, die weniger Belastung für deine Gesundheit bedeuten.

Durch individuelle Spezifikationen kannst du das Bike noch besser an deine Fahrgewohnheiten anpassen. Du wohnst zum Beispiel im hügeligen San Francisco? Dann brauchst du vermutlich mehr Power für den Motor. Wenn dich die Echtzeitanalysen interessieren, kannst du dir noch mehr Sensoren einbauen lassen.

Alle Daten, die das Rad sammelt, gehören dir. Du kannst sie aber nicht nur über soziale Netzwerke mit Freunden teilen, sondern auch mit der jeweiligen Stadt, in der du unterwegs bist. Das ist auch anonymisiert möglich. Die Daten können dabei helfen, Abläufe in der Stadt zu verstehen und Schlüsse für die Verbesserung von Transport, Infrastruktur und anderen dynamischen Prozessen zu ziehen.

So werden Zukunfts-Städte aussehen

Prof. Carlo Ratti vom MIT Sensable City Lab im Interview über unsere smarten Städte der Zukunft.

„Durch die Bereitstellung der Daten wird Radfahren mehr als eine saubere Fortbewegungsmethode. Es ermöglicht Bürgern, an der Verwaltung und der Instandhaltung öffentlicher Ressourcen teilzuhaben“, schildert Assaf Biderman, stellvertretender Leiter des City Lab sowie Gründer und CEO von Superpedestrian, den Nutzen für die städtische Administration. Und Verbesserungen kommen schließlich wieder den Bürgern zugute.

Diese dürfen sich auch über ein smartes Sicherheitssystem freuen, denn das Copenhagen Wheel wird per Smartphone ab- bzw. entsperrt.

„Wenn jemand damit davonfährt, schaltet das Rad in einen Modus, in dem die größtmögliche Bremskraft aufgewandt wird und sendet dir zudem eine Nachricht mit dem Standort des Bikes. Das Schlimmste, das dir also passieren kann, ist, dass der Dieb die Akkus voll aufgeladen hat, bevor du dein Rad zurückbekommst“, erläutert Biderman.

Mit dem Copenhagen Wheel wollten die Forscher keineswegs das Rad neu erfinden, das sei nämlich bereits eine sehr effiziente Maschine, sind sie sich einig. Stattdessen geht es darum, technische Möglichkeiten zu nutzen, um unser Leben zu vereinfachen, wie Ratti erklärt:

„Das Copenhagen Wheel ist Teil eines generellen Trends, Objekte intelligent zu machen, um eine smarte Infrastruktur zu kreieren, die uns im Alltag unterstützt.“

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04 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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