Eta - Das schnellste Rad der Welt

Speedbike Eta: Das schnellste Rad der Welt

Illustration: Mark Thomas

Knapp 140 km/h. Erzeugt aus nichts als der Kraft menschlicher Muskeln. Und dieses Super-Bike ist erst der Anfang.

Die Köpfe dahinter: Todd Reichert, 34, Cameron Robertson, 30

Im September 2015 ließen die beiden Raumfahrtingenieure ihr Speedbike Eta auf der State ­Route 305 in Nevada rollen. 

Motor war Todd Reichert, der 2010 schon ein Flugzeug und 2013 ­einen Helikopter angetrieben hatte – und nun Eta im Liegen zum Rekord trieb.

 

THE RED BULLETIN: Warum jagen Sie all diese Muskelkraft-Rekorde?

ROBERTSON: „Ein Mensch hat die Kraft eines kleinen Akkuschraubers, im besten Fall drei Viertel einer Pferdestärke. Das bedeutet, man muss als Designer umdenken. Aber man kann auf großartige Lösungen kommen, die unsere Wahrnehmung dessen verändern, was möglich ist: Da sitzt nicht nur eine Person im Herzen des Vehikels, da fliegt ein Helikopter mit der Größe eines Verkehrsflugzeugs, da schlägt ein Flugzeug seine Flügel.“

Cameron Robertson, 30, & Todd Reichert (links), 34

Raumfahrtingenieure Todd Reichert (links), 34, and Cameron Robertson, 30, bauten Eta - das schnellste Rad der Welt

Wie kommt man darauf, mit einem Ei-artigen Ding Speed-Rekorde zu brechen?

ROBERTSON: „Bei Eta dreht sich alles um mehr Speed, es geht also um mehr Effizienz bei weniger Kraftaufwand: niedriger Rollwiderstand, leichtgewichtige Radkomponenten für eine verbesserte Beschleunigung, ein steifer Rahmen für effiziente Kraftübertragung. Und natürlich ist es aerodynamisch optimiert.“

Sind Sie jetzt die besten Bike-Bauer der Welt?

ROBERTSON: „Wir könnten nie ein herkömmliches Bike so gut bauen wie Trek oder Cannondale. Die Leute dort sind supersmart, haben die Tools und Daten für ihre ganz eigenen Probleme. Unser Bike ist nur für einen einzigen Zweck designt: mit der eigenen Kraft Geschwindigkeiten zu erreichen, die bisher Autos vorbehalten waren.“

Im September 2015 ließen die beiden Raumfahrtingenieure Todd Reichert und Cameron Robertson ihr Speedbike Eta auf der State ­Route 305 in Nevada rollen. Motor war Reichert selbst.

© Aerovelo Inc // YouTube

Ist der Fahrer letztlich der entscheidende Faktor?

REICHERT: „Es sind zu 50 Prozent das Bike und zu 50 Prozent der Fahrer. Man kann das beste Bike haben, aber ohne einen richtigen Wettkampf-­Athleten wird man keine Rekorde brechen. Ein Profi-Rennradfahrer macht das Ganze aber nicht zwingend schneller. In liegender Position zu fahren, von einem hautengen Käfig umgeben, eingepfercht unter einem Bildschirm … daran muss man sich erst einmal gewöhnen.“

Wie war das, als der Rekord tatsächlich fiel?

REICHERT: „In den letzten Jahren waren die Bikes noch nicht gut genug zu kontrollieren, man flog von der Straße, geriet ins Rutschen, überschlug sich. Es war nicht sehr gefährlich, denn die Hülle ist widerstandsfähig, aber dennoch … Ich war nervös. Die tatsächliche Fahrt dauert gut 4 ½ Minuten für 8 Kilometer. Auf der ersten Meile erreicht man fast 100 km/h. Als noch 1,5 Kilometer vor mir lagen, war klar: Wir schaffen den Rekord.“

Eigenschaften

  • Ein Vierganggetriebe überträgt die Kraft von den Pedalen auf die zwei Räder.
  • Statt durch eine Scheibe blickt der Fahrer auf zwei Monitore, das verbessert die Aerodynamik.
  • Das rasende Ei hat gerade mal ein Prozent des Luftwiderstands eines herkömmlichen Autos.

 

Wie lange werden die exakt 139,45 km/h halten?

ROBERTSON: „Wir möchten im September die 88 Meilen pro Stunde (142 km/h, Anm.) schaffen. Dann wollen wir mal sehen, was den nächsten größeren Schritt nach vorn bringt, vielleicht eine aktive Kontrolle der Luft auf der Oberfläche, um den Luftwiderstand weiter zu reduzieren, oder eine Fahrt auf Schienen – der Rollwiderstand von Stahl auf Stahl ist ja viel geringer als der von Gummi auf der Straße. So könnte man dann schon einiges tun.“

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07 2016 The Red Bulletin

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