Toon Timmermans

Mit Toon Timmermans auf dem Weg zum Mindfuck

Text: Christoph Kristandl
Bild: TEDxVienna

Toon Timmermans ist ein Pionier auf dem Teledildonics-Markt. Er revolutioniert mit seinen Sexspielzeugen nicht nur Fernbeziehungen, sondern auch die Art, wie wir in Zukunft virtuelle Liebesspiele genießen können.

Teledildonics? Ja, es ist genau, wonach es klingt. Durch die Verschmelzung von Sexspielzeug und Datenübertragung ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Intimität. Ein Pionier auf dem Teledildonics-Markt ist Toon Timmermans.

Der Niederländer begann seine erfolgreiche Karriere als Manager und Gründer in der Sport-Industrie. Er fungierte als Dozent an der Johan Cruyff Universität und gründete Flogs.com, ein Online-Kalender-Synchronisations-Tool. Doch dann sollte eine Sex-Szene mit Sylvester Stallone und Sandra Bullock einen völlig neuen Abschnitt in Timmermans beruflichem Leben einläuten.

Heute produziert er mit seinem in Amsterdam ansässigen Unternehmen KIIROO Sexspielzeug, das echte Bewegungen online überträgt. Damit revolutionierte er nicht nur Fernbeziehungen, sondern ging auch einen großen Schritt in die Zukunft des virtuellen Sexuallebens …

THE RED BULLETIN: Toon, wie viele Mails bekommen Sie von Kunden, die sich für ein glücklicheres Leben bedanken.

Toon Timmermans: (lacht) Ja, das ist es was, ich mit meinem Team erreichen will: Wir möchten Menschen, die nicht ständig zusammen sein können oder etwas Neues ausprobieren wollen, ein gewisses Extra bieten.

Wie kam es zu der Idee, solche Geräte zu entwickeln?

Ausgangspunkt war der Film „Demolition Man“. Da gibt es eine Szene, in der Sylvester Stallone und Sandra Bullock über diese seltsamen Helme virtuellen Sex haben. Beim Ansehen dieses Videos dachten wir darüber nach, welche Technologie wir für Menschen entwickeln können, die räumlich voneinander getrennt sind. Alles, was es bis dahin auf dem Teledildonics-Markt gab, arbeitete mit Vibration, Druck oder ähnlichem. Nichts davon simulierte realen Verkehr.

© Chad A. Willis // Youtube

Was hat Ihre Frau gesagt, als Sie ihr von der Idee erzählt haben?

Sie liebte sie.

Wirklich?

Sehen Sie: Bevor wir bei KIIROO anfingen, diese Geräte zu entwickeln, haben wir uns eine Frage gestellt: Ist es normal, gemeinsam mit seiner Freundin in einen Sex-Shop zu gehen, sich ein Spielzeug zu kaufen und ein großartiges Wochenende mit einer Menge Spaß zu verbringen? Wir denken, das ist ziemlich normal. Also wenn Sexspielzeuge gut sind, warum sollte man dann nicht in sie investieren?

Toon Timmermans

Testen Sie eigentlich all ihre Produkte im Selbstversuch?

Natürlich. In Amerika sagt man: „You have to eat your own dog food.“

Sie arbeiten mittlerweile mit Pornostars zusammen, die speziellen Content anbieten, der mit Ihren Geräten verbunden werden kann. Der nächste Schritt ist Virtual Reality. Glauben Sie, es wird in der Zukunft irgendeine Grenze geben oder werden wir mehr und mehr richtig realen Online-Sex haben?

Ich spreche immer von Intimität. Manche Menschen senden sich zum Beispiel Fotos oder halten Händchen - und das ist ihre Art der Intimität. Andere bringen es mit unseren Spielzeugen auf das nächste Level und wieder andere nutzen Adult Content oder Virtual Reality. Manche kreieren online einen Avatar, lassen ihn Sex haben und können durch unsere Produkte genau das fühlen, was ihr Avatar macht. Was auch immer die Leute wollen, wir liefern nur die Technologie. Es liegt an den Kunden, wie sie diese nutzen. 

Wo wäre Ihre persönliche Grenze?

Ich würde unsere Spielzeuge nicht mit Pornos mit Tieren oder etwas Ähnlichem verknüpfen.

© KIIROO Amsterdam // Youtube

Wenn man online ein sehr reales Sexualleben führen kann, werden vermutlich viele Menschen aufhören, nach richtigen Beziehungen zu suchen. Sie werden die einfachere, virtuelle Welt vorziehen. Kann das nicht zu einem gesellschaftlichen Problem werden?

Sie können es als Problem sehen oder Sie sehen es so, dass wir diesen Menschen etwas geben, das sie im echten Leben nicht finden. Denken wir zum Beispiel an Menschen mit einer Behinderung, die nicht in eine Bar gehen können, um jemanden zu treffen. Aber auch sie haben ihre Bedürfnisse und wollen mit einem anderen Menschen intim werden. Es kann manchen Menschen also auch helfen.

Angenommen man hat eine Freundin und nutzt Ihre Tools, um virtuellen Sex mit einem Pornostar zu haben – ist das für Sie Fremdgehen?

Meine persönliche Meinung: Wenn man findet, sich Pornos anzusehen ist kein Betrug, dann ist das auch kein Betrug. Wenn man sich aber mit einer echten Person verbindet und immer wieder Sessions mit ihr hat, dann ist es für mich Fremdgehen. Dann wird es eine mentale Beziehung.

Virtual Reality scheint wie gemacht zu sein für die Sex-Industrie.

Das Coole an Virtual Reality ist, dass es Videos so real macht. In Kombination mit Kopfhörern taucht man komplett in eine Welt ein. Weil es so real ist, fühlt man sich, als wäre man dort. Das Gehirn will plötzlich die Dinge, die es sieht, anfassen. Und dieses Touching-Element bieten wir - das macht es buchstäblich zu einer Art Mindfuck. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf einer Couch. Ein Mädchen betritt den Raum, setzt sich auf Ihren Schoß und Sie können ihre Auf- und Abwärtsbewegung fühlen. Das macht die ganze Sache sehr, sehr real. Wir arbeiten mit mehreren anderen Unternehmen zusammen und da kommt noch einiges auf uns zu.

Ist Amsterdam die perfekte Stadt, um mit dem Verkauf von Sexspielzeug zu starten? Immerhin wird Amsterdam oft als Sex-City Europas bezeichnet.

Man sagt, die Niederländer und speziell die Menschen in Amsterdam seien offener. Für mich ist das schwer zu beurteilen, weil ich mittendrin bin. Viele bezeichnen Amsterdam als Sex-City, aber ich würde das nicht sagen. Vermutlich liegt es daran, dass es Prostituierten erlaubt ist, sich in einem Schaufenster zu präsentieren. Aber Prostituierte gibt es überall. Jede Stadt hat sie. Wenn man danach sucht, findet man sie.

„Es ist unmöglich, alles erfolgreich zu machen. So eine Welt existiert nicht.“
Toon Timmermans über das Scheitern, das zum Unternehmertum dazugehört

KIIROO ist nicht ihr erstes erfolgreiches Projekt. Was ist Ihr Geheimnis?

Wenn ich zurückblicke, möchte ich stolz auf mich sein. Und meine Ansprüche sind recht hoch. Außerdem sehe ich meine Arbeit nicht als Arbeit – wenn ich etwas nicht mag, dann mache ich es nicht. Natürlich musst du hart arbeiten, um etwas zu erreichen, denn es ist nicht einfach. Aber wenn es sich nicht wie Arbeit anfühlt, dann kannst du hart arbeiten.

Das klingt nach langen Arbeitstagen.

Ich würde sagen, 12 oder 13 Stunden, aber das ist kein Problem, wenn es Spaß macht. Ich reise viel und sehe eine Menge von der Welt. Ein Entrepreneur zu sein bedeutet, dass man viele Stunden hineinsteckt, aber auch viel zurückbekommt.

Was würden Sie jungen Entrepreneuren raten?

Starte! Fang einfach an, du musst es auf die harte Tour lernen. Wenn etwas nicht funktioniert, steh auf und versuch es weiter. Einige meiner Projekte sind auch gescheitert, aber das ist ok, du musst daraus lernen. Wenn du an etwas glaubst und daran arbeitest, dann landest du manchmal ganz woanders. Du stolperst sozusagen von einer Welt in die nächste oder es öffnen sich neue Türen. Aber wenn du nie beginnst, wirst du nie irgendwo hinkommen.

Zu scheitern ist also „Part oft the Game“?

Es ist unmöglich, alles erfolgreich zu machen. So eine Welt existiert nicht. Ich habe meine Schulzeit und mein Studium immer so gesehen, dass ich dort meinen Rucksack mit Wissen fülle, aber dann muss ich es benutzen. Der einzige Weg, das zu machen, ist ein Projekt anzupacken.

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05 2016 THE RED BULLETIN

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