Hannes Arch Business

Was der Unternehmer Hannes Arch vom Sportler Hannes Arch lernen konnte

Text: Christoph Kristandl
Bild: Markus Berger / Red Bull Content Pool

Hannes Arch ist nicht nur Sportler und Abenteurer, sondern auch Unternehmer. Im Rahmen des Fifteen Seconds Festivals in Graz gewährte der Air Race-Pilot The Red Bulletin Einblick in die Parallelen zwischen Sport und Business.

Hannes Arch über …

  • Risiko-Situationen im Sport und im Business
  • das falsche Ziel Reichwerden
  • den Umgang mit Rückschlägen
  • die Tücken des Unternehmertums
  • wie man Geschäftspartner überzeugt
  • warum Emotionen im Business erlaubt sind
Unternehmer Hannes Arch
Hannes Arch

Arch ist alpines Multitalent, Grenzgänger, Kunstflieger und wurde 2008 Red Bull Air Race-Champion. Bereits 1995 startete er das Red Bull Acro Team als Plattform der globalen Freeflying-Szene, 2000 gründete Arch die Airpro GmbH mit Fokus auf Flugsportmarketing und Extremsportproduktionen für Film und TV.

THE RED BULLETIN: Sie führen eine stressige Sportlerkarriere mit Reisen um den Globus und sind daneben auch noch Unternehmer. Wie geht sich das aus?

HANNES ARCH: Ich war eigentlich ja schon immer Unternehmer. Früher hat sich für meine Sportarten niemand interessiert und man musste sich selbst um das Marketing und Business kümmern. Heute würde es mich auch nicht mehr befriedigen, nur in der Rennmaschine zu sitzen. Mir taugt es, ein Team aufzubauen und Marketingstrategien umzusetzen. Ausgehen tut sich das aber nur, wenn man es wirklich lebt, wenn man mit einer Idee ins Bett geht und auch wieder damit aufwacht. Das Wichtige ist, dass du lernst zu switchen. Ich sitzte im Büro bei einem Meeting, weiß aber, in zehn Minuten muss ich zum Flieger rüberlaufen und dann bin ich wieder voll im Sport. 

Was konnte der Unternehmer Hannes Arch vom Sportler Hannes Arch lernen?

Angeeignet habe ich mir alle Skills im Sport. Er lehrt dich nämlich, zu reflektieren und dich selbst wahrzunehmen. Nur wenn du dich total darauf einlässt, kommst weiter. Das ist im Unternehmen genauso. 

Und was sehen Sie als Ihren Beruf an, Sportler oder Unternehmer?

Ich habe immer den Sport als Beruf gesehen. Von dem geht alles aus, er motiviert mich – aber richtig getrennt habe ich das nie. Selbst im Flugzeug ist Management gefragt. Du musst dich mit dem Luftraum, dem Wetter und dem Risiko beschäftigen. Du kannst beides mit den gleichen Grundsätzen und Wertvorstellungen erfolgreich betreiben.

„Ich durfte über Jahre hinweg erleben, dass ich mit ganz wenig der glücklichste Mensch sein konnte.“

Kann man Risiko-Situationen im Business und im Sport auf irgendeine Art vergleichen? Immerhin geht es beim einen zumeist nur um Geld und beim anderen um das blanke Überleben.

Vergleichbar ist das nicht, aber wenn ich vom  Berg springen will, muss ich mich fallen lassen, das ist im Business ähnlich, auch da muss ich mich auf etwas einlassen. Wenn du einen Bogen um große Investments machst, kommst du nicht weiter. Wenn du als Unternehmer von Anfang an sagst, du probierst das jetzt und wenn es nicht funktioniert, bist du mit deiner Entscheidung trotzdem glücklich, dann kannst du schon keinen Fehler gemacht haben, weil du ja glücklich damit bist.

Team Hannes Arch

„Mir taugt es, ein Team aufzubauen und Marketingstrategien umzusetzen.“

© Samo Vidic // Red Bull Content Pool

Man braucht als Unternehmer also Risikobereitschaft?

Nein, Risikobereitschaft würde jetzt wahrscheinlich falsch interpretiert werden.

Was macht für Sie dann einen guten Unternehmer aus?

Dass er nicht vor dem Risiko davonläuft, sondern den richtigen Umgang damit pflegt und sich damit auseinandersetzt. Wenn ich über die Straße gehe und weiß, wie gefährlich das ist, dann bin ich schon safe. Aber wenn ich nichts darüber weiß – bumm. Dann passiert plötzlich etwas, weil ich mich nicht damit beschäftigt habe. In dem Moment, wo ich weiß, dass etwas gefährlich ist, ist die Gefahr eigentlich schon gebannt.

„Draufzukommen, wer und was du bist, das ist heutzutage ein Privileg.“

Niki Lauda meinte kürzlich in seinem „60.000-Euro-Interview“, reich werden zu wollen sei kein geeigneter Antrieb.

Da stimme ich ihm zu 100 Prozent zu. Meines Erachtens würde solch eine Herangehensweise von Dummheit zeugen. Da muss man schon sehr blind sein, wenn man heutzutage nicht gecheckt hat, dass Geld alleine einen nicht glücklich macht. Wenn du das glaubst, bist du dumm oder unerfahren. Ich durfte über Jahre hinweg erleben, dass ich mit ganz wenig der glücklichste Mensch sein konnte. Ich habe in einem VW-Bus gewohnt, war knapp 30 und habe gar nichts gehabt, außer viel Zeit. Und ich war einer der weltbesten Kletterer, das hat mich glücklich gemacht. Wenn ich damals eine Umfrage gemacht hätte, hätten mir 99 Prozent abgeraten, so weiterzumachen.

X-Alps Hannes Arch Gründer

2003 rief Arch den Wettkampf Red Bull X-Alps ins Leben, der die besten Paragleiter über die gesamten Alpen nach Monaco führt.

© Leo Rosas // Red Bull Content Pool

Sie haben sich davon aber nicht abbringen lassen.

Im Grunde hat Niki Lauda völlig recht, wenn er sagt, wenn alle in die eine Richtung gehen, geht er in die andere. Man muss sich bewusst sein, dass wir alle Individuen sind. Draufzukommen, wer und was du bist, das ist heutzutage ein Privileg. Was die Jungen alles machen müssen in der Schule, da hat man gar keine Zeit mehr, seine Persönlichkeit zu entwickeln, etwas auszuprobieren und draufzukommen, dass man vielleicht doch Maler ist und kein Wirtschaftsprofessor.

Ich schließe daraus, Sie würden rückblickend in ihrem Leben nichts anders machen.

(Denkt lange nach) Nein!

Wer sich ständig mit Millimetern und Zehntelsekunden herumschlägt, der muss doch zwangsläufig Perfektionist sein.

Man lebt das einfach. Es geht vielleicht weniger darum, Perfektionist zu sein, als sich selbst treu zu bleiben. 

Hindert einen das manchmal nicht auch?

Es hindert nicht, aber es kostet wahnsinnig viel Energie. Es ist nicht immer einfach sich treu zu bleiben, weil du Mensch bist, mit deinen Stärken und Schwächen.

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Das Magazin für und über Menschen von morgen, die die Zukunft verändern und verbessern wollen.

Sie mussten sich auch oft mit zweiten Plätzen zufriedengeben. Wenn es einmal nicht perfekt läuft, wie gehen Sie damit um und motivieren sich wieder neu?

Wenn mich nur der Sieg befriedigen würde, dann hätte ich mir schon längst die Kugel geben müssen. Wie oft gewinnst du schon im Leben, egal in welchem Bereich? Aber wenn du lernst, dass der Weg und die Tätigkeit selbst es ist was zählt, wenn du etwas mit einem Team entwickelst und umsetzt und tagtäglich die kleinen Erfolge feierst, dann hast du schon gewonnen. Rückschläge und Tiefschläge gehören dazu, davor darfst du nicht weglaufen. Du darfst nicht sagen: ‚Ich will möglichst wenig Fehler machen.‘ Diejenigen, die keine Fehler machen wollen, kommen nicht weiter. Eigentlich musst du sagen: ‚Ich will möglichst viele Fehler machen, mir möglichst oft den Kopf anschlagen, weil mich das zurechtweist und mir zeigt, welche Richtung falsch ist. Du musst eine gewisse Fehlerkultur leben. Das heißt, mit deiner Unzulänglichkeit umzugehen, sie zu akzeptieren und daraus zu lernen.

„Diejenigen, die keine Fehler machen wollen, kommen nicht weiter.“

Worüber denken Sie länger nach: Über ein Investment oder wie sie eine bestimmte Kurve fliegen?

Beim Sport grüble ich länger. Ich bin aber auch eher kein strategischer Investor, sondern ein emotionaler.

Viele würden sagen, das sei eine schlechte Herangehensweise.

Warum?

Weil man sich von Emotionen blenden lassen und falsche Entscheidungen treffen könnte.

Im Gegenteil. Angenommen es kommt eine Anfrage von einem Freund. Wenn das eine geile Geschichte ist, muss ich mich nicht mit Zahlen und tausend Sachen herumschlagen, sondern ich leiste es mir und stehe emotional total dahinter.

Morgen startet offiziell der Sommer, hoffentlich

Morgen startet offiziell der Sommer, hoffentlich hält sich auch das Wetter daran ;-) - wie auch immer, ich bin READY TO RACE und wünsch euch eine schöne Woche! KTM Official Fanpage

In schwierigen Situationen muss man aber einen kühlen Kopf bewahren. Wie schafft man das?

Durch Erfahrung, die dir Vertrauen gibt. In einer Extremsituation brauchst du einfach Vertrauen in dich selbst. Sonst hast du Stress, weil du Angst vor dem Versagen hast. Wenn du in dich selbst vertraust, hast du keine Angst vor dem was kommt, selbst wenn du es nicht genau kennst. Außerdem musst du deine Hausaufgaben gemacht haben. Du kannst nicht einfach hergehen und aus deinem Talent heraus die Dinge regeln wollen. Je besser du deine Hausaufgaben gemacht hast, desto besser kannst du abschalten, dich auf den Moment konzentrieren und versuchen, dir weder Gedanken über den Erfolg noch den Misserfolg zu machen. Im Sport spricht man vom Flow, in dem du agierst wie eine Maschine, die einfach das macht, was sie  kann. Wenn du dorthin kommst, bist du gut.

Was mussten Sie als Geschäftsmann auf die harte Tour lernen?

Ich gehe als Unternehmer mit wahnsinnig viel Hingabe hinein und fordere das auch von meinen Partnern. Wenn ich dann nur Oberflächlichkeit zurückbekomme, geht das nicht. Ich musste sicherlich lernen, dass es in großen Konzernen Entscheidungen gibt, die nicht immer etwas mit den eigentlichen Projekten zu tun haben. Oft geht es da um konzernpolitische Entscheidungen und interne Machenschaften - dafür habe ich kein Verständnis. Da laufe ich schon immer mal wieder gegen eine Wand, weil ich einfach nicht so funktioniere. Die Geduld dafür aufzubringen ist etwas, das du ebenso lernen musst, wenn du mit großen Unternehmen zu tun hast, wie zu akzeptieren, dass du nicht alles selbst entscheiden kannst. Und wenn du gewohnt bist, zu 100 Prozent die Verantwortung zu tragen, ist es schwierig, das abzugeben. Das kann ich bis heute nicht wirklich.

Wie schafft man es, einen Partner von sich und seinem Projekt zu überzeugen?

Durch Authentizität und Erfahrung. Und indem du die Interessen deiner Partner bedenkst, sie respektierst und berücksichtigst. Wenn ich Ideen habe und dabei nur an mich denke, dann werden 80 Prozent davon nicht verwirklicht werden. Beim Windparkprojekt hat es anfangs auch geheißen, dass das nicht geht. Am Ende haben wir aber alle überzeugt und es durchgezogen.

© Red Bull // Youtube

Dass etwas nicht geht darf man also nie akzeptieren?

Wenn mir jemand sagt, dass etwas nicht geht, dann frage ich: ‚Wieso? Erklär’ mir das!‘ Das reizt mich aber auch. Ich denke mir dann, es kann gar nicht sein, dass das nicht geht und suche die Lösung. Das Einfache macht ja eh jeder. 

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