Ein Porträt der eisernen Startup-Lady Floor Drees

Floor Drees, die eiserne Startup-Mum

Text: Christoph Kristandl
Foto: Gioia Zloczower

Floor Drees lebt für ihre Startups. Als Leiterin des Wiener Startup-Hubs sektor5 sowie des Inkubators 5starts stand sie schon zahlreichen Gründern zur Seite und wurde bei den Central European Startup Awards zur einflussreichsten Frau der österreichischen Startup-Szene gewählt. Ihr Erfolgsgeheimnis: Schnelle Entscheidungen und kein „schau ma mal“.

Wien ist dank nächtlichen Schneefalls halb lahmgelegt, als wir Floor Drees zum Interview treffen. Die weiße Pracht hat die Stadt an diesem Morgen nicht nur in ein kurzzeitiges Winterwonderland verwandelt, sie bremst sie auch. Die Intervalle der öffentlichen Verkehrsmittel haben sich verfielfacht und auch Autos kommen nur langsam voran. Ein Umstand, der Drees sichtlich den Nerv zieht, denn Zeit hat sie nie zu verlieren.

„Als Niederländerin bin ich einfach ein höheres Tempo gewöhnt“, sagt die gebürtige Rotterdamerin und meint damit nicht nur diesen verschneiten Tag, sondern den Mentalitätsunterschied zwischen Niederländern und Österreichern. 

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Vor mittlerweile sechs Jahren kam Drees nach Wien und arbeitete u.a. als Grafikern und Programmiererin für verschiedene Unternehmen, auch für einige, die im sektor5 beheimatet waren. Sie lernte den Coworking-Space im fünften Bezirk lieben und übernahm viele organisatorische Aufgaben. Es lag also nahe, ihr irgendwann die Leitung des Hubs anzubieten. Das Problem: Drees wollte unbedingt weg aus Wien und hatte sich bereits Wohnung und Job in Berlin eingerichtet.

„Ich bin grundsätzlich eine wahnsinnig ungeduldige Frau und in Österreich ist alles sehr langsam. Die Menschen hier sind risikoscheu und treffen einfach keine Entscheidungen – das macht mich wahnsinnig“, erklärt sie ihre Beweggründe. Will man sie auf die Palme bringen, reicht eine einzige Phrase, die gleichermaßen frustrierend wie typisch österreichisch ist: „Schau ma mal.“

sektor5

sektor5 besteht seit September 2010 und ist einer der etabliertesten Coworking-Spaces Wiens. Gründer Yves Schulz ließ sich dafür vom Berliner betahaus inspirieren.

„sektor5 ist nicht nur eine physische Location. Er ist ein ‚Reality Distortion Field‘“, sagt etwa Thomas Schranz. Der Co-Founder und CEO von Blossom zitiert damit einen Begriff, der die besonders positive, überzeugende Atmosphäre beschreibt, die Steve Jobs bei Apple etablierte.

Bei den Central European Startup Awards 2016 wurde sektor5 als bester Coworking-Space Österreichs ausgezeichnet.

„Ein ‚Nein’ ist auch super“, behauptet Drees. „Ich möchte dann nur, dass man es schnell ausspricht, um keine Zeit zu verlieren. Aber eine Konversation mit ‚schau ma mal’  zu beenden … das ist kein ‚Ja’, kein ‚Nein’, das ist gar nichts.“

Gewöhnt hat sich bis heute nicht an diese Eigenheit, zurückgekommen ist sie nach acht Monaten in Berlin dennoch. Aus privaten Gründen und weil sie neben der Leitung des Hubs auch den Inkubator 5starts aufbauen konnte. „Ich denke, dass es in Österreich und überhaupt in der Mittel- und Osteuropa-Region wenig Unterstützung für Startups gibt, die noch ganz am Anfang stehen. Wenn zwei Leute eine gute Idee haben, aber keine Ahnung davon, wie man gründet, dann sind wir die richtigen Partner für sie“, schildert Drees den Grundsatz von 5starts.

© Youtube // Global Startup Awards

Die Mentoren für ihr fünfmonatiges Unterstützungsprogramm kommen selbst aus der sektor5-Community, was laut Drees ein großer Vorteil ist: „Die Startups mögen das, weil sie diese Leute kennen und sie ihre Vorbilder sind.“

Ihr Ziel ist es, die Gründer bei weniger spannenden Dingen, wie etwa der Suche nach einem Anwalt oder Notar oder den Fragen rund um die Gründung einer GmbH, zu unterstützen, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können.

5starts

Der Inkubator wurde im Jänner 2016 ins Leben gerufen und begleitet junge Gründer fünf Monate lang auf ihren ersten Schritten zum eigenen Startup.

Die ersten beiden Durchgänge des Programms brachten Startups wie ChillBill, Vienna Würstelstand, Pagestrip, handcheque, Folyo oder Extrasauber hervor.

Der dritte Batch beinhaltet u.a. die Startups Boiler, GOSEPP und chimni.

Bei den Central European Startup Awards 2016 wurde 5starts als bestes Acceleration/Incubation Program Österreichs ausgezeichnet.

„Ich habe mein ganzes Leben in Startups gearbeitet und kenne die Probleme. Wir sind einfach für die Gründer da: Fünf Monate – und länger – Anpacken ohne Bullshit“, richtet sie Interessenten aus und erklärt auch gleich, worauf bei den Teams geachtet wird: „Wir setzen darauf, dass sie nicht beratungsressistent sind, dass sie bereit sind, die Extrameile zu gehen und dass sie nicht nur am Startup-Lifestyle interessiert sind.“

Wenn Drees von den Startups in ihrem Inkubator spricht, dann spricht sie von „meinen Startups“, um gleich darauf schmunzelnd zu bemerken: „Meine Startups … das klingt, als wäre ich die Godmother der Startups.“

Aber irgendwie ist sie das für die Startups ja auch. Leidenschaftlich hilft sie wo sie nur kann, wenn nötig, legt Drees aber auch die notwendige Strenge an den Tag. „Sie nennen mich Iron Lady, weil ich hart bleibe und immer Konkretes einfordere: Wann machen wir etwas, wo und mit wem?“, erläutert Drees.

Mit „schau ma mal“ kommt bei ihr eben niemand weit, nicht einmal „ihre“ Startups.

„Arbeite hart und sei nett zu den Menschen.“
Floor Drees' Motto
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03 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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