Dein Adidas-Schuh aus dem Drucker

„Futurecraft 4D“ - der Sneaker aus dem Drucker

Foto: Adidas

Womöglich wird dein Sneaker bald im Geschäft auf dich persönlich abgestimmt und hergestellt. Der „Futurecraft 4D“ ist ein erster Schritt dorthin.

Sportartikelhersteller Adidas tüftelt schon seit einiger Zeit an Schuhen aus dem 3D-Drucker. Nun ist das Unternehmen noch einen Schritt weiter gegangen und hat ein Modell präsentiert, das mit einer völlig neuen Methode „gedruckt“ wurde.

Anfang April stellte Adidas sein revolutionäres Produkt vor: den „Futurecraft 4D“. Dabei handelt es sich um den ersten Sportschuh, der eine Zwischensohle besitzt, welche mit einer speziellen Methode – der digitalen Lichtsynthese – hergestellt wurde.

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Neuartiges Verfahren 

Urheber dieses neuartigen Prozesses ist die kalifornische Firma Carbon. Das im Silicon Valley ansässige Tech-Unternehmen setzt dabei auf digitale Lichtprojektion, sauerstoffdurchlässige Optik und programmierbare, flüssige Harze.

Mit dieser Produktionsmethode verabschiedet sich Adidas vom ursprünglichen 3D-Druck – eventuell auch, um auf spezielle Kundenwünsche im Laden eingehen und dem Kunden seinen individuellen Schuh umgehend herstellen zu können.

© Youtube // adidas

Nach ein paar Hundert Modellen zum Auftakt sollen in diesem Herbst/Winter 5.000 weitere Exemplare des Futurecraft 4D auf den Markt kommen. 2018 will der Hersteller dann 100.000 Stück aus dem Drucker wandern lassen.

Im Vergleich zu den 360 Millionen Schuhen, die der Konzern 2016 produziert hat, klingt das zwar wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Es zeigt aber gleichzeitig, dass Adidas mit dem Projekt die Massenproduktion anpeilt. Das unterstreicht auch ein Blick auf den Prozess, der die Herstellungsdauer enorm verkürzt.

Die Methode erinnert an den Terminator T-1000

Möglich macht die innovative Produktion eine Technologie namens CLIP – das steht für „Continuous Liquid Interface Production“ und bedeutet grob übersetzt so viel wie „Fortlaufende Flüssig-Schnittstellen-Herstellung“. Dabei handelt es sich um einen photochemischen Prozess, der mit Licht und Sauerstoff in kurzer Zeit Teile produziert. 

Die individuelle Sohle ist die Stärke des "Futurecraft 4D"

Eine LED-Lichtmaschine wirft hierbei eine Sequenz von UV-Bildern durch ein sauerstoffdurchlässiges Fenster in einen Behälter mit UV-härtendem Harz. Wird eine solche Sequenz projiziert, verfestigt sich der angestrahlte Teil und die Bauplattform steigt. Der Sauerstoff sorgt dafür, dass das Harz sich nicht zu früh verfestigt. Dieser Prozess wiederholt sich Schicht für Schicht, bis das Produkt – in diesem Fall die Zwischensohle – fertig „gedruckt“ ist. Anschließend härtet das Material noch in einem Ofen aus.


Diese Methode soll es Adidas ermöglichen, schnell relativ hohe Stückzahlen zu produzieren. Denn während ein herkömmlicher 3D-Drucker für einen solchen Sohlendruck eineinhalb Stunden bräuchte, benötigt die digitale Lichtsynthese nur 20 Minuten.

Zudem kann Adidas dank dieser Methode genau auf die Bedürfnisse eines Kunden eingehen, denn Beweglichkeit, Dämpfung, Stabilität und Komfort lassen sich durch die Gestaltung der Gitterstruktur in der Zwischensohle individuell gestalten.

© Vimeo // Oleg Masnyy

Stehen die Drucker bald im Laden?

Wenn wir diesen Gedanken etwas weiterspinnen, könnte es bald möglich sein, dass du dir im Laden deines Vertrauens einen Schuh aussuchst, dein persönliches Sohlenprofil ermittelt wird und du dank eines Druckers vor Ort wenige Minuten später mit einem maßgeschneiderten Schuh nach Hause gehst.

Wir dürfen gespannt sein, wann es soweit ist.

 

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05 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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