Rober Lewandowski

Fußballer setzen auf Startups

Text: Florian Wörgötter
Bild: Vimeo/wojtek.siara

Fußballer verdienen viel Geld. Aber nur wenige Jahre lang. Für die Zeit nach der Karriere kaufen sie Tankstellen und Wohnungen – doch das war einmal. Inzwischen investieren Stars wie Robert Lewandowski in Startups. Und verdienen damit eines Tages vielleicht mehr als auf dem Rasen.

Wenn FC-Bayern-München-Star Robert Lewandowski sein Mittagsmenü bestellt, beginnt er als Erstes mit der Nachspeise. Erst dann kommen Fleisch oder Nudeln, zum Dessert dann Suppe und Salat. Der polnische Nationalspieler dreht die Dinge gerne um.

Während die meisten Fußballer erst nach ihrer Karriere in die Wirtschaft einsteigen, investiert Lewandowski mit seinen 27 Jahren schon am Höhepunkt seines Schaffens. Offenbar hat er Berater, die es gut mit ihm meinen: Seine Frau Anna, eine Fitnesstrainerin, habe ihm die Ernährungsumkehr vorgeschlagen, da so Fette leichter verbrennen.

Sein Manager, der ehemalige polnische Nationalspieler Cezary Kucharski, hat ihm empfohlen, einen Teil seines Geldes in einen Risikokapitalfonds zu investieren, der polnische Start­ups fördert. Beide Entscheidungen tragen offenbar Früchte: Noch niemals wurde ein Gramm Fett auf Lewandowskis Körper gesichtet. Und seine Investitionen in Startups entpuppen sich als gewinn­trächtig. 

Als Lewandowski im Jahr 2014 beim polnischen E-Business-Investor Protos Venture Capital einstieg, listete das Portfolio sieben Unternehmen, heute sind es bereits zwölf. Der Stürmer-Star ist das bekannteste Gesicht eines Dutzends Inves­toren. Seinem Manager zufolge begeistert er sich für perspektivenreiche Internet-Technologien.

Die Streuung macht’s

Das natürliche Risiko, das technische Innovationen auf neuen Märkten mit sich bringen, soll eine langfristige Anlage in verschiedenste Startups abfedern. Im Portfolio befinden sich ­daher Produkte wie shoplo.com, eine polnische Internet-Plattform für bequemes Online-Shop-Management, oder scondoo.de, eine Berliner Cashback-Promo­tion-App, die Einkäufern beim Sparen hilft.

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Den ersten großen Gewinn erzielte Lewandowski mit dem Verkauf der Webseite allani.pl, eines virtuellen Einkaufszentrums, in dem rund 900.000 Benutzer bei diversen Modeherstellern einkaufen. Polnische Medien kolportieren eine Gewinnspanne von satten 500 Prozent – und das innerhalb von 18 Monaten. Nicht schlecht für einen U30er wie Lewandowski.

Lewas Startups:

  • ALLANI - Zalando auf Polnisch
  • POSITIONLY - Software für Inbound Marketing
  • TWOJASUKNIA - Online-Brautsalon
  • kekemeke - Treuepunkte-App
  • shoplo - Tool für Online-Shops
  • scondoo - Rabatt-App

 

In der Regel benötigen Startups jedoch mehrere Jahre, um ihr Geschäftsmodell zu festigen und sich am Markt zu beweisen. Es kann einem Unternehmen durchaus helfen, wenn ein bekanntes Gesicht als Investor einsteigt. Vor allem, wenn dieser auch öffentlich dafür wirbt. Am ehesten ist das der Fall, wenn das Produkt zum Image des Investors passt. Daher investieren Fußballer gerne in ihr Fachgebiet: den Sport.

Auch Klopp, Fergie und Co. investieren

Philipp Lahm etwa beteiligt sich am Startup Fanmiles, ­einem Treuepunkte-System für Fans. Wenn diese ihre Stars mit Ticketkäufen oder Facebook-Likes unterstützen, werden sie mit Treuepunkten und Goodies belohnt.

Die Stürmer-Stars Robin van Persie und Thierry Henry sind ebenso wie Cesc Fàbregas Teilhaber beim Londoner Video-Pionier Grabyo. Die App ermöglicht Cloud-basiertes Live-Video-Streaming für Sportfans. David Beckham hingegen fördert das Konkurrenzprodukt, die Streaming-App MyEye. Seine anderen Investments in das eigene Textil-Label und eine schottische Whisky-Destillerie streuen das Risiko.

Auch bekannte Fußballtrainer stecken ihr Vermögen in junge Internet-Unternehmen. Jürgen Klopp finanziert den WhatsApp-Dienst WhatsCoach, der Amateurtrainern mit Tipps und Tricks den Job erleichtern soll. Leider muss sich das Kölner Startup mit Klopps finan­zieller Zuwendung begnügen, denn seinen reichen Erfahrungsschatz behält der FC-Liverpool-Trainer für sich.

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Ein ähnliches Konzept verfolgt das Online-Portal Trainerstar.de, in das sich Lothar Matthäus eingekauft hat. Der ehemalige Manchester-United-Coach Sir Alex Ferguson wiederum steckt einen siebenstelligen Betrag ins Prepaid-Kreditkarten-Startup Pockit.

Wenn Robert Lewandowski in näherer Zukunft irgendwann sein Trikot an den Nagel hängt, darf er aus zwei Gründen aufatmen: Erstens, weil er jungen Unternehmern einige Steilvorlagen zum Erfolg gegeben hat, die mit hoher Trefferquote verwandelt worden sind. Zweitens, weil er endlich wieder die Suppe vor dem Dessert essen darf. 

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