"sharetribe"-Gründer Juho Makkonen

„sharetribe“-Gründer Juho Makkonen: „40 Stunden sollten reichen“

Foto: Juho Makkonen

Das Scheitern lenkte Juho Makkonen in die richtige Richtung. Heute ist er erfolgreicher Startup-Gründer - ohne länger zu arbeiten, als er es in einem normalen Job tun würde.

Juho Makkonen brauchte einige Jahre, bis er als Entrepreneur auf den richtigen Weg fand. Doch heute betreibt er mit „sharetribe“ ein florierendes Startup.

Erfahre von Juho Makkonen …

  • wie er die Wende schaffte
  • was er am Entrepreneur-Dasein schätzt
  • wie er mit purer Ehrlichkeit einen Investor fand
  • warum er nicht mehr als 40 Stunden pro Woche arbeitet
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„Meine Websites waren beschissen. Sie hatten Frames und all die anderen schrecklichen Dinge der 90er“, erinnert sich Juho Makkonen an seine Anfänge als Unternehmer.

Als Teenager hatte er sich das Programmieren beigebracht, baute einfache Websites und kam auf die Idee, er könne diese doch auch für andere Leute anfertigen. „Meine erste verkaufte ich an einen jüngeren Burschen, für 60 Finnische Mark. Das entspricht heute etwa 10 Euro“, erzählt Makkonen. 

Der erste Schritt zu einer Entrepreneurs-Karriere, an der er vor allem die Freiheit schätzt: „Ich habe das Gefühl, so meinen größtmöglichen Einfluss auf die Welt zu haben. Ich kann kontrollieren, was ich tue und mit wem ich zusammenarbeite. Nach dieser Erfahrung wäre es schwer, ein Mitarbeiter in einem großen Unternehmen zu sein.“

Und dennoch hätte er sich beinahe einen Job suchen müssen. Gemeinsam mit seinem Co-Founder Antti Virolainen setzte er sich den September des Jahres 2013 als Deadline, denn ihre Grundidee von sharetribe erwies sich als Sackgasse.

„Das, womit wir 2011 starteten, war ein Peer-to-Peer-Marktplatz, auf dem du alle möglichen Dinge mit den Leuten in deiner Nachbarschaft teilen konntest. Von Werkzeug über Möbel und Fahrräder bis zu Dienstleistungen. Wir mussten aber lernen, dass uns hier der Fokus fehlte. Ein so umfassender Marktplatz nutzte niemandem. Sharing funktioniert vor allem, wenn man sich auf enge Sparten konzentriert. Wie etwa Uber bei Taxis, Airbnb bei Wohnungen, etc.“, erklärt Makkonen.

„Zum Glück fanden wir damals niemanden, der uns finanzierte“, meint er rückblickend. „Denn sonst hätten wir an dieser Idee festgehalten.“

So sahen sich Makkonen und Virolainen Anfang 2013 gezwungen, einen drastischen Einschnitt zu machen. Nachdem bereits mehrere Dutzend Entrepreneure angefragt hatten, ob sie das sharetribe-Konzept für ihre eigene Idee verwenden könnten, dachte sich das Duo: „Dann machen wir genau das. Ein Grundgerüst für die vielen Entrepreneure, die das nächste airbnb oder eine ähnliche Sharing-Plattform umsetzen wollen, aber keine Ahnung vom Programmieren haben.“

„Ich habe hohe Ziele und will die Welt verändern, gleichzeitig will ich aber nicht, dass mein Leben nur aus Arbeit besteht.“
Juho Makkonen

Damit war der Grundstein zur Neuausrichtung gelegt, was noch fehlte war allerdings ein Investor. Die Ersparnisse der beiden drohten dem Ende entgegen zu gehen, ehe man auf den geeigneten Geldgeber traf. „Wir hatten das Gefühl, dass es zwischen uns passen würde, dass es ein gutes Match sein könnte“, sagt Makkonen. „Deswegen waren wir sehr ehrlich, haben ihm unsere Geschichte erzählt und gesagt: ‚Wir sind hier und hier und hier gescheitert. Aber wir glauben, dass wir daraus unsere Lektion gelernt haben und besser Bescheid wissen, als jemand, der gerade erst als Gründer beginnt.’ Wir wollten nur relativ wenig Geld und neun Monate, um zu beweisen, das unsere Idee funktioniert.“

Makkonen und Virolainen erbrachten den Beweis. sharetribe beschäftigt mittlerweile 15 Mitarbeiter und ist gefragter Ansprechpartner für Entrepreneure, die ihre eigene Online-Marketplace-Plattform aufbauen wollen. 

Makkonen und Virolainen schafften den Turnaround, mit Wandlungsfähigkeit, harter Arbeit aber auch der nötigen Balance. „Ich habe ganz zu Beginn mit Antti darüber diskutiert, was wir vom Leben erwarten. Wir arbeiten nicht auf irgendein zukünftiges Ausstiegs-Szenario hin und wir wollen auch nicht, dass unser Leben nur aus Arbeit besteht“, meint Makkonen.

„Wir haben uns entschieden, nicht mehr zu arbeiten als Menschen mit einem normalen Job - 40 Stunden pro Woche sollten reichen. Das hilft uns zudem, nur auf die wichtigen Dinge fokussiert zu bleiben. Wenn du 60 oder 80 Stunden schuftest, kümmerst du dich auch um die entbehrlichen Dinge. Wir machen auch fünf Wochen Urlaub im Jahr, in denen wir nicht an die Arbeit denken“, zeichnet er ein sehr gewöhnliches Bild von Arbeitszeit, dass man nicht unbedingt mit einem Startup in Verbindung bringen würde. Der Erfolg gibt den beiden aber recht, glaubt Makkonen. „Wir genießen das Leben. Vermutlich sind wir deswegen immer noch gute Freunde und haben Spaß an dem, was wir machen.“

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Mit Startup Milestones betreibt Florian Kandler, selbst mehrfacher Founder, ein Portal mit dem Ziel, Erfahrungen von Gründern aus ganz Europa weiterzugeben.

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