Karl-Martin Pold, Macher der Bud-Spencer-Doku

Karl-Martin Pold: Ein Tausendsassa wie Bud Spencer

Interview: Christoph Kristandl
Foto: Karl-Martin Pold

Man lernt überall etwas, meint Karl-Martin Pold. Er muss es wissen, denn er hatte schon viele außergewöhnliche Jobs. Seine forderndste Aufgabe: Den ersten Dokumentarfilm über Bud Spencer zu drehen. Nach acht Jahren und vielen Schwierigkeiten steht dieses Projekt nun vor dem Abschluss.

Karl-Martin Pold war Plantagenarbeiter, Christbaumverkäufer, Fußballtrainer, Genmaisforscher und Chauffeur von Paulo Coelho. Die letzten acht Jahre steckte er seine Energie aber vor allem in etwas, das vor ihm noch keiner gemacht hat: eine Dokumentation über Carlo Pedersoli alias Bud Spencer.

„Ich weiß auch nicht, warum vor mir keiner auf die Idee gekommen ist“, wundert er sich. „Wobei man sagen muss: ‚Zum Glück!’ Die Gefahr, dass eine große Produktionsfirma sich dessen annimmt und meine jahrelange Arbeit umsonst gewesen wäre, bestand natürlich.“

Auch für die vielen Unterstützer des Projekts geht das lange Warten bald zu Ende. „Noch nie hatte ein deutschsprachiger Dokumentarfilm schon vor seinem Erscheinen eine solche Fanbasis“, sagt Pold, dessen Facebook-Seite @budspencermovie knapp 270.000 Fans zählen kann. 

Pold überwand alle Rückschläge bei der Produktion, traf Bud Spencer vor dessen Tod noch mehrmals persönlich und blickt nun der Premiere von „Sie nannten ihn Spencer“ im Juni 2017 entgegen.

The Red Bulletin Innovator sprach mit Karl-Martin Pold über …

  • sein vielfältiges Berufsleben
  • die Schwierigkeiten bei der Produktion der Doku
  • seine Motivation trotz vieler Rückschläge
  • seine Ziele mit dem Film
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THE RED BULLETIN: Ähnlich wie Bud Spencer sind auch Sie ein Tausendsassa, der schon allerhand verschiedene Jobs gemacht hat. Sehen Sie da Parallelen? 

KARL-MARTIN POLD: In gewisser Weise kann man das so sagen. Er hat immer wieder etwas ausprobiert, darin sind wir uns gleich. Es hat mir einfach immer Spaß gemacht, Neues zu Entdecken und wenn es verrückt war, hat es mich umso mehr gereizt. 

Wie wird man zum Beispiel Brotverkäufer in Amerika?

Indem man sich auf die Annonce „Suche Brotverkäufer für Amerika“ bewirbt.

Der Filmemacher mit seinem Idol Bud Spencer

Wer schaltet so etwas?

Das war ein Auswanderer, der auf Bauernmärkten in Colorado sein steirisches Brot verkaufte. Er dachte sich, wenn er einen echten Österreicher dort hinstellt, ist das authentischer. Und die Amerikaner fahren auf den Akzent ab. Ich wollte immer schon einmal in den USA arbeiten, da hat das gut gepasst.

Und Chauffeur von Paulo Coelho?

Ich war drei Jahre lang Bus-Chauffeur bei der Nationalbank und bin mit einer mobilen Bank durch Österreich gefahren. Auch toll, so habe ich jede Menge kleiner Orte besucht, die ich sonst nie gesehen hätte. Dadurch bin ich später als Fahrer für ein Festival für Kulturschaffende in Melk engagiert worden und dort wies man mir Coelho zu. Ich hatte zunächst gar keine Ahnung, wer er war. Aber als mir klar wurde, wer da hinter mir saß, führte mich mein nächster Weg in eine Buchhandlung. Ich holte mir ein paar Exemplare seiner Werke und ließ sie von ihm signieren, weil ich wusste, die bringen mir irgendwann ein Vermögen. Noch habe ich sie aber zuhause herumstehen.

Was haben Sie auf Ihren vielen Stationen gelernt?

Ach, du lernst überall etwas dazu. Ich wollte halt nie von Montag bis Freitag im Büro sitzen - Routine, Routine, Routine. Viele meiner Freunde die zehn, 15 Jahre im selben Job tätig waren, sind irgendwann 35 und überlegen: „Wars das jetzt schon? Mache ich das noch 20 Jahre so weiter?“ Da bekommen viele den ersten Knick. Es ist aber schwierig, dann noch die Entscheidung zu treffen, auszusteigen. Wenn du erst einmal finanziell einen gewissen Status hast, eine gute Wohnung, ein Auto, … das musst du erst einmal aufgeben und wieder bei Null anfangen. Bei Neuem ist natürlich immer Risiko dabei, aber mir war das von Anfang an lieber. Ich dachte mir immer: „Wenn ich scheitere … meinetwegen. Aber ich kann zumindest mein Leben lang sagen, ich habe versucht, meinen Traum zu verwirklichen.“ Deswegen ich muss ich mich austoben, einen Bürojob kann ich später immer noch machen.

Gab es auch Erfahrungen, auf die Sie gerne verzichtet hätten?

Es waren natürlich auch viele Scheißjobs dabei, aber du lernst überall unheimlich viel. Ich bin einen Sommer lang bei Hofer an der Kassa gesessen. Gut bezahlt, aber ein Knochenjob. Damals gab es dort gar keine Barcodes, die Ziffernkombination hunderter verschiedener Artikel musstest du im Kopf haben und händisch eintippen können – und das schnell. Dort lernst du auch, das Wechselgeld schon parat zu haben, noch bevor der Kunde den Schein zückt. Es war total interessant, dort einmal hineinzublicken. 

„Wenn ich scheitere … meinetwegen. Aber ich kann zumindest mein Leben lang sagen, ich habe versucht, meinen Traum zu verwirklichen.“
Karl-Martin Pold

Und wie wurde ein Filmemacher aus Ihnen?

Das ist mir, wie vieles, mehr oder weniger zugeflogen. Für meine Diplomarbeit des Studiums „Journalismus und Unternehmenskommunikation“ habe ich den Trailer zu einem fiktiven Dokumentarfilm über Bud Spencer gedreht. Parallel habe ich über einen Blog Recherchematerial dazu gesucht. Ich bekam Zusendungen aus der ganzen Welt - auch Fans aus Südafrika oder Japan meldeten sich bei mir. Und sie wollten unbedingt wissen, wann der Film erscheinen würde. Dass es einen solchen gar nicht gab, verstanden sie zunächst nicht. Das zeigte mir, dass es hier ein riesiges Potenzial gab. 

Das war 2009. Warum dauerte es so lange, bis der Film Realität wurde?

Das fing damit an, dass es zwei Jahre dauerte, bis ich Carlo Pedersoli persönlich treffen konnte. Pressestelle? Internet? Hatte er alles nicht. Ich musste ein Fax an seine Sekretärin schicken. Eine nette Dame, die ihn 40 Jahre lang wie eine Glucke beschützte. Und dann war da die Problematik mit der Filmförderung. Die wurde mir in Österreich verwehrt – sechs Mal!

Nach zwei Jahren kam es endlich zum ersten Interview mit Bud Spencer.

© Youtube // budspencermovieTV

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Das klingt recht entmutigend.

Allerdings. Für jede Einreichung musst du etwas verändern und überarbeiten - und immer wieder kam ein Nein. Das kostete enorm Zeit, die ich nicht hatte. Buds Weggefährten sind auch schon alle um die 80 Jahre alt, da konnte ich mit Interviews nicht jahrelang zuwarten. In Österreich wurde ich so oft abgelehnt, dass ich den Film gar nicht mehr zur Förderung einreichen konnte. Und so wurde ein österreichischer Film letztlich – dank meiner Produktionsfirma Epo Film - in Deutschland gefördert. Aber es bringt jetzt nichts mehr, darüber zu jammern. Am Ende ist ja alles gut geworden.

„Durch das Herzblut der Fans, die mich ständig unterstützt haben, habe ich durchgehalten.“
Karl-Martin Pold

Haben Sie daran gedacht aufzugeben?

Es gab natürlich schwierigere Zeiten. Wenn du enorm viel Energie in das Projekt steckst und immer wieder abgelehnt wirst, ist das hart. Manchmal habe ich mit dem Gedanken gespielt, hinzuschmeißen, aber ich habe weitergemacht und täglich etwas auf Facebook gepostet, um die Fans bei Laune zu halten. Klar waren die irgendwann auch genervt, wenn du jedes Jahr den Film ankündigst und dann passiert nichts. Aber die meisten wissen nicht, was alles hinter so einer Filmproduktion steckt.

Was hat Sie davon abgehalten, hinzuschmeißen?

Das Herzblut der Fans, die mich ständig unterstützt haben. Die haben ja alle kostenlos für mich gearbeitet. Man hat mir die Website zum Projekt programmiert. Dolmetscher, Grafiker, Kameramann – alle haben aus Liebe zu diesem Projekt mitgeholfen. Selbst mein Auto hat mir ein Mechaniker repariert, damit ich weitermachen konnte. Diese Unterstützung hat mich total motiviert. Zur Vorführung des Rohschnitts reiste ein Fan hunderte Kilometer aus Deutschland an. Er meinte, er sei im Nachhinein wirklich sehr froh gewesen, dass er dabei war. Da wusste ich, dass ich etwas richtig gemacht habe. 

Sie sagen, der Film sei keine typische Dokumentation.

Natürlich ist das Leben von Bud Spencer ein wichtiger Part, aber es geht auch darum, warum diese Filme noch immer so beliebt sind. Es geht um Fans und die Fankultur um Bud Spencer und um die Bedeutung der Filme, die nicht einfach nur plumper, billiger Klamauk waren, wie die Kritiker damals meinten. Bud und Terence nahmen viele Anleihen bei ihren großen Vorbildern Laurel und Hardy. Viele der Gags funktionierten nur durch diese beiden konträren Rollenbilder. Ein weiterer Erfolgsfaktor der Filme liegt in der Synchronisation. Buds Kultstatus im deutschsprachigen Raum hat maßgeblich mit Rainer Brandt zu tun, der die deutschen Dialoge der Filme schrieb. Sein Schnodderdeutsch brachte eine völlig neue Humorebene in die Filme, die im italienischen Original deutlich weniger komisch sind – und mit etwa 30 Prozent weniger Text auskommen. 

Und es ist eine Geschichte über zwei Freunde.

Die beiden Protagonisten Marcus Zölle und Jorgo Papasoglou sind riesige Bud-Spencer-Fans und machen sich gemeinsam auf einen Roadtrip mit dem Ziel, ihr Idol zu treffen – doch sie kommen einfach nicht an Bud heran. Die beiden kannten sich davor nicht, aber es war unglaublich schön zu sehen, wie sie zusammengewachsen sind und sich eine innige Freundschaft entwickelt hat.

Der Trailer zum Film, der keine klassische Dokumentation ist.

© Youtube // budspencermovie

Was erwarten Sie sich von Ihrem Film?

Ich hoffe, dass nicht nur Bud-Fans ihn sich ansehen werden, denn der Film ist nicht nur für sie. Ich habe bewusst Leute zur Vorstellung des Rohschnitts eingeladen, die keine ausgesprochenen Fans seiner Filme waren und es war interessant zu sehen, dass sie ebenfalls gerührt waren. Die Geschichte der beiden Protagonisten hat sie emotional berührt. Für Filmemacher gibt es nichts Besseres als Leute, die in einer Tour lachen und am Ende die Taschentücher zücken. Das ist es, was Kino soll: Emotionen auslösen.

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