Robot Rock

Kurv Guitar: Die smarte Gitarre der Zukunft

Illustration: mark thomas

Sieht aus wie eine Luftgitarre, klingt wie eine echte Gitarre, ist keines von beiden. Headbangen zum Sound von Kurv!
Mick Grierson

Mick Grierson, 42

Der Kopf dahinter

Mick Grierson, 42

2013 hatte Grierson, Professor an Londons Goldsmiths-College für bildende Kunst, die Idee für ein „greifbares Interface“, das über einen berührungsempfindlichen Handschuh Musik erzeugt. In Kooperation mit dem britischen Unternehmer Suran Goonatilake, der vorschlug, das Gerät solle wie eine Gitarre aussehen, entstand an nur ­einem Wochenende der erste Prototyp. Kickstarter sei Dank kann man Kurv ab September kaufen.

kurvguitar.com

„Das Griffbrett ist druckempfindlich und verfügt über Bewegungssensoren. Bewege deine Hand für große Gesten!“

© Youtube // Kurv Guitar

Ich hab krasse Luftgitarren-Moves drauf. Kann ich die Kurv spielen?

„Menschen, die noch nie eine Gitarre gespielt haben, kommen mit Kurv schnell klar. Journalisten brachte ich binnen fünf Sekunden ‚Smoke on the Water‘ bei. Und sie spielten es nicht irgendwie, sondern sehr ordentlich.“

Also eine Gitarre minus ­tatsächlicher Gitarre?

„Kurv ist von der Gitarre inspiriert, klingt so und wird auch so bedient. Der Unterschied: Im Inneren erfassen Sensoren, wie man seine Hände nutzt – etwa wie Finger über das Instrument streichen oder welche Emotion in der Härte des Griffs liegt. Dinge, die eine herkömmliche Gitarre nicht so leicht transportiert.“

… also ein, äh, fühlendes Musikinstrument?

„Maschinen werden immer besser darin, uns Menschen zu verstehen. Sagen wir, ich mache mit dem ­Plektrum die Pete-Townshend-Windmühle. Kurv erkennt, was ich tue, und reproduziert den Sound der Pete-Townshend-Windmühle. Es gibt Musik-Systeme, die eine Wii-Remote oder ein iPhone verwenden, aber sie sind nicht intelligent. Kurv ist das schon.“

„Das Plektrum von Kurv ist ein wenig größer als ein ­gewöhnliches Plektrum. Wir wollen es aber noch kleiner machen.“

Kann es Musik erfinden?

„Man kann unsere Technologie mit Drumbreaks füttern, und das System erzeugt daraus einen komplett neuen. Kennst du den ‚Amen Break‘? (Der Standard-Beat in Jungle und Drum ’n’ Bass, Anm.) Trainiere Kurv auf den Beat, und es wird ihn perfekt wiedergeben. Trainiere ihn auf tausend Drumbeats, und es erzeugt ­einen neuen, der genau so klingt wie die Musik, die du dir angehört hast.“

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Kurv Guitar added 17 new photos to the album: Kurv Guitar.

Wird Kurv Musiker irgendwann überflüssig machen?

„Es geht nicht darum, Menschen zu ersetzen. Wir möchten, dass Kurv Leute dabei unterstützt, Kunst zu machen. Wenn man sagt: ‚Gib mir etwas, das sich etwa so anhört‘, sendet Kurv die Info zum Smartphone, und solange man damit einverstanden ist, wird sie mit uns geteilt. Wir lernen, wie Leute Gitarre spielen. Und trainieren das System, um Sounds zu erstellen, die auf ihren Bewegungen basieren. Man wird also Teil eines massiven Crowd-Wörterbuchs der Gesten.“

Was kommt als Nächstes? Cyborg-Bands mit unsichtbaren Instrumenten vor ­einer Virtual-Reality-Crowd?

„Faszinierend, aber mich interessiert das Zusammenspiel der Leute in einer Garage, die mittels Sensoren neue Musik erschaffen. Dabei kann Kurv ­helfen. Meiner Meinung nach hat Kurv eine gesellschaftliche Auswirkung!“

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06 2016 The Red Bulletin

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