Michael Hollauf und Till Vollmer von Meisterlabs

MeisterLabs-CEO Michael Hollauf: „Perfektionismus ist oft hinderlich“

Interview: Christoph Kristandl
Foto: MeisterLabs

Michael Hollauf ist Co-Founder und CEO von MeisterLabs. Mit dem Wiener Software-Unternehmen ist er international erfolgreich. Eine Sache würde er rückblickend dennoch anders machen.

Wenn man die angesehensten Universitäten der Welt und riesige Konzerne zu seinen Kunden zählen darf, dann muss man einiges richtig gemacht haben. MeisterLabs kann sich genau das auf die Fahnen schreiben. 

Das im Jahr 2006 von Michael Hollauf (li.) und Till Vollmer (r.) gegründete Software-Unternehmen ist mit seinem Online-Mindmap-Tool „MindMeister“ sowie „MeisterTask“, ein intuitives Multiplattform-Kollaborationstool, am Weltmarkt höchst erfolgreich. Mehr als sechs Millionen Menschen quer über den Globus nutzen die Produkte, um Brainstorms und visuelle Pläne in Projekte umzuwandeln.

Wir haben mit Michael Hollauf darüber gesprochen, 

  • wie man die Welt erobert
  • warum Perfektion hinderlich sein kann
  • was er rückblickend anders machen würde
  • was hinter Mind Mapping steckt
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THE RED BULLETIN INNOVATOR: Wie erobert man von Österreich aus die Welt?

MICHAEL HOLLAUF: Wir haben ursprünglich zwar in Deutschland gegründet, aber unser zentrales Büro haben wir in Wien etabliert. Die Stadt - Wien wird ja seit Jahren zur lebenswertesten Metropole der Welt gewählt - zusammen mit Zugriff auf hervorragende technische Ressourcen, auch aus dem Osten Europas, macht den Produktionsstandort sehr attraktiv. Das Internet tut das Übrige im Niederbrechen der geografischen Grenzen. Es ist heutzutage völlig egal, wo eine SaaS-Firma (Software as a Service, Anm.) ihren Standort hat, solange die Online-Präsenz - und das Mindset - englisch bzw. internationalisiert ist.

Mind Mapping

Mind Mapping ist eine Methode zur grafischen Darstellung von Themen, Ideen, Fragen und Problemen.

Durch ihre zweidimensionale Struktur und die Verbindung von Text und visuellen Elementen eignet es sich besonders gut zum gemeinsamen Brainstormen, für Notizen und die Planung von Projekten. 

Und wie kommt man an solch renommierte Kunden wie EA, CNN oder die Universitäten Stanford, Harvard und Johns Hopkins

Eigentlich nur durch Mundpropaganda. Wir haben so gut wie keinen Direktvertrieb, lediglich einige geografische Partner in verschiedenen Ländern, die vor allem im Education-Bereich hilfreich sind. Ansonsten finden uns die Leute über Google oder Empfehlungen. Und es ist erstaunlich; viele gute Organisationen verwenden Mind Mapping. Darum sind sie wahrscheinlich so gut. (lacht)

In welchen Bereichen setzen Sie persönlich Mind Mapping ein?

Ich verwende es vornehmlich zur Produktplanung und im Meeting Management, jede Woche. Zusammen mit Task Management ist es die perfekte Kombination. Zunächst kann man der Kreativität freien Lauf lassen, dann die daraus resultierenden Aufgaben in das strukturierte Task Management überführen.

Was ist das Geheimnis von Mind Mapping? 

Mindmaps haben viele Vorteile gegenüber linearen Textdokumenten. Sie bieten eine bessere Übersicht über ein Problem und zeigen auf einen Blick, wie einzelne Elemente zusammenhängen. Das Erstellen einer Mindmap regt außerdem den Gedankenfluss an und hilft bei der kreativen Ideenfindung. 

Und was ist das Besondere an Ihren Produkten? Was macht sie erfolgreicher als die vielen Konkurrenten? 

Der Erfolg von MindMeister beruht zum einen auf seinem intuitiven User-Interface, für das wir auch mehrmals ausgezeichnet wurden, und zum anderen auf seinen vielfältigen kollaborativen Funktionen, die es Benutzern ermöglichen, gemeinsam in Echtzeit an Mindmaps zu arbeiten. Vor allem Simplizität und ansprechendes Design sind es, das wir bei all unseren Produkten und Features an oberste Stelle setzen. Bei MeisterTasks basiert der Erfolg nicht auf einer bahnbrechenden neuen Erfindung, sondern auf der Perfektionierung eines bereits weit bekannten Konzepts und der Kombination von Funktionen aus verschiedenen Bereichen - das, was Google “combinatorial innovation” nennt. Firmen wählen MeisterTask, weil das Tool ebenso simpel und elegant wie leistungsstark ist, und die Arbeit im Team somit nicht nur effizienter ist, sondern richtig Spaß macht.

© Youtube // MindMeister

Seit der Gründung von MeisterLabs sind rund zehn Jahre vergangen. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?  

Vieles ist schwer auf den Punkt zu bringen, es braucht einfach Erfahrung, wie mit Dingen umzugehen ist. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich früher auf neue Mitbewerber reagiert habe. Wenn beispielsweise ein neues Online-Mind-Mapping-Tool gelauncht wurde, war ich am Boden zerstört. Ich dachte mir: „Mann ist das toll, wir haben keine Chance …“ Mit der Zeit lernt man aber, dass andere auch nur mit Wasser kochen und das eigene Tool gar nicht so schlecht ist, wie man denkt, denn von innen sieht man oft nur die Schwächen. Heutzutage bin ich da viel ruhiger.

Man lernt auch, andere Menschen mehr zu schätzen und deren Fehler zu tolerieren, weil man merkt, dass man selbst viele Fehler hat, die von ihnen toleriert werden.

Apropos Fehler: Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Ich würde früher mit dem zweiten Produkt starten bzw. auch schneller ein, zwei andere ausprobieren. Mit weniger Aufwand schnell ein MVP (Minimum Viable Product, Anm.) rausbringen und mir weniger Gedanken um den perfekten Launch einer perfekten App machen.

Man darf sich also nicht vom eigenen Perfektionismus bremsen lassen?  

Ja, das würde ich sagen. Es wird viel geredet über den „Lean Approach“ (Ansatz der schlanken Produktion, Anm.) und MVPs, aber den richtigen Mittelweg zu finden, ist wirklich schwer, denn eine gewisse Qualität muss ein Produkt heutzutage schon haben. Sonst löschen die Leute es gleich wieder und geben im App Store eine negative Bewertung ab. Aber man muss beim Launch noch lange nicht „Feature Complete“ sein. Wichtig ist es, dass das Tool genug kann, um dem User einen “Aha-Moment” zu verschaffen, in dem er den Mehrwert für sich sofort erkennt. Perfektionismus ist gut, aber in der Anfangsphase oft hinderlich.

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12 2016 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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