Mr. Trash Wheel - Baltimores süßer Müllschlucker

„Mr. Trash Wheel“- Baltimores Antwort auf verschmutzte Gewässer

Foto: Instagram/healthyharborbaltimore

Ein süßer Müllschlucker erobert die Herzen der Bevölkerung von Baltimore. Die geniale Erfindung von John Kellett könnte auch zum Exportschlager werden.  

Es gibt Ideen, bei denen man sich wünscht, jemand hätte sie schon viel früher gehabt, so wie jene von John Kellett. Jahrelang sah der Ingenieur und Segler, wie Müll den Hafen von Baltimore verschmutzte. Seine Lösung, „Mr. Trash Wheel“ – ist heute eine absolute Erfolgsgeschichte, fischte seit 2014 rund 500 Tonnen Abfall aus dem Wasser und hat seinen eigenen Twitter-Account. Kürzlich erhielt die Konstruktion eine kleine Schwester – und bald könnte sie auch zum Exportschlager werden.

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Mr. Trash Wheel verfügt über ein Wasserrad, das von der Strömung des Jones Falls River angetrieben wird. Dieses treibt eine Gabelkonstruktion samt Förderband an, über die der angeschwemmte Müll aus dem Wasser in einen Container befördert wird. Zusätzliche Solarpanele sorgen dafür, dass das System auch bei geringer Strömung funktioniert.

2008 ließ Kellett seinen ersten Prototyp zu Wasser, erkannte aber bald, dass er für die Umsetzung seines Projekts Unterstützung brauchte. Diese fand er in der Waterfront Patrnerhsip of Baltimore, einer lokalen Non-Profit-Organisation. Sie half ihm bei der Finanzierung und sorgte dafür, dass Mr. Trash Wheel im Mai 2014 sein offizielles Debüt feiern konnte.

© Youtube // NBC News

Da Kellett den aus dem Wasser gefilterten Müll genau überwacht, kamen in Mr. Trash Wheels bisherigen Dienstjahren einige beeindruckende Zahlen zusammen. Er befreite den Hafen u.a. von …

  • 372 650 Plastikflaschen
  • 6 478 Glasflaschen
  • 257 337 Einkaufssackerl
  • 8 965 699 Zigarettenstummeln

Aufstieg zum Twitter-Star

​Bei den Bürgern von Baltimore fand Mr. Trash Wheel großen Anklang, vor allem, seit man dem Müllschlucker im Zuge einer Kampagne Augen und einen eigenen Social-Media-Auftritt verpasste. Erfinder Kellett sieht dies nicht nur positiv, denn seiner Meinung nach führe es manchmal dazu, dass die Leute Mr. Trash Wheel nicht ernst nehmen und ihn für eine Skulptur halten würden.

Insgesamt überwiegt aber der Effekt, dass sich mehr Menschen für das Problem der Wasserverschmutzung interessieren. Über 10.000 Follower konnte Mr. Trash Wheel mittlerweile auf seinem Twitter-Account von sich begeistern.

Mr. Trash Wheel on Twitter

Did I mention I now have a beer named after me? Unlike Ozzy, I'm pretty proud of it: https://t.co/0OXWM60HlL

Die breite Aufmerksamkeit half auch dabei, die Finanzierung von „Professor Trash Wheel“ zu ermöglichen. 600 Gruppen und Einzelpersonen unterstützten die kleine Schwester des Originals, die seit Dezember 2016 in einem anderen Teil des Hafens für sauberes Wasser sorgt. Natürlich ist auch sie auf Twitter vertreten.

In Baltimore hätte man gerne noch ein wenig Zuwachs in der Familie. Kellett, der mittlerweile mit einem Unternehmen zusammenarbeitet, um seine Trash Wheels zu bauen, nimmt aber auch bereits andere Regionen ins Auge. So verschaffte er sich etwa einen Überblick über die Gegebenheiten in Honolulu, Milwaukee, Atlanta, Denver, Lombok, Panama City und Rio de Janeiro. Zudem gibt es Interessenten, die seine Technologie auch für die Reinigung der Meere adaptieren wollen.

„Ich dachte ja, wir hätten uns mit dem Hafen hier schon ein ambitioniertes Ziel gesetzt, aber jetzt reden die Leute davon, den Ozean damit zu säubern“, zeigt sich Kellett bei National Geographic von der Tragweite seiner Idee überrascht. Wenngleich er meint: „Ich denke, die effektivste Lösung wäre, den Müll einzufangen, bevor er dorthin gelangt.“

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