Nate Spendenapp

„natehelps“: Die App, die dich ohne eigenes Geld zum Spender macht

Text: Christoph Kristandl
Bilder: nate

Das Münchner Startup „nate“ verwandelt mit seiner App Werbegeld in Spenden. Du kannst mithelfen und Projekte unterstützen, ohne einen Cent deines eigenen Geldes zu investieren.

Werbung ist nicht gerade äußerst beliebt, schon gar nicht, wenn sie auf dem Handybildschirm aufpoppt. Was aber, wenn es sich um Werbung handeln würde, die einen interessiert und mit der man etwas Gutes tun kann? Genau das ist die Idee hinter natehelps.

Die App spielt Werbung auf das Smartphone, die beim Entsperren des Bildschirms angezeigt wird. Pro Werbebotschaft werden im Namen des Users, je nach aktuellem Werbepreis, zwischen ein und zwei Cent an eine gemeinnützige Organisation oder Aktion gespendet. Das Geld kommt dabei von den Unternehmen, die die Werbung schalten.

Bei statistisch gesehen 40 bis 100 Entsperrungen pro Tag kommt da einiges zusammen. Bei ausreichend Werbepartnern kann jemand der zehn Werbungen am Tag sieht, mindestens drei Euro im Monat oder 36 Euro im Jahr spenden. Bei höheren Werbepreisen oder mehr Werbung pro Tag gehen die Werte entsprechend nach oben.

© nate I natehelps // Vimeo

„Die Spenden sind ausdrücklich Spenden der User, die Werbepartner kaufen ganz ‚normal‘ ihre Werbefläche und nate leitet das Werbegeld im Auftrag der User an die Sozialprojekten weiter. Wir agieren im Auftrag der Nutzer und machen das auch immer bei den bespendeten Organisationen deutlich“, erklärt Hubert Eiter, Geschäftsführer und einer der Gründer von nate, das sich selbst als „Team aus Optimisten und Sozialunternehmern, die daran glauben, dass wir gemeinsam die Welt ein Stückchen besser machen können“ beschreibt.

natehelps App Startup

Für welches Projekt gespendet werden soll, kann vom User ebenso selbst entschieden werden, wie die Anzahl der Anzeigen. Wichtig: Geld fließt, sobald die Werbung erscheint. Ein Anklicken ist naturgemäß das Ziel, für die Spende aber nicht relevant. Mit einem Wisch über den Bildschirm verschwindet die Werbung wieder.

Zur Auswahl stehen rund 5.000 auf der Plattform betterplace.org gelistete und auf Qualitätskriterien geprüfte Organisationen bzw. Projekte. Zudem können weitere potenzielle Empfänger nominiert und eigene Aktionen eingereicht werden.

Im zweiten Quartal 2016 wurden insgesamt 400 Projekte mit knapp 8.000 Euro bespendet. Insgesamt konnte natehelps bereits über 24.000 Euro an Werbegeldern in Spenden verwandeln.

Durch die Angabe der persönlichen Präferenzen werden die Anzeigen dem User angepasst. Für die Unternehmen ergibt sich daraus zielgenaue Werbung ohne große Streuverluste, die zudem das Image positiv beeinflusst. Ein gutes Dutzend arbeitet bereits mit nate zusammen, darunter etwa die EUROPA Versicherung, BIO HOTELS und Red Bull.

Wenn Werbung von Unternehmen direkt gebucht wird, können 80% des Werbeumsatzes gespendet werden. Bei dazwischengeschalteten Vermarktern oder Agenturen muss deren Provision abgezogen werden, was den Spendenbetrag etwas mindert.

„Im Durchschnitt gehen derzeit 76 Prozent des Werbeumsatzes an die Organisationen. Der Rest wird für unsere Betriebsausgaben aufgewandt“, erklärt Eiter. 

Aktuell ist das 2015 gestartet Startup auf der Suche nach Geldgebern, um die Anschlussfinanzierung sichern und natehelps weiter betreiben zu können.

„Durch unsere Positionierung als Social Business sind viele Investoren von vornherein abgeneigt, obwohl wir ein echtes ‚Business‘ sind und auch eine positive Rendite erzielen. Dass dabei das investierte Geld nicht Gefahr läuft, der klassischen Burn-Rate zum Opfer zu fallen, sondern in jedem Fall damit Spenden für viele hunderte Organisationen generiert werden, ist eigentlich sogar ein zusätzlicher ein Pluspunkt“, schildert Eiter und appelliert:

„Alle Investoren, die ihr Geld doppelt wirken lassen wollen - für sich selbst und für die vielen sozialen Organisationen, die davon profitieren -, sind daher gebeten, ihr Herz in die Hand zu nehmen und diese mentale Schranke abzulegen. Wir selbst und ein Team von Business Angels haben das bereits getan, aber wir brauchen noch die eine helfende Hand, um unser Modell wirklich skalieren und weiter betreiben zu können.“ 

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