Manu Prakash, Stanford University, mit seiner Paperfuge

Eine Blut-Zentrifuge für 20 Cent - Manu Prakashs nächster Coup 

Foto: Linda Cicero/Stanford University

Manu Prakash hat sich auf die Entwicklung von wissenschaftlichen Geräten für benachteiligte Gebiete spezialisiert. Seine neueste Innovation: Eine günstige Blutzentrifuge, die keine Elekrizität benötigt.

Man nehme ein Kinderspielzeug und rette damit die Welt. Etwas überspitzt, aber in etwa dieses Prinzip verfolgt Manu Prakash. Seine Idee hat das Potenzial, Bluttests und damit Diagnosen in armen Ländern und Regionen ohne Elektrizität zu revolutionieren, denn sie ist handbetrieben und kostet nur 20 Cent.

Erfahre, …

  • wie die Zentrifuge funktioniert
  • woraus sie besteht
  • welchen Traum Prakash verfolgt
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Fädle eine Schlaufe Garn durch die beiden Löcher eines Knopfes, nimm die beiden Enden der Schlaufe und zieh rhythmisch daran. Während sich der Garn auf- und abspult, dreht sich der Knopf mit ungeheurer Geschwindigkeit. Ein altes Spielzeug, das Whirligig (zu Deutsch Wirbel, Anm.) genannt wird und das enormes Potenzial für die Medizin birgt.

Manu Prakash, Professor für Biotechnik an der Stanford University, und sein Team erkannten das. Sie ließen sich von dieser simplen Konstruktion inspirieren, analysierten die Physik dahinter genauestens und setzten es neu um. Das Ergebnis: Die „Paperfuge“.

© Youtube // Stanford

Die handbetriebene Zentrifuge besteht aus Papier, Garn und ein bisschen Plastik. Sie rotiert mit bis zu 125.000 Umdrehungen pro Minute und erzeugt Zentrifugalkräfte von bis zu 30.000 G.

„Soweit ich weiß, ist es das sich am schnellsten drehende Objekt, das von menschlicher Kraft betrieben wird“, meint Prakash.

Manu Prakash, Stanford University

Manu Prakash mit einer seiner weiteren Erfindungen, dem „Foldscope“.

© Kristie Newby/Stanford University

Dadurch kann die Paperfuge Blut in nur 1:30 Minuten in seine Bestandteile trennen und das ist notwendig, um Krankheiten wie Malaria, HIV oder Tuberkulose zu erkennen. Diese günstige Version ermöglicht präzise Diagnosen auch in armen, abgelegenen Regionen, wo solche Krankheiten besonders große Probleme sind.

Prakash, der sich bereits davor auf die Entwicklung von kostengünstigen Dignose-Tools für benachteiligte Gebiete spezialisiert hat, erkannte den Bedarf bei einem Besuch in einem Landspital in Uganda. Dort wurde eine teure Zentrifuge als Türstopper verwendet. Ob der fehlenden Elektrizität war das der größte Nutzen, den die Menschen daraus ziehen konnten.

„Es gibt mehr als eine Milliarde Menschen rund um den Globus, die keinen Zugang zu Infrastruktur, Straßen und Elektrizität haben. Wenn wir kritische Probleme wie die Diagnose von Malaria lösen wollen, brauchen wir also eine handbetriebene Zentrifuge, die weniger kostet als eine Tasse Kaffee“, weiß Prakash.

Paperfuge ist nicht die erste derartige Innovation des von Prakash geleiteten Labors. Mit „Foldscope“ kreierte er bereits ein Papier-Mikroskop, das weniger als einen US-Dollar kostet und auch ein programmierbares Kinder-Chemie-Set für unter 5 US-Dollar, mit dem präzise chemische Analysen durchgeführt werden können.

Mit seinen Tools verfolgt Prakash den Traum, Hilfskräften, Feldökologen und Kindern die Möglichkeit zu geben, stets ein ganzes Labor in der Tasche zu haben.

„Bei unserer Arbeit geht es darum, wissenschaftliche Geräte zu demokratisieren, um sie hinaus zu den Menschen auf der ganzen Welt zu tragen“, sagt er und hat dabei vermutlich schon die nächste Low-Cost-Innovation im Hinterkopf.

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01 2017 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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