Mobile Visionär Ralph Simon

Ralph Simon verrät das Geheimnis eines Visionärs

Interview: Andrew Swann/Christoph Kristandl
Foto: ITU Pictures/Flickr

Ralph Simon erkannte lange vor jedem anderen, dass Handys unsere primären Social- und Entertainment-Tools werden. Und in den 1990er Jahren war er es, der uns die Welt der Klingeltöne eröffnete. Der Visionär erklärt, wie er es schafft, stets seiner Zeit voraus zu sein.

„Mobiltelefone werden beim vermehrt mobilen Lebensstil der Konsumenten zum unverzichtbaren Begleiter im Bereich der sozialen Kontakte und der Musik werden.“ Das prophezeite Ralph Simon im Jahre 1997.

Damit lag der Engländer aus heutiger Sicht ganz gut, aber dies war nur eine von vielen brillanten Ideen des sogenannten „Vater des Klingeltons“.

Simon machte sich in der vergangenen Dekade einen Namen als Mobile-Visionär, Vorreiter und Innovator. Und er half maßgeblich mit, die weltweite mobile und drahtlose Entertainment-Branche aufzubauen.

Im Rahmen des Pioneers Festivals in Wien enthüllte Simon The Red Bulletin Innovator das Geheimnis hinter seiner Gabe, die Zukunft zu sehen, Jahre bevor sie Realität wird.

THE RED BULLETIN: Sie sind bekannt für Ihre Vorhersagen. Was müssen wir tun, um genauso visionär sein zu können wie Sie?

RALPH SIMON: Du musst viel lesen. Aber das Wichtigste für mich war, eine Menge Zeit im Ausland zu verbringen. Ich bin in Afrika groß geworden und dort ist man es gewohnt sich anzusehen, was anderswo passiert. Auch in Australien und Europa denken die Menschen so. Ich habe eine lange Zeit in Amerika verbracht und ich konnte die Einstellung der Amerikaner nie verstehen. Manchmal sagt man dort, die Welt beginnt am JFK in New York und endet am LAX in Los Angeles. Es ist wichtig, ein Bewusstsein für internationale Trends zu haben, viel zu lesen und sich viele TED Talks anzusehen. Und denke niemals „ah, du kannst es nur im Silicon Valley schaffen“. Das ist Blödsinn. Ich habe auf der ganzen Welt unglaublich kluge Menschen mit großartigen Ideen gesehen. International zu sein ist also das Wichtigste.

Ralph Simon - Fakten

- 1977 gründete Simon gemeinsam mit Clive Calder die Zomba Label Group, die später Musiker wie New Kids on the Block, die Backstreet Boys, *NSYNC, Britney Spears und Janet Jackson betreute. Heute ist Zomba Teil von Sony Music Entertainment.

- Mit dem Startup Yourmobile (später in Moviso umbenannt) etablierte Simon 1997 das erste kommerzielle Klingelton-Unternehmen in Amerika, Europa, Australien und Afrika.

- Als Mobile Producer betreute er Events wie Live 8 und Live Earth.  

Wie konnten Sie schon so früh das enorme Potenzial von Mobiltelefonen erkennen?

Ich habe früher als Musikverleger für AC/DC, die Scorpions und einige Heavy Metal-Bands gearbeitet. Damals war ich es gewohnt, darauf zu achten, welche T-Shirts die jungen Leute bei großen Gigs trugen. So erkennt man Trends. Im Mobile-Sektor waren Japan und Korea dem Rest der Welt immer voraus, deswegen habe ich mir den dortigen Markt angesehen und beobachtet, was die jungen Leute machten. Es ist, wie wenn du auf ein Festival gehst und dir die DJs ansiehst. Es gibt tausende, aber du musst herausfinden, warum ausgerechnet David Guetta oder Avicii so groß sind. Du musst offen für neue Ideen und Denkweisen sein.

© Pioneers Festival // Youtube

Klicken zum Weiterlesen

Wie kamen Sie auf die Idee, mit Klingeltönen Geld zu verdienen?

In Helsinki traf ich einen jungen Mann, aus dessen Handy ein sehr grobes, nach Computer-Sound klingendes Stück Musik kam. Er hatte es für eine finnische Telefongesellschaft produziert. Und warum hat er das getan? Eines Nachts betrank er sich mächtig und am nächsten Morgen wachte er unter den Klängen seines Nokia-Alarms auf. Er sagte, das hätte sich angefühlt, als hätten 1000 Zahnärzte in seinem Kopf herumgebohrt. Daher wollte er diesen Sound durch Musik ersetzen.

Ralph Simon - Dateline: Salzburg, Austria l. to r. Bibop... | Facebook

Dateline: Salzburg, Austria l. to r. Bibop Gresta, founder & super visionary of Hyperloop Technologies, & Mobilium Global CEO, Ralph Simon at Red...

Sagen Sie uns doch bitte: Welche großen Innovationen können wir in den nächsten Jahren erwarten?

In den letzten 18 Monaten war Virtual Reality ein großes Thema und es gab einige bemerkenswerte Entwicklungen auf diesem Gebiet. Jetzt geht es darum, die zwei großen Fragen zu beantworten: Wie können wir VR nutzen, ohne eine Box auf dem Kopf tragen zu müssen und wie können wir VR nutzen, wenn wir uns in einer Gruppe befinden? Beim Besuch eines Clubs oder eines Festivals geht es beispielsweise immer um das gemeinsame Erlebnis mit all den anderen Menschen. Das muss man versuchen zu transportieren.

Das zweite spannende Thema ist exponentielle Medizin, die nach neuen technischen Ansätzen sucht. Eine Kategorie nennt sich „Insideables“. Dabei befindet sich in einer Tablette ein winziger Sender. Nachdem man die Tablette geschluckt hat, werden beispielsweise Informationen über die Magensäfte auf ein Smartphone, an die Krankenschwester oder den Arzt gesendet. Es gibt Unternehmen im Silicon Valley und auch in Europa, die sich damit beschäftigen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Vielzahl an wirklich coolen Ideen, die in Ländern entwickelt werden, an die man nicht denken würde. Die Slowakei beispielsweise, wo man am ersten fliegenden Auto arbeitet. Es gibt dutzende von jungen Menschen mit fantastischen Ideen, speziell in Mitteleuropa, die nach jemandem suchen, der sie führt und anleitet. Und der sie natürlich finanziert. Die Szene hier entwickelt sich, aber man ist noch nicht so weit wie in Israel, dem Silicon Valley, New York oder London.

Klicken zum Weiterlesen
07 2016 THE RED BULLETIN INNOVATOR

Nächste Story