Y-Titty-Star Oguz Yilmaz im Interview

Oguz Yilmaz: Vom Y-Titty-Star zum Marketing-Buch-Autor

Interview: Christoph Kristandl
Foto: Fabian Stürtz

YouTube machte Oguz Yilmaz berühmt. Nach dem Ende von Y-Titty ist der 25-Jährige Berater für Social Web und hat ein Marketing-Buch veröffentlicht. 

Über 1000 Videos, über drei Millionen Abonnenten, rund eine Milliarde Aufrufe – die Jungs von Y-Titty entdeckten das Potenzial von YouTube, als das Internetportal im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen steckte. Das Trio zog die junge Zielgruppe in ihren Bann und gab damit so manchem Fernseh-Sender Rätsel auf. Y-Titty traf den Nerv der Zeit.

Seit Dezember 2015 widmen sich die Drei neuen Herausforderungen. Im Falle von Oguz Yilmaz bedeutet das, sein Wissen weiterzugeben. Der Oberpfälzer, der sich im Alter von 16 Jahren „PR-Manager von Y-Titty“ nannte, hat die digitale Kreativagentur whylder gegründet und veröffentlichte gemeinsam mit Professor Marc Oliver Opresnik das Buch „Die Geheimnisse erfolgreichen YouTube-Marketings“.

The Red Bulletin Innovator traf Yilmaz im Rahmen des Fifteen Seconds Festivals in Graz und sprach mit ihm über …

  • die Entwicklung der YouTube-Szene
  • das Erfolgsrezept von Y-Titty
  • sein Learning aus der Zusammenarbeit mit Konzernen
  • seine eigene Agentur und sein neues Buch
  • seine Zukunft und Ziele

THE RED BULLETIN INNOVATOR: Sie waren YouTuber der ersten Stunde. Wie sehen Sie heute die Entwicklung der Szene?

OGUZ YILMAZ: Sie hat sich ganz klar professionalisiert, es ist nicht mehr „Wilder Westen“. Als wir angefangen haben, wusste keiner, wie man YouTube wirklich professionell nutzen kann, was die nächsten Schritte sein würden und wie man etwas Skalierbares im Social Web machen kann. Vor allem in den letzten vier Jahren ging da aber richtig viel weiter. YouTube ist im Mainstream angekommen und die Szene hat sich zu einer professionellen Branche entwickelt. Nicht nur durch den Eintritt großer Player, sondern auch durch die persönliche Entwicklung der einzelnen YouTuber gibt es immer wertigeren Content.

Y-Titty

Mitglieder: Philipp Laude, Matthias Roll, Oguz Yilmaz

YouTube-Channels: YTITTY, Die Jungs

Musik: Stricksocken Swagger (Nummer 1 der Album-Charts in Österreich, Nummer 3 in Deutschland, Nummer 9 in der Schweiz). Mehrere Singles, darunter Halt dein Maul (Top10 in Österreich, Deutschland und der Schweiz).

Bücher: NICHT-BUCH, Das Buch YOLO

Was war damals die Motivation YouTube-Videos zu drehen?

Wir haben das eigentlich die ersten zwei Jahre nur so vor uns hin gemacht. Wir konnten uns austoben, die beiden anderen Jungs mehr vor der Kamera und ich im Background. Ich habe mich damals ja „PR-Manager von Y-Titty“ genannt, aus heutiger Sicht natürlich völliger Blödsinn. Es war toll zu sehen, dass sich Leute das wirklich angeschaut haben, das hat dem Ego geschmeichelt. Nach dem Abitur haben wir dann Vollgas gegeben, sind innerhalb von zwei Wochen nach Köln gezogen und haben alles auf eine Karte gesetzt. Wir hatten die Chance, das zu tun, was uns Spaß macht. Viele andere haben diese Möglichkeit nicht, deswegen wollten wir das unbedingt versuchen.

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Das Magazin für und über Menschen von morgen, die die Zukunft verändern und verbessern wollen.

Man sieht immer nur die Blödeleien vor der Kamera, aber wie viel Business steckte bei Y-Titty schon dahinter?

Als wir angefangen haben, stand ja noch gar nicht in Aussicht, dass man einmal Geld damit verdienen könnte. Wir haben YouTube anfangs eigentlich so mitgenommen, hatten aber trotzdem noch diesen Gedanken, dass wir irgendwann ins Fernsehen müssen. Wir haben aber gesehen, dass das alles sehr lange dauert, wenn überall Programmchefs drüberschauen müssen – und auf YouTube waren wir unser eigener Boss. Deswegen haben wir uns weiter voll darauf konzentriert. Mit Content, der für unsere Zielgruppe anscheinend besser gepasst hat, als das, was es im Fernsehen zu sehen gab. Die Sender dachten dann, die Leute wollen den Content einfach im Internet sehen und haben ihre Inhalte eins zu eins hochgeladen – so einfach ist es halt aber nicht. Wir waren Pioniere, weil YouTube damals keiner so richtig ernst genommen hat. Da trauten sich nur die Großen, wie etwa EA oder Microsoft, Kooperationen mit YouTubern einzugehen. Mittlerweile machen selbst mittelständische Unternehmen YouTube-Werbung.

© YTITTY // Youtube

Was haben Sie aus Kooperationen mit solchen Weltkonzernen gelernt?

Vor allem, dass man keine Mails mit dem Wortlaut „Y-Titty „schreiben sollte. Die kommen nicht an, weil „titty“ immer noch auf dem Index steht. Eine Kooperation mit einem Konzern ist sogar einmal gescheitert, weil man in der US-Zentrale gesagt hat: „Wir machen nichts mit titty!“ Man sollte sich seine Brand also vorab genau überlegen. Außerdem war alles extrem langsam, weil jeder Konzern seine Agenturen, Vermarkter, etc. hat, die mitreden wollen. Heute hat man mehr Vertrauen in YouTuber. Es wird akzeptiert, dass das alles kleine Kreativagenturen sind, die wissen, was sie tun. Vor drei Jahren wurde einem aber noch gesagt: „Ihr seid Kids. Wir sagen euch, wie ihr eure Videos machen müsst.“ Es hat lange gedauert, bis die Überzeugungsarbeit gefruchtet hat. 

„Man ist immer an verschiedenen Punkten einer Lernkurve und wenn es stagniert, suchst du dir besser etwas Neues.“

Was hat Sie so erfolgreich gemacht, was war das Geheimnis?

Es ist kein Geheimnis. Wir waren einfach dort präsent, wo unsere Zielgruppe war – das war eben YouTube. Wer heute beispielsweise junge Leute erreichen will, sitzt auch nicht vor Facebook, weil man weiß, dass da nicht mehr so viele sind. Es geht aber nicht nur darum, präsent zu sein, sondern auch darum, einen Mehrwert zu bieten. Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten, sich zu präsentieren und eine Relevanz zu haben. Aber es verstehen immer noch zu wenige, dass man auch guten Content liefern und zeigen muss, warum man einer Person oder einer Marke folgen sollte. Die Follower kommen nicht von alleine.

© Fifteen Seconds // Youtube

Sie sprechen es an, das Angebot ist heute enorm. Wie schafft man es trotzdem, aus der Masse herauszustechen?

Du musst die perfekte Plattform finden. Wenn man beispielsweise seine Stärken im Kreativ- oder Inspirations-Bereich hat, ist Pinterest vielleicht eine gute Möglichkeit. Das ist in Deutschland noch nicht so ausgebaut und man hat die Möglichkeit, sich zu positionieren. Für Blogger ist medium.com interessant, das international schon recht groß ist. Journalisten können mit Live-News auf Twitter große Reichweite erzielen. Es gibt für jeden irgendwo eine passende Plattform. Die User haben viele Wünsche, die man über die jeweils richtigen Kanäle am besten bedienen kann. Wir haben die Leute auf Facebook nur abgeholt, aber unser Heimathafen, in dem alles zusammengelaufen ist, war YouTube. Es ist wichtig zu wissen, was die Leute wollen, die du erreichen möchtest und was du ihnen liefern kannst. Da muss man auch ehrlich mit sich sein und das heißt dann in den meisten Fällen, dass man nicht alle Kanäle bedienen kann. 

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whylder Oguz Yilmaz und Lukas Schneider

Das Team von whylder: Oguz Yilmaz und Lukas Schneider

© Fabian Stürtz

Die Plattformen klug zu wählen - ist das einer der Tipps, den Sie den Kunden Ihrer Social Media-Agentur geben?

Ich würde nicht Social Media-Agentur sagen, Social Media macht jeder - oder behauptet es zumindest von sich. Ich würde eher sagen, wir entwickeln allgemein digitale Kommunikationsstrategien für Social Web. Jeder, der einen Twitter-Account hat, meint von sich, er sei Social Media-Experte. So viel Selbstvertrauen habe ich dann doch, zu sagen, da kann ich mehr, weil ich einiges an Erfahrung im Bereich Kreativprozesse gesammelt habe. Wenn jemand zu mir kommt, setzte ich mich mit ihm hin und überlege, was wirklich Sinn macht. Was genau will er eigentlich damit? Ich bin kein Freund davon, dass Leute ihr Geld verschwenden. Das Problem ist, viele Unternehmen versuchen irgendetwas mit YouTube zu machen, ohne eine grundlegende Idee dahinter zu haben. Und wenn es nicht funktioniert, dann ist YouTube schuld, man selbst kann es ja nicht sein. Egal ob großes oder kleines Unternehmen, nicht für jeden ist YouTube das Richtige und nicht für jeden ist Snapchat das Richtige, auch wenn das gerade boomt. 

An wen richten Sie sich?

Agenturen, Marken, Medienhäuser, etc., die teilweise die digitale Transformation etwas verschlafen haben. Manchmal geht es fast schon in Richtung Unternehmensberatung. Es ist immer ganz individuell und daher abwechslungsreich. Ein bisschen nehmen wir uns aber schon das Cherry Picking heraus. Ich habe gelernt, dass ein Produkt nicht gut wird, wenn die Arbeit keinen Spaß macht. Und darunter leidet auch die Reputation, das bringt langfristig nichts. Deswegen machen wir lieber nur die Projekte, die uns Spaß machen und machen die gut. 

Was hat Sie dazu veranlasst, ein Buch über YouTube-Marketing zu schreiben?

Das Problem, das ich bei vielen verschiedenen YouTube-Büchern gesehen habe, ist, dass viele mehr oder weniger das offizielle Playbook von YouTube einfach neu schreiben. Das wollte ich nicht, ich wollte das auf ein nächstes Level heben. Professor Opresnik hat Kontakt zu mir aufgenommen und ich habe das interessant gefunden, denn durch seinen fachlichen Background ist ein populärwissenschaftliches YouTube-Marketing-Buch entstanden, in dem nicht nur steht: „Mach das so!“ Durch Grundzüge des Marketings erklären wir auch, warum man die Dinge so macht. Natürlich kann man nicht alles in ein Buch packen, aber es ist eine gute Grundlage. 

Vor der Kamera zu stehen reizt Sie nicht mehr?

Ich habe das mitgemacht und es war echt toll. Aber man ist immer an verschiedenen Punkten einer Lernkurve. Man lernt etwas, es geht bergauf und irgendwann stagniert es. Ich habe sicher noch nicht alles über YouTube gelernt, aber im Moment sehe ich keinen Anreiz, dass da noch wahnsinnig viel übrig ist. Wenn es stagniert, suchst du dir besser etwas Neues. Jetzt bin ich auf einer neuen Lernkurve und das ist motivierend. Wenn es Sinn ergibt, kann ich mir vorstellen, begleitend wieder etwas vor der Kamera zu machen. Aber nur wenn ich weiß, dass ich dann nicht der 10.000 Entrepreneur-Typ bin, der irgendetwas daherlabert, das es schon gibt – es muss schon Mehrwert haben.

Es gibt verschiedene Bücher über YouTube, aber ...

Es gibt verschiedene Bücher über YouTube, aber noch keins in dieser Form: http://bit.ly/YTBuch Ein etwas erfolgreicher YouTuber, ich, und ein sympathischer Marketing Professor, Prof. Marc Opresnik, setzen sich das Ziel ein populär-wissenschaftliches Buch zum Thema "Marketing auf YouTube" zu schreiben.

Sie hatten großen Erfolg. Was treibt Sie heute an, welche Ziele verfolgen Sie noch?

Das klingt jetzt etwas pathetisch, aber was mir ein Anliegen ist und wo ich mich auch ein bisschen in der Verantwortung sehe, ist, für die Generation der Online-Influencer, der First Mover, - wie wir es waren – zu sprechen. Es gibt immer noch Leute, die YouTube nicht ernst nehmen und sagen: „Das sind doch nur Schrottvideos.“ Denen muss man zum Beispiel erklären, dass der Algorithmus dir Schrottvideos vorschlägt, weil du sie offenbar anklickst. YouTube war unsere Ausbildung, wir haben viel ausprobiert, sozusagen unseren Abschluss gemacht, und wenden das Gelernte jetzt in verschiedenen Bereichen an. Wenn jemand deine Ausbildungsstätte runtermacht, dann springt man doch auch ein, weil man ihr etwas zu verdanken hat. Mein Ziel ist es, dass die Szene und die Arbeit dahinter noch ernster genommen wird. YouTube – und Social Web im Allgemeinen - kann Schrott sein, es kann aber auch geil sein. Es ist eben so, wie man es sich zusammenstellt.

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08 2016 THE RED BULLETIN INNOVATOR

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