Investment Startup

Das große Problem der ersten Wachstumsphase

Text: Marie Ringler
Bild: Pixabay

Warum 250.000 Euro schwerer zu bekommen sind als fünf Millionen. Marie Ringler von Ashoka gibt Aufschluss darüber.
Marie Ringler

MARIE RINGLER ist Gründerin und Geschäftsführerin von Ashoka in Österreich. Als sozialer Investor sucht und fördert die Non-Profit-Organisation in mehr als 80 Ländern Social Entrepreneure. Die Stipendiaten erhalten finanzielle Unterstützung, Beratung und Anschluss an Netzwerke im sozialen Sektor, in Wirtschaft und Wissenschaft.

Das Prinzip „Friends, Fools, Family“ funktioniert auch bei Startups und Jungunternehmern ziemlich gut. Außerdem gibt es in Österreich und der Schweiz eine gut entwickelte Förderlandschaft.

An die ersten 10.000, 20.000, 30.000 Euro ranzukommen ist also meistens kein großes Problem. Das größere Problem – und das betrifft Unternehmen, die auf Gewinn ausgerichtet sind, ebenso wie Not-for-profit-Unternehmen – ist die erste Wachstumsphase.

Es gibt dann bereits den ersten Prototyp, der vielleicht noch ein paar Fehler hat, aber schon ganz gut funktioniert. Und ich habe auch schon meine ersten Kunden. Damit meine Idee aber so richtig abhebt, brauche ich Nachschub, sagen wir, 250.000 Euro in einer zweiten Tranche. Und die zu bekommen ist schwieriger, als die ersten 20.000 Euro – und paradoxerweise viel schwieriger, als die ersten fünf Millionen zu kriegen.

„Wenn ich Investor bin und jemandem 250.000 Euro geben will, dann kostet mich das Herausfinden, ob ich das wirklich tun soll, genauso viel, wie wenn ich fünf Millionen investieren will.“

Der Grund dafür ist, dass derjenige, der in dieser Phase als Risikokapitalgeber einsteigen will, relativ hohe Transaktionskosten hat. Wenn ich Investor bin und jemandem 250.000 Euro geben will, dann kostet mich das Herausfinden, ob ich das wirklich tun soll, genauso viel, wie wenn ich fünf Millionen investieren will.

Nur: Fünf Millionen, die gut investiert sind, haben eine größere Hebelwirkung als 250.000 Euro. Aus Investorenperspektive ist die erste Wachstumsphase eines Unternehmens also sehr teuer. Dass ich als Unternehmer irgendwann in diese schwierige Phase komme, lässt sich eigentlich nicht vermeiden. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass meine Idee skalierbar ist. Anders gesagt: Eine Idee funktioniert nicht nur in der Wiener Innenstadt, sondern auch in Berlin-Wedding, in München oder Kapstadt.

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Sie erzeugt Wirkung – das ist wichtig, auch, weil ich so leichter Kapitalgeber für meine Idee finde. Denn die investieren dann, wenn sie Hebelwirkung, auch bekannt als „Leverage-Effekt“, erkennen.

Skalierbarkeit ist aber nicht mit Profit gleichzusetzen. Skalierbarkeit ist die Antwort auf die Frage, in welchem Verhältnis die Energie, die ich da reinstecke, zu dem steht, was rauskommen kann. Angesichts der Endlichkeit des Lebens, der Ressourcen, des Geldes – ja, der Energie, die man so hat – ist es ein zentrales Erfolgskriterium für jede Idee.

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05 2016 The Red Bulletin Innovator

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