Johannes Bischof

„Jungen Querdenkern sollte man zuhören“

Interview: Christoph Kristandl
Bild: Konica Minolta

Johannes Bischof ist einer der Geschäftsführer bei Konica Minolta und verschreibt sich der Zusammenarbeit mit Jungunternehmern. Er weiß, warum man sich auch als Konzern mit Startups beschäftigen sollte und wie beide Seiten profitieren.

„Giving Shape to Ideas“ – Ein Slogan, der nicht nur auf der Website von Konica Minolta groß geschrieben wird. Der Technologie-Konzern zeigt, wie ein internationales Großunternehmen mit Startups zusammenarbeiten kann – mit Vorteilen für beide Seiten.

„Wir bezeichnen uns ja selbst als 140-jähriges Startup, zumindest was unseren Spirit angeht“, sagt Johannes Bischof, Geschäftsführer für Deutschland und Österreich, und spricht damit die von Wendungen geprägte Firmengeschichte an. Immerhin entwickelte man sich vom Kamerafilmhersteller zum Hightech-Anbieter im Büro- und Medizinbereich.

Als Partner der ersten Stunde unterstützt das japanischstämmige Unternehmen das Pioneers Festival und konnte dem Team um Andreas Tschas auch bei der Expansion nach Asien unter die Arme greifen. Mit seinen weltweit aktiven Business Innovation Centers hält Konica Minolta ständig Ausschau nach vielversprechenden Startups der Tech-Szene. So auch erneut beim Festival in der Wiener Hofburg. „Wenn man dieses ehrwürdige Gebäude betritt, spürt man die enorme Power und den Willen, etwas zu erreichen. Diese jungen Leute sind faszinierend und das steckt uns an“, erklärt Bischof.

THE RED BULLETIN: Herr Bischof, warum arbeitet ein internationaler Konzern mit Startups zusammen?

Johannes Bischof: Das wirklich Innovative kommt von der Basis, von jungen Querdenkern. Und denen sollte man zuhören.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Wir suchen in bestimmten Feldern, die zu uns passen, nach Startups. Dann knüpfen wir die ersten Kontakte zu Kunden, um in Erfahrung zu bringen, was sie von der jeweiligen Idee oder dem Produkt halten. Abhängig davon gibt es verschiedene Stufen der Zusammenarbeit. Manchmal investiert man nur in ein bestimmtes Projekt oder die Projektentwicklung. Es kann aber auch bis zu einem gemeinsamen Produkt gehen. Das läuft sehr strukturiert ab und bis es tatsächlich zu einem Serienprodukt kommt, dauert es ein bis zwei Jahre. Wenn es um reine Service-Leistungen geht, kann das aber auch deutlich schneller gehen.

„Die Fülle an Ideen, die Startups heute auf den Markt bringen, kann ein Großunternehmen gar nicht leisten.“

Mit welchen Startups kooperieren sie konkret?

Mittlerweile gibt es in Europa über 100 Startups, mit denen wir in unterschiedlicher Weise zusammenarbeiten. Auf unserem Stand beim Pioneers Festival präsentieren wir uns mit 720 degreesiTiZZIMOAsset MappingNavVis und Anyline, die an unterschiedlichsten Lösungen im B2B und B2C Bereich arbeiten. Weitere intensive Zusammenarbeit gibt es zum Beispiel im Bereich Augmented Reality mit Wikitude.

Was müssen Gründer haben, um für Sie interessant zu sein?

Man braucht mehr als nur eine gute Idee. Man muss auch in der Lage sein, daraus ein Business-Szenario oder vielleicht schon Vertriebsfelder zu entwickeln. Die Gründer sollten Überzeugungsgabe haben, klar und strukturiert arbeiten, und Innovations- sowie Business-Spirit in sich vereinen.

Welchen Nutzen kann ein Konzern aus der Zusammenarbeit mit Startups ziehen?

Die Fülle an Ideen, die Startups heute auf den Markt bringen, kann ein Großunternehmen mit seiner Struktur gar nicht leisten. Startups mit einigen wenigen Mitarbeitern sind einfach schneller und wendiger. Sie haben eine völlig andere Arbeitsweise und differenzierte Zugänge. Auch wenn es darum geht, Ideen zu verwerfen, sind Startups flexibler. Als Konzern hältst du vielleicht an der einen oder anderen Vorstellung zu lange fest und verbeißt dich darin. Deswegen ist der Ideenfindungsprozess teilweise außerhalb des Konzerns besser aufgehoben.

Und wie profitieren die Startups?

Wir sind dank unserer Kundenbasis sehr stark, wenn es darum geht, ein Produkt in die Welt zu tragen. Unsere Möglichkeiten der Umsetzung  und unsere Kontakte öffnen den Startups den Markt.

Spielen auch Übernahmen eine Rolle in den Planungen?

Da sind wir ein wenig vorsichtig, denn das birgt auch die Gefahr, ein kleines, dynamisches Startup zu erdrücken. Gerade die Spritzigkeit der Startups fördert Innovation und zieht sie an. Es gibt Menschen, die in großen Unternehmen arbeiten wollen, aber auch diejenigen, die in einem kleinen Kreis kreativ sein möchten. Deswegen entscheiden wir uns für Partnerschaften, die aber nach Möglichkeit auch langfristig sein sollen. 

Wenn zwei völlig verschiedene Arbeitsweisen aufeinander treffen, kann das auch zu Problemen in der Zusammenarbeit führen. Wo gibt es da das größte Konfliktpotenzial?

Mit der Größenordnung und dem Tempo zurechtzukommen, kann schwierig sein. Wenn ein Konzern wie wir investieren will, geht das durch mehrere Instanzen. Ich kann mir vorstellen, dass dem einen oder anderen Gründer die Geduld ausgeht, wenn er seine Idee im Unternehmen zehnmal präsentieren muss. Das dauert dann vielleicht nicht ein Monat, sondern sechs oder sieben. Für uns wären instabile Strukturen problematisch. Wir stehen für langfristige und nachhaltige Perspektiven. Wenn wir alle paar Monate einen neuen Ansprechpartner haben, ist das schwierig.

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05 2016 THE RED BULLETIN

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