Mass Effect Andromeda: Wie Astronauten neue Welten erforschen

Welche Herausforderungen Astronauten beim Entdecken neuer Welten meistern müssen

Foto: EA

Das neue Game „Mass Effect: Andromeda“ schickt dich auf die Mission, neue Lebensräume im Universum zu erkunden. Im realen Leben übernehmen Astronauten diese Aufgabe. Sie erklären, worauf es dabei ankommt und welchen Herausforderungen ihnen dabei begegnen.

Wir erforschen den Mars, planen den Weltraumtourismus und überlegen uns ernsthaft Alternativen zur Erde als unseren Heimatplaneten. Die Eroberung des Alls ist längst nicht mehr nur Thema von Filmen oder Games. Das dachten sich auch die Macher von „Mass Effect: Andromeda“.

Der vierte Teil der Sci-Fi-Game-Reihe führt die Spieler über die Milchstraße hinaus in die unerforschte Andromeda-Galaxie, um dort eine neue Heimat für die Menschheit zu erschließen. Dass wir uns heute so nah wie nie zuvor an der Realisierung ähnlicher Szenarien befinden, nahm Spieleentwickler „BioWare“ zum Anlass, gemeinsam mit Astronauten und Wissenschaftlern der Europäischen Weltraumorganisation ESA die Anforderungen einer solchen Mission zu beleuchten.

Sie klären auf über …

  • ihre Rolle als Pathfinder
  • die Strapazen der Reise
  • mögliche neue Lebensräume
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Die Rolle als Pathfinder

„Menschen sind von Natur aus Entdecker, wir haben das im Blut. Wenn wir etwas sehen, das wir nicht kennen, wollen wir es erforschen, bis wir es verstehen“, glaubt Luca Parmitano. Der Weg ins All ist dabei für ihn nur folgerichtig, denn auch er ist sich sicher: „Wir brauchen neue Orte im Universum, um zu expandieren und unser Überleben zu garantieren.“ Und als Astronaut sieht er sich in der Rolle, die ersten Schritte zu gehen, damit es in Zukunft mehr Lebensraum für Menschen geben wird.

Der Gefahr, der er sich dabei aussetzt, ist sich Parmitano bewusst, hat er doch bereits einen beängstigenden Zwischenfall hinter sich. 

„Beim zweiten Außenbordeinsatz hatte mein Raumanzug eine nicht zu behebende Fehlfunktion, mein Helm füllte sich mit Wasser“, schildert er. Sein Rezept, um in so einer Extrem-Situation zu bestehen: „Es ist sinnlos, sich auf das Problem zu konzentrieren, viel wichtiger ist, eine Lösung zu finden, egal was das Problem ist.“ 

Mass Effect: Andromeda

Die Expedition der Spieler beginnt nach einer 600-jährigen Reise in die Andromeda-Galaxie, doch der Traum von einer neuen, problemlos zu besiedelnden Heimat zerplatzt schon kurz darauf. Vermeintliche Paradieswelten entpuppen sich als hoffnungsloses Ödland und nicht alle Bewohner der fremden Galaxie empfangen die Menschheit mit offenen Armen.

In der Rolle von Pathfinder Ryder kommandierst du einen Trupp erstklassig ausgebildeter Entdecker, an deren Seite du einzigartige Welten erforschst, fremden Spezies begegnest und dich den Bedrohungen der unbekannten Planeten stellst. 

Die Reise

Reisen ins Weltall, etwa zum Mars, sind kein Ausflug. Bevor eine bemannte Mission zum roten Planeten oder weiter entfernten Destinationen angetreten werden kann, müssen wir herausfinden, ob der Mensch mit derartigen, jahrelangen Trips überhaupt zurecht kommt.

Dr. Beth Healey und Romain Charles nahmen an Projekten Teil, die genau diese Herausforderung simulieren sollten. Sie bemerkten dabei, dass bei einer jahrelangen Mission vor allem die zwischenmenschliche Komponente die entscheidende Rolle spielen wird.

„Man muss mit denselben Leuten am selben Ort bleiben, und das ziemlich lange, ohne die Sonne zu sehen und Ähnliches“, sagt Charles, der die kulturellen Unterschiede seiner Crew-Mitglieder im Programm „Mars 500“ als Vorteil erkannte. Dadurch hatten sie „unendlich viele Gesprächsthemen. Jetzt kenne ich ihre Geschichten so gut, dass sie für mich wie alte Freunde sind.“

„Man ist zwar isoliert, aber auch zu zwischenmenschlicher Interaktion gezwungen“, ergänzt Healy, die ein Jahr lang in der entlegenen Forschungsstation „Concordia“ verbrachte. „Das Wichtigste für mich wäre, jemanden zu haben, mit dem ich mich verstehe, dem ich wirklich vertraue. Solange das bei einer Mission gegeben ist, würde ich auch mit allen Widrigkeiten fertig“, glaubt sie.

Die neue Heimat

„Potenziell für Menschen bewohnbare Planeten brauchen natürlich Wasser. Genauer gesagt Wasser in flüssiger Form“, erklärt Frank de Winne eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine mögliche neue Heimat im Universum.

„Im Idealfall ähneln sie der Erde, haben also eine Atmosphäre mit für uns atembarem Sauerstoff sowie eine Masse, die etwa 1 G ergibt, also dieselbe Schwerkraft wie hier auf der Erde“, ergänzt Dr. Matthias Maurer. Die beiden Astronauten blicken den Herausforderungen beim Erkunden neuer Lebensräume mit Spannung entgegen, kennen aber auch die Hindernisse, die vor allem mit der Entfernung zur Erde wachsen. Je fremder die Umgebung, desto größer die Gefahr. Deswegen setzen sie große Hoffnungen in die Technologie. „In wenigen Jahren könnte es etwa Multispektralbrillen geben, die das sichtbare Spektrum um Infrarot und Ultraviolett erweitern und die umfassenden Erkundungen einer unbekannten Umgebung ermöglichen“, erläutert Maurer.

Mittlerweile sind bereits viele Planeten in der bewohnbaren Zone bekannt, im Fokus stehen vorerst aber vor allem Mond und Mars. Die ESA arbeitet etwa daran, bis 2030 einen Forschungsposten auf dem Mond zu errichten. Die Behausungen dafür sollen per 3D-Drucker gefertigt werden - aus Mondsand.

Von einer solchen Außenstelle erhoffen sich die Experten neue Erkenntnisse, wie Dr. Aiden Cowley, wissenschaftlicher Mitarbeiter der ESA, erklärt: „Möglicherweise gibt es dort Ressourcen für den Antrieb von Raumschiffen. Wir wollen den Mond als Testgebiet nutzen, um Technologien und Betriebskonzepte zu entwickeln, die wir für das Überleben auf Planetenoberflächen brauchen.“

Die Mission „ExoMars“ soll indes „Spuren von Exobiologie finden. Also im Prinzip Spuren von Leben. Und zu wissen, ob es auf dem Mars Leben gab oder nicht, ist natürlich unverzichtbar für uns, um dort hinzugelangen.“

Und sollten sich wirklich Anzeichen für Leben finden, ist es vielleicht nicht mehr weit, bis wir auch mit anderen Lebensformen in Kontakt treten. Auf einem anderen Planeten wären wir dann so etwas wie die Außerirdischen.

„Es wäre bestimmt eine fantastische Gelegenheit, andere Lebensformen zu treffen, unsere Kultur und unsere Geschichte zu erklären und dann zu wissen, dass wir nicht die einzige Spezies im Universum sind“, hat Cowley keine Angst vor diesem Szenario. Neugier und Mut sind eben essenziell, wenn man der Menscheit als Pionier vorangeht, wenn man ein Pathfinder ist.

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