Die Zukunft der Google-Suche

Jedem sein persönlicher Assistent

Text: Christoph Kristandl
Foto: Flickr/Maurizio Pesce

Wie werden wir in Zukunft nach Dingen suchen bzw. Dinge erledigen? Mit persönlichen Assistenten! Wie weit diese bereits sind, zeigt etwa Google Assistant.

Mal ehrlich, wie viele Minuten am Tag sprichst du in dein Handy? Das Multitalent in unserer Hosentasche ist schon lange nur noch am Rande zum Telefonieren gedacht. Doch das gesprochene Wort ist keineswegs tot, es ist auf dem Weg zurück. Stärker und wichtiger als je zuvor. Allerdings sprechen wir nicht mehr in und durch unser Smartphone. Wir sprechen mit ihm.

Was in puncto Konversation mit einem Handy - und anderen Mobile Devices - mittlerweile möglich ist, zeigt etwa Google Assistant, der „einen laufenden Dialog“ verspricht und „deine Welt versteht“. Er …

  • versteht natürliche Sprache
  • beantwortet komplexe Fragestellungen
  • verbindet all deine Apps zu einem persönlichen Assistenten
  • erkennt sogar Kontext
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In den letzten vier Jahren habe sich sein Team in Zürich beinahe ausschließlich mit der Zukunft der Suche beschäftigt, erklärt Behshad Behzadi, Principial Engineer bei Google. „Die Anforderungen der User ändern sich ständig. 2015 haben bereits mehr Menschen ihre Suchanfragen über mobile Geräte abgeschickt als über den Desktop. Und das nimmt immer mehr zu. Deswegen müssen wir vor allem mobil denken“, weiß Behzadi.

Eine Antwort darauf: Der persönliche Assistent, dem man Anweisungen zuruft und Fragen stellt, der einem dabei hilft, Dinge einfach und schnell zu erledigen. Neben Google arbeiten etwa auch Apple („Siri“), Amazon („Alexa“) und Microsoft („Cortana“) an der Verbesserung ihres ultimativen persönlichen Assistenten.

Mit einer Maschine sprechen, das klingt für viele Menschen immer noch nach Zukunftsmusik oder fühlt sich seltsam an. Doch das Gespräch mit der Geräte-Stimme wird langsam normal.

© Youtube // Google

„Dafür gibt es mehrere Gründe“, sagt Behzadi. „Die Spracherkennung hat sich deutlich verbessert und weist heute eine Missverständnis-Rate von durchschnittlich nur noch acht Prozent auf. Zudem werden solche Konversations-Situationen immer stärker akzeptiert. Und Internet of Things weitet sich immer mehr aus.“

„Mit der Suche über Sprache verändert sich die Interaktion allerdings drastisch. Niemand würde ‚Hey, wie wird das Wetter morgen’ eintippen. Über die Sprache werden deutlich natürlichere, komplexere Sätze verwendet.“

Eine Herausforderung, der der „Google Assistant“ gewachsen zu sein scheint, wie Behzadi im Rahmen der ChatbotConf in Wien demonstrierte.

„Wie groß ist der Ehemann von Khloe Kardashian?“ - Behshad Behzadis zeigt, wie natürlich man mit dem Google Assistant sprechen kann.

© Youtube // oratio

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Google Assistant hat etwa keine Probleme mit verschachtelten Fragestellungen. Auf die Frage „Wie groß ist der Schauspieler, der Chewbacca spielte?“ antwortet der Assistant „Peter Mayhew ist 221 cm groß!“ Und auch Überlegungen, wie man eine Frage formulieren muss, kann man sich schenken. „Das Ziel ist, dass man so natürlich wie möglich mit dem Assistant sprechen kann“, sagt Behzadi und fragt: „Wie hat Barcelona letzte Woche in der Champions League gespielt? – „Barcelona schlug Borussia Mönchengladbach 2:1!“ 

Der Assistant kennt dich und weiß, wann du wo was gemacht hast oder machen wirst. „Wie weit ist meine Arbeit von meinem Zuhause entfernt?“ „Wann geht mein Flieger?“ „Wann ist mein nächstes Meeting mit Alex?“ „Zeig mir meine Bilder vom Stierkampf.“ Der Assistant bezieht alle Apps auf deinem Gerät mit ein und greift direkt auf sie zu. „Die Zeitersparnis ist enorm, weil ich nicht in die jeweilige App gehen muss“, erklärt Behzadi. „Spiel ‚Nothing Else Matters‘ von Metallica!“ – Und auf YouTube wird der entsprechende Song geöffnet. „Sende eine WhatsApp-Nachricht an Lukas?“ – Und der Assistent fragt dich gleich nach dem Text, den er versenden soll.

Zudem lernt der Assistant und baut sich so den Kontext auf, der auch in zwischenmenschlichen Dialogen notwendig ist. Einen einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Satz, versteht auch ein Mensch selten richtig. Für den Befehl „Zeig mir Bilder von Thomas!“, liefert der Assistant „Thomas, die kleine Lokomotive“. Nachdem man sich den Bayern-Kader anzeigen ließ, reagiert der Assistant bei gleicher Fragestellung mit: „Hier sind Bilder von Thomas Müller.“ Nach einigen vorangegangenen Fragen zum Empire State Building reicht ein einfaches „Wann?“, um das Erbauungsjahr des Gebäudes zu erfahren.

Chatting with G-ass #allo #Googleassistant

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Der Assistant schließt aber nicht nur aus dem Gespräch, sondern auch auf allem, was auf dem Bildschirm angezeigt wird. Findet sich in deiner Facebook-Timeline das Posting eines Kinofilms, schließt der Assistant aus deiner Frage nach dem Regisseur, dass du Infos zum Regisseur des angezeigten Films finden möchtest.

In Googles „Allo“-Messenger kannst du nicht nur direkt mit dem Assistant chatten, mit ihm spielen oder dir Witze erzählen lassen, er baut sich auch – gefragt oder gegebenenfalls ungefragt – in Diskussionen mit Freunden ein. Sieht der Assistant, dass über ein mögliches Treffen zum Abendessen gesprochen wird, bietet er sogleich an, passende Restaurants in der Nähe vorzuschlagen. „Ein großer Vorteil für das Besprechen und Planen von gemeinsamen Aktivitäten“, meint Behzadi.

Google hat mit seinem Assistant samt dahintersteckender künstlicher Intelligenz im Moment die Nase vorne, aber der Konkurrenzkampf treibt die Weiterentwicklung der Technologie in Windeseile voran. Der persönliche Assistent, der jedem von uns alles abnimmt, ist keineswegs weit entfernte Zukunftsmusik. Und vielleicht können uns die Helferlein irgendwann die Wünsche sogar - im wahrsten Sinne des Sprichworts - von den Augen ablesen.

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