Die Rettungsschwimmer von Alaska im Interview

An Bord mit den Rettungsschwimmern von Alaska

Interviews: Andreas Rottenschlager
Fotos: Justin Bastien  

Helikopter-Pilot John D. Hess und Mechaniker Jayson Merrero von der Küstenwache von Alaskas Air Station Kodiak sprechen mit dem Red Bulletin über ihre Flüge über die Beringsee und Teamwork in Extremsituationen.

Sie riskieren täglich ihr Leben, um das von Schiffbrüchigen zu retten. Sie fliegen Einsätze mitten in die Schneestürme der Beringsee. Sie trainieren täglich wie die Verrückten, nur um in Extremsituationen so ruhig wie möglich bleiben zu können. Die Rettungsschwimmer der Küstenwache Alaskas. Wir baten zwei der Helden zum Interview.

Chef an Bord: HELIKOPTER-PILOT JOHN D. HESS

THE RED BULLETIN: Herr Hess, wie bleiben Sie cool, wenn Sie mit ­Ihrem Helikopter über der Beringsee in einen Sturm geraten?

JOHN D. HESS: Um für die Air Station Kodiak zu fliegen, braucht man mindestens vier Jahre Praxis als Rettungspilot. Erfahrung hilft.

Und wenn nicht?

Drück deine innere Stoppuhr und zähle fünf Sekunden ab, falls du die Zeit dazu hast. Das beruhigt.

Wie bereitet sich Ihre Crew auf heikle ­Einsätze vor?

Wir kritisieren uns gegenseitig. Auch nach einfachen Manövern wie dem Bergen leerer Lastkörbe. Wer Kritik nicht annimmt, gefährdet andere.

Kann man die Gefahr in Ihrem Beruf überhaupt abschätzen?

Teilweise. Wir nutzen das Prinzip „Risiko vs. Gewinn“: Sind Leben in Gefahr, darfst du mehr riskieren. 

Was bedeutet „mehr riskieren“?

Mehr Leute einladen, zum Beispiel. Der Rekord für Coast-Guard-Helikopter liegt bei 26.

Das Auge: Mechaniker Jayson 

Mechanic Jayson Marrero

THE RED BULLETIN: Herr Marrero, was macht ein Flugmechaniker?

JAYSON MARRERO: Er ist der Ingenieur des Helikopters und das Auge des Piloten an der Unfallstelle. Außerdem setzen wir die Schwimmer per Seilwinde ab. Ein schwieriger Job, hier im Nordpazifik.

Was macht Ihr Einsatzgebiet so schwierig? 

Die Ausgesetztheit, das extreme Wetter. In Florida ist Wind mit 90 km/h ein Tropensturm. In Alaska nennen wir das einen ganz normalen Arbeitstag. 

Was bedeutet das ­extreme Wetter für das Teamwork an Bord?

Dass du jedes Training ernst nehmen musst. Wir setzen Schwimmer auf Booten ab, die über zehn Meter hohe Wellen rollen. Da bist du besser gut vorbereitet. 

Wollen die Schwimmer immer ins Wasser?

Klar! Das sind Adrenalin-Junkies. Die reißen sich im Training wochenlang den Arsch auf, um für den Ernstfall fit zu sein.

Schau dir die neueste Episode von „Coast Guard Alaska“ an!

© YouTube // Coast Guard Alaska TV

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09 2016 The Red Bulletin

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