Chan Hong Meng: Der Imbissstand mit Michelin-Stern

Ein Michelin-Stern zum Mitnehmen:
Chan Hong Mengs Geschichte

Foto: ROSLAN RAHMAN/AFP/picturedesk.com
Text: Robert Sperl

35 Jahre führt Chan Hong Meng einen Imbissstand in Singapur. Dann erhält er einen Anruf vom berühmtesten Restaurantführer der Welt.

Chinatown, Singapur. Magenknurren? Ein Fremdwort – in jeder Gasse kochen dutzende Straßenhändler auf. Kulinarische Folklore für Nase und Auge, malaiisch, chinesisch, tamilisch, farbenfroh, exotisch. Eine Handvoll Delikatessen zum Mitnehmen kostet bloß ein, zwei Singapur-Dollar, erschwinglich auch im teuersten Land der Welt.

Wie schmeckt’s? Die Warteschlange nahe der 335 Smith Street ist sich ihrer Sache sicher: herrlich! Denn die Schlange endet vor dem unscheinbaren Geschäftsportal des Hong Kong Soya Sauce Chicken Rice & Noodle.

Der Name ist Programm: Besitzer Chan Hong Meng, seit 35 Jahren im Geschäft, kocht zu Ehren seines Lehrmeisters auf chinesische Art. Zwei Speisen hat er im Angebot: kantonesisches Hühnchen in Sojasauce und knusprig gegrilltes Schweinefleisch.

Klicken zum Weiterlesen

Chans simple Raffinesse überzeugte auch die Tester des Restaurant-Guides Michelin. Sie verliehen Chan 2016 einen Stern (drei sind das Maximum).

Bei der Zeremonie stand Chan, der zunächst an einen Telefon-Scherzbold geglaubt hatte, auf der gleichen Bühne wie Frankreichs Jahrhundertkoch Joël Robuchon, der im Sentosa-Resort in Singapur aufkocht und dafür drei Sterne bekam (für Menüs ab 500 SGD/340 € pro Person).

Hat Chan der unerwartete Ruhm verändert? Nein: Er steht weiter 17 Stunden am Tag mit zwei Gehilfen in der Küche. 180 Hühner lassen täglich ihr Leben, 30 mehr als vor dem Stern.

Die Warteschlange ist länger geworden, aber Chan Hong Meng, in blütenweißem Chef’s Dress und Schürze, führt weiter gelassen sein scharfes Messer.

Klicken zum Weiterlesen
04 2017 The Red Bulletin

Nächste Story