Degrees North - Freeriden mit dem Motor-Gleitschirm

Degrees North - Freeriden mit dem Motor-Gleitschirm

Text: Arek Piatek
Bilder: Tero Repo

Mit dem Motor-Gleitschirm in unzugängliches Terrain fliegen, um unberührte Hänge zu befahren? Willkommen bei „Degrees North“, einer neuen Dimension des Freeridens.

TOUCHDOWN

Frage: Wie gelangt man zu potentiellen Freeride-Spots, die zu Fuß oder per Helikopter unerreichbar sind? Antwort: mit einem Motor-Paragleiter. So weit die Idee von Snowboarder Xavier de le Rue und Freeskier Sam Anthamatten fürs Filmprojekt „Degrees North“ – das Fotograf Tero Repo in atemberaubenden Bildern dokumentierte: „Monatelang filmten wir in Alaska. Das Foto entstand auf einem Gletscher, wo Helis verboten sind. Sam und der Pilot suchen im Tandemflug die Gegend nach fahrbaren Hängen ab. Auf diesem Plateau starten die beiden gerade durch. Warum? Eine Abfahrt erschien hier doch ein wenig zu riskant.“

Degrees North - Freeriden mit dem Motor-Gleitschirm

FLUGOBJEKT

„Ein motorisierter Hängegleiter ist ein geniales Ding: Du kannst sogar bei Schnee starten, auf Skiern – mit nur wenigen Metern Anlauf – und rund drei Stunden fliegen, ehe der Sprit ausgeht. Einen Nachteil aber hat der Motorschirm: Bei Windböen gerät er rasch außer Kontrolle. Das Bild oben zeigt unseren erfahrenen Piloten Christophe, der Sam und Xavier abwechselnd mitnahm und an unberührten Hängen Alaskas ­absetzte. Übrigens: So ein Motorgleiter ist bis zu 70 km/h schnell. Aber: Bei minus 30 Grad ­sollte man möglichst langsam fliegen – um Frostbeulen im Gesicht zu vermeiden.“

„Vorteil des Motor-Paragleiters? Du kannst überall starten. Nachteil? Bei Wind verlierst du rasch die Kontrolle. Sehr rasch.“  

© YouTube // TimeLinemissions

Degrees North - Freeriden mit dem Motor-Gleitschirm

AUSSTIEG

„Für diese Luftaufnahme fixierte ich die Kamera am Rand des Gleitschirms. Hier hat sich Xavier de le Rue in fünf Meter Höhe vom Piloten losgeschnallt und ist abgesprungen – um gleich nach der Landung eine unfassbare Line zu ziehen. Der Spot: eine abgeschiedene Steilwand an Alaskas Rainbow Glacier. Neigung: 50 Grad.“

Degrees North - Freeriden mit dem Motor-Gleitschirm

ABFAHRT

„Einen Gleitschirm kannst du in der Luft nicht anhalten – so waren die Absprünge eine heikle Angelegenheit: Schnallst du aus zu großer Höhe ab, riskierst du einige Überschläge nach der Landung – auch wenn Alaskas Schnee tief und weich ist. Apropos weicher Schnee: Gefährlich war der ‚Sluff‘, knietiefe Schneestaub-Lawinen, die den Jungs beim Fahren den Boden unter den Füßen wegziehen können. Auf dem Bild fährt Xavier gerade jenen herabstürzenden Schneemassen davon.“

„Für Freerider bedeutet ‚Entdecken‘: Orte finden, wo noch keiner war. Manchmal heisst es aber auch: neue Wege finden, wie man das tut.“
Degrees North - Freeriden mit dem Motor-Gleitschirm - Eishotel

SCHNEEHOTEL

„Dass Not erfinderisch macht, unterschreib ich sofort! Nachts raubten uns die pfeifenden Winde den letzten Nerv: Schlafen im Zelt war fast unmöglich. Bis Samuel eine ­geniale Idee hatte: Wir gruben einen Hohlraum in den Schnee – und jeder schaufelte sich seine eigene Schlafkoje. Die Folge: Der Lärm war kein Problem mehr. Schon nach der ersten Nacht unter der Oberfläche waren alle bestens aus­geruht und doppelt motiviert für die nächsten Touren.“ 

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ALASKA

„Wer Alaska mit dem Motorschirm erkundet, braucht viel Geduld. Denn ideale Flugbedingungen – mit Windstille, Sonne, klarer Sicht – sind dort rar. Die meiste Zeit des Tages saßen wir in Zelten und bearbeiteten Filmmaterial, das wir mit Helm- und Gleitschirm-Go­Pros und Drohnenkameras aufgenommen hatten. Das da im Bild sind übrigens Christophe und vorne ein ­nervös zappelnder Sam – der an dem herrlichen Tag kaum erwarten konnte, dass es endlich losging.“

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01 2016 The Red Bulletin

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