Flying Lotus

„Ihr könnt mich alle“    

Foto: windishagency.com

Hip-Hop-Revolution, LSD-Erkenntnis, grimmige Trompeten: Sound-Visionär Flying Lotus über seine fünf liebsten Jazz-Alben.

Flying Lotus: You're Dead!

2008 revolutionierte Flying Lotus mit seinem zweiten Album „Los Angeles“ die Elektronikszene: ein Meisterwerk aus knisternden Jazz-Samples, nervösen Computerspiel-Sounds und verstolperten Hip-Hop-Beats. Aus Beats, die klangen, als hätte sein Drum-Computer einen Joint geraucht. Scharen junger ­Musiker kopierten seinen psychedelischen Stil, Stars wie Thom Yorke (Radiohead), Snoop Dogg und Herbie Hancock outeten sich als Fans.

Die beiden Letzteren sind nun Gastmusiker auf Flying Lotus’ neuer Platte, seiner sechsten, „You’re Dead!“: einem düsteren Konzeptalbum über den Tod, elektronischer ­Fusion-Jazz aus der Zukunft. Uns verriet Flying Lotus jene fünf Jazz-Platten, die ihn geistig beflügeln.

1) Weather Report: Sweetnighter

„Ich entdeckte dieses Album vor zehn Jahren, kurz bevor ich meine erste Platte machte. Seither habe ich die Scheibe eine Million Mal gehört. Weil sich darauf einer der besten Songs aller Zeiten befindet: „Manolete“. Fusion-Jazz, extrem cool und funky. Und: Der Beat klingt wie Hip-Hop – viele Jahre bevor Hip-Hop überhaupt erfunden war.“

2) Miles Davis: In a Silent Way

„Davis spielt die Trompete wie einer, der nicht lächeln kann. Diese Platte klingt nach Außenseitermusik. Als wollte er sagen: „Ihr könnt mich alle!“ Ich liebe es, wie er solche Emotionen durch sein Trompetenspiel ausdrücken kann. ­Außerdem ist es die erste Jazz-Platte, auf der mein Lieblingsinstrument verwendet wird: das Fender-Rhodes-Piano.“

3) Alice Coltrane: Lord of Lords

„Das beste ­Album meiner Großtante ­Alice. Ich wuchs mit ­ihrer Musik auf, verstand sie aber erst, als ich das erste Mal LSD probierte. Auf einmal ergab dieses orchestrale, psychedelische Meisterwerk Sinn in meinem Kopf. Da­rin verarbeitete sie den Tod ihres Gatten John Coltrane: eine wichtige Inspiration für mein eigenes Album übers Sterben.“

4) Soft Machine: Volume 2

„Genau genommen ist das kein Jazz, ­sondern Prog-Rock. Aber ich muss das Album nennen, weil ich es für das beste aller Zeiten halte. Die Platte steht keinen Moment still: Melodien variieren ständig, Songs verändern ihre Struktur im Sekundentakt. Und doch fließen alle Elemente ineinander. Genau das wollte ich auch mit „You’re Dead!“ erreichen.“

5) Charles Mingus: The Black Saint and the Sinner Lady

„Eine Platte wie ein Theaterstück. Als würde Mingus’ Kontrabass mit den Blasinstrumenten Gespräche führen. Das liebe ich an Jazz-Solos: Wenn der Instrumentalist loslegt, fangen meine Gedanke an zu wandern. Ich sinniere über das Leben und den Tod. Am Ende des Solos wache ich auf und denke: Verdammt, was war das jetzt gerade?“

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12 2014 THE RED BULLETIN

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