1er avril

April, April! 

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Der 1. April, der Tag der Scherzkekse: Woher kommt dieser Brauch und wo wird er gefeiert? The Red Bulletin hat sich auf die Spuren des Aprilscherzes begeben.

Egal, ob du in Europa oder in den USA, in Österreich oder der Schweiz lebst - am 1. April haben die Narren Saison. Hier ein kurzer Überblick über die Geschichte dieses merkwürdigen Brauchs.

Seit wann gibt es den 1. April eigentlich?

Bis zum 16. Jahrhundert verwendete man in Europa den von Julius Cäsar im Jahr 46 v. Chr. eingeführten Julianischen Kalender, um die Ernten und das soziale und religiöse Leben der Bevölkerung zu organisieren. Er richtete sich nach der Sonne und definierte den 25. März als Frühlingsbeginn und zugleich als Jahresanfang. Im Christentum wird der 25. März auch als Mariä Verkündigung gefeiert - der Tag, an dem Erzengel Gabriel Maria ihre göttliche Schwangerschaft ankündigte. Im Mittelalter wurde die Verkündung eine Woche lang gefeiert - also bis zum 1. April. 

Aber was hat das mit dem Aprilscherz zu tun?

Der französische König Karl IX. führte 1564 im Rahmen des Edikts von Roussillon eine Kalenderreform durch, die den offiziellen Jahresbeginn auf den 1. Jänner verlegte. Durch Papst Gregor XII. wurde 1582 der neue „gregorianische“ Kalender auf alle römisch-katholischen Länder ausgeweitet, wodurch sich auch der Jahresanfang änderte. Einige feierten - teils aus Unwissenheit, teils als Widerstand gegen die Änderung - weiterhin den Neujahrstag Ende März, wodurch sie als „Aprilnarren“ verspottet worden sein sollen. Dieser Brauch soll sich duch Auswanderer auf der ganzen Welt verbreitet haben. Die genaue Herkunft des Aprilscherzes ist und bleibt bis heute allerdings ein Rätsel.

Der 1. April rund um die Welt 

Historisch gesehen wurde das neue Jahr mit der Übergabe von essbaren Geschenken eingeläutet. Also wurden diejenigen, die darauf beharrten, den Neujahrsanfang am 1. April zu feiern, großzügig „beschenkt“… die kreativen Geschenksideen reichten von Kordeln, um den Wind zu befestigen, über Siebe ohne Löcher, bis hin zu Schlüsseln für die Felder. Irgendwann hörte sich die materielle „Großzügigkeit“ auf und der 1. April wurde zum Lieblingstag der „Geschichtenerzähler“ und Scherzkekse.

1er avril

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April, April - er macht, was er will!

In Österreich, Deutschland und der Schweiz (die Ausnahme bildet der französischsprachige Teil) wird der 1. April mit dem Verspotten des „Aprilnarren“ gefeiert: durch erfundene oder verfälschte Geschichten „schicken wir jemanden in den April“ (diese Redewendung wurde erstmals 1618 in Bayern dokumentiert) und freuen uns, wenn jemand unsere oftmals sehr kreative Lüge glaubt. Den größten Spaß haben wir dabei, wenn unser „Opfer“ bemerkt, dass die Geschichte unserer Fanatsie entsprungen ist… glücklich rufen wir dann „April, April!“ Der Brauch gelangte übrigens höchstwahrscheinlich von Frankreich aus zu uns - dazu später noch mehr …

Andere Länder, andere Sitten…

Die Tradition am 1. April zum Scherzkeks zu mutieren, findet sich in den meisten europäischen Ländern. 

Die Engländer feiern den „April Fools‘ Day“ - der 1. April wird ähnlich wie bei uns zelebriert, aber Vorsicht, in England darf man sich nur bis Mittag einen Scherz erlauben, sonst wird man selber zum „April Fool“. 

Diese Tradition ist nicht Fisch, nicht Fleisch… in Frankreich und ebenso in der französischsprachigen Schweiz wird dem „Glücklichen“ ein Aprilfisch (Poisson d’Avril) auf den Rücken geklebt - bleibt er unbemerkt, so ist der Scherz gelungen. Diese Tradition lässt sich auf die Fastenzeit zurückführen, in der bekanntlich kein Fleisch gegessen werden darf, anstattdessen nur Fisch… am 1. April gibt es jedoch für manche eben nur „Fake-Fisch“. 

In Spanien und in Lateinamerika ist der 28. Dezember, der „Tag der Unschuldigen“ („Día los inocentes“), Anlass, um sich einen Streich zu erlauben. An jenem Tag soll eigentlich an den Kindermord in Betlehem, bei dem alle männlichen Kleinkinder unter zwei Jahren von König Herodes ermordet worden sind, um das Jesuskind zu töten, erinnert werden. Dieser Gedenktag entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem, mit dem 1. April vergleichbaren Brauch. 

In Portugal wird der „Tag der Lügen“ („Día de mentira“) und in Polen der „prima aprilis“ gefeiert. 

Durch europäische Auswanderer gelangte der Brauch über die Jahrhunderte hinweg auch nach Australien, in die USA und auch nach Asien, wo der 1. April ebenso als Tag der Streiche, Lügen und Scherze gefeiert wird.

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04 2015 redbulletin.com

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