The Art of Sex

E11even:
The Art of Sex

Text: Kat Bein
Fotos: LastNightsParty

Das E11even in Miami erklärt Erotik zur Kunstform und feiert seine Party seit zwei Jahren nonstop.

17.00 Uhr

Ken DeGori kommt in sein Büro und reibt sich das Sandmännchen aus den Augen. Mit dem Schlaf ist das so eine Sache, wenn du eine Party ausrichtest, die nie endet. Seit ­seiner Eröffnung im Februar 2014 hat das E11even Miami keinen Tag Pause eingelegt.

DeGori ist einer von fünf Partnern, und er ist der Erste, der heute auftaucht. Diese Woche ist besonders brutal. Es ist Samstag, und die Art Basel hält die Stadt seit Tagen in Atem: Künstler, Promis, Galeristen und absurd Reiche. Für das E11even Miami eine der wichtigsten Wochen im Jahr. Anspruchsvolle Klientel, Gastauftritte berühmter DJs und ausgefallene Performances.

Art Basel

Die Art Basel spült Künstler, Galeristen und andere Prominenz in den Club, der niemals schläft.

DeGori begegnet dem mit Selbstbewusstsein: „So etwas wie das E11even Miami hat’s noch nie gegeben.“ DeGori und seine Partner bringen zusammen mehr als hundert Jahre Nachtlebenerfahrung auf die Waage. „Wir haben das ‚Touché‘-Restaurant von Carla Pellegrino“, ­erzählt er, „Livebands, Kabarett, Cirque-du-Soleil-artige Shows … Da passiert verdammt viel.“

22:00 Uhr

DeGori hat die Lounge auf der Dachterrasse und das Restaurant für eine Party zu Ehren des Managers von Basketball-Superstar Dwyane Wade absperren lassen. Alle Spieler der Miami Heat kommen. Trick Daddy und Mystikal, der Star hinter „Shake Ya Ass“, geben ihren dreckigen Southern ­Partyrap zum Besten.

The Art of Sex

Das E11even: Der Club, in dem man 24 Stunden am Tag Party machen kann.

23:30 Uhr

DeGoris Partner Gino LoPinto und Daniel Solomon treffen ein. Sie haben Sponsoren-Events und Art-Basel-Partys hinter sich. Networking ist daily business, wenn man eine der zehn umsatzstärksten Locations in den USA leitet.

2015 nahm der Club fast 34 Millionen Dollar ein. Zusammen mit einem weiteren Partner, Derick Henry, halfen Ken DeGori, LoPinto und Solomon dem Eigentümer und älteren Bruder von Ken, Dennis DeGori, dessen Vision einer neuen Art-Party-Location umzusetzen: ein sündiges Paradies, das Stil genug hat, dass die Hälfte der Kundschaft weiblich ist. „Das Wort ‚Stripclub‘ empfinden wir als Beleidigung“, sagt LoPinto.

The Art of Sex

Ein sündiges Paradies, das Stil genug hat, dass die Hälfte der Kundschaft weiblich ist.

1:45 Uhr

Go-go-­Tänzerinnen und Trapezkünstler sammeln sich in der Garderobe. Perücken werden aufgesetzt, Dehnübungen absolviert, dann geht es raus in die Scheinwerfer der Arena des E11even Miami.

„Schlangentänzerin“ ­Irina Kazakova trägt schwarzen Latex. In ­einer Stunde ist ihr Auftritt. Dann wird sie, von einer blau ausgeleuchteten Decke ­hängend, knapp einen Meter über den Köpfen der Gäste schweben.

Trick Daddy und Mystikal, der Star hinter „Shake Ya Ass“, geben ­ihren dreckigen Southern Partyrap zum Besten.
The Art of Sex

Offenherziges Selbstbewusstsein à la E11even Miami.

2:30 Uhr

Hampus und Milena, auch im wirklichen Leben ein Paar, wirbeln und drehen sich mit lasziven Körperbewegungen in der Luft.

Unter ihnen bricht Applaus los. „Wenn ich einen Handschuh oder einen Strumpf ausziehen soll, macht Hampus das für mich“, erklärt Milena die Methode. „Ich strippe nicht. Er zieht mich aus. Das lädt die Erotik romantisch auf und macht die Sache noch spannender.“

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Eine Tänzerin im Scheinwerferlicht der Arena des E11even Miami.

2:40 Uhr

Der Produzent der Show, Dan Rowland, kommt ins Schwitzen. Er sitzt versteckt hinter der Bar am Ende des ­Lokals und steuert das Trapez-Equipment, auf dem Hampus und Milena ihren Act zelebrieren.

Rowland ist seit der Eröffnung des E11even Miami dabei. Davor war er 15 Jahre Produzent der beiden Cirque-du-Soleil-Shows „Kà“ in Las Vegas und „Iris“ in Los Angeles. „Wir lassen Menschen in Vogelkäfigen tanzen und durch die Luft fliegen“, sagt Rowland. „Ich liebe es einfach, wenn die Leute staunen.“

„Das Wort ,Stripclub‘ empfinden wir als ­Beleidigung“, sagt ­Gino LoPinto, Herr über das sündige Paradies.

5:15 Uhr

Die Energie im E11even Miami erreicht ihren kritischen Wert. Es regnet Geld von der Decke. Mit brennenden Sprühkerzen dekorierte Champagnerflaschen finden ihren Weg durch sich windende Horden.

Aus den Lautsprechern brüllt Drakes „Hotline Bling“, DJ Savi schraubt an den Decks. Frauen geben ihren männlichen Begleitern private Tanzvorführungen, inspiriert von den Go-gos in hohen Strümpfen und bauchfreien Tops. Nachteulen trinken Cocktails und starren aus ihren Balkonen.

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5:15 Uhr. Die Party ­erreicht den kritischen Wert. Aus den Lautsprechern brüllt „Hotline Bling“ von Drake.

6:30 Uhr

Ken DeGori checkt den Eingang des Clubs. Eben geht die Sonne auf. Trotzdem wächst die Schlange vor den Türstehern. Die Leute wissen, dass die Party drinnen weiterkocht, als wäre es erst ein Uhr nachts. DeGori findet, dass heute für ihn Schluss ist, und macht einen Abgang.

Es regnet Geld von der Decke. Vorbei an Champagnerflaschen, die mit brennenden Sprüh­kerzen dekoriert sind.
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Männersache? Keineswegs. Gut 50 Prozent der Gäste im E11even Miami sind Frauen.

9:00 Uhr

Frühstück! Das Restaurant im Obergeschoss des E11even Miami kredenzt Sandwiches, Rührei mit Bohnen und Burritos mit Chorizo. Zum ersten Mal seit einer Woche regnet es nicht. Hungrige Partygäste mit zerzausten Haaren und müden Augen trifft das volle Sonnenlicht eines prachtvollen Tages.

11:00 Uhr

Nach zwölf Stunden Händeschütteln machen auch Daniel Solomon und Gino Lo­Pinto Feierabend. In zwölf Stunden geht es wieder los, wenn Hard2Leave ansteht, die traditionelle Abschlussfeier der Art Basel.

Die gilt es vorzubereiten. Was genau das ist, was die beiden lieben. „Hier fühle ich mich angekommen“, sagt LoPinto, „das ist der Höhepunkt meiner Karriere. Ich steh morgens auf, kneife mich und danke Gott für dieses Leben.“ 

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04 2016 The Red Bulletin

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