Eisklettern

Faszination Eisklettern

Foto (oben): Mads Pihl

Selbst für erfahrenere Kletterer sind Eis-Aufstiege eine ganz eigene Herausforderung – jeder, der auf einem vereisten Gehweg schon mal den Boden unter den Füßen verloren hat, kann sich das lebhaft vorstellen.

„Eisklettern geht nicht so intuitiv wie Felsklettern“, sagt Marc Carreras, Geschäftsführer des Adventure-Anbieters PGI Greenland. „Die Herausforderung beim klassischen Klettern ist je zu einem Drittel technisch, physisch und mental.

Beim Eisklettern spielt der Kopf eine viel größere Rolle. Eis ist nicht annähernd so stabil wie Fels – es verlangt viel Geduld und die Bereitschaft, sich sehr spezielle Techniken anzueignen. Und was absolut essentiell ist: Man muss damit zurechtkommen, außerhalb seiner Komfortzone zu sein.“

Spezielle Eisgeräte, technische Steigeisen mit riesigen Frontzacken für die Füße und Eisäxte für jede Hand, geben an den glasartigen Oberflächen wenigstens eine faire Chance auf Halt.

Eisklettern

„Fühlt sich an wie Schweben.“

© Mads Pihl

Die Sicherung der Kletterer erfolgt über Verankerungen in solidem Fels sowie über eine Seilverbindung zum Guide. Das Risiko, ins Verderben zu schlittern, ist daher gering.

(„Es gibt eine Regel unter professionellen Eiskletterern: ‚Fall nicht!‘“, sagt Carreras mit einem Grinsen.)

Der eigentliche Härtetest ist ohnehin, bei den klirrenden Temperaturen konzentriert zu bleiben. „Letztes Jahr haben wir in Ilulissat sämtliche Wetterrekorde gebrochen und sind bei minus 20 Grad geklettert“, erklärt Carreras. „So was ist verdammt hart und sehr, sehr knifflig, besonders bei Wind.“

Von mentalen und physischen Herausforderungen abgesehen, bietet Grönland Kletterern aber vor allem eines: das spektakuläre Umfeld der Region nördlich des arktischen Polarkreises.

„Es gibt zwar bekanntere Orte zum Eisklettern, etwa Kanada oder Norwegen“, sagt Carreras. „Aber hier klettert man auf der Polkappe – und das ist einfach monumental!“

Nur an vier kleinen Punkten, den Spitzen der Äxte und Frontzacken der Steigeisen, im Eis zu hängen bringt Kletterern zudem eine Erfahrung, die sie im klassischen Bergsport kaum machen können: „Man fühlt sich, als würde man frei schweben“, sagt Carreras. „Es ist ein einzigartiger Blickwinkel auf die Welt.“

Eisklettern

© Mads Pihl

Der Insider

„Tritt das Eis so richtig – wie einen Fussball! Und Dein Fuß sollte im Idealfall im rechten Winkel zur wand stehen“, sagt Marc Carreras. „Wenn dir das gelingt, ist alles okay.“

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01 2016 The Red Bulletin

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