„Ich fühl mich wie Sting“

Foto: Bubbles Records

Playlist: Alter Meister, verkanntes Genie, junge Rapperin: der norwegische Meister-Songschreiber über seine fünf Lieblingsstücke.


Erlend Øye ist ein musikalischer Tausendsassa: singender DJ, bis vor kurzem Kopf der Indie-Pop-Band Whitest Boy Alive, Sänger für Elektronik-Kollegen wie Röyksopp – und Hälfte des Akustik-Duos Kings of Convenience. Mit diesem gelang dem Norweger 2001 der Durchbruch. Das melancholisch-sanfte Debüt­album der Kings, „Quiet Is the New Loud“, löste ­damals ein globales Folk-Revival aus und ­beeinflusste nachfolgende Bands von Fleet Foxes bis Of Monsters and Men.

Sein neues, zweites ­Soloalbum „Legao“ nahm Øye mit einer isländischen Reggae-Band auf: zehn flockige Pop-Perlen, die klingen, als hätte Paul Simon The Police als Studioband engagiert. Welche Songs ihn dazu inspirierten, erzählt Øye hier.

Matias Aguayo - „Rollerskate“

Elektronische Tanzmusik hat Innovationsbedarf! Es gibt derzeit kaum angesehene Produzenten, die das Genre voranzutreiben versuchen. Eine Ausnahme ist Matias Aguayo. Dieser Track von 2009 besteht bloß aus seiner Stimme: vom Beat über den Bass bis zur Melodie. Großartig! Derart verspielte Ansätze würde ich mir im Elektronik-Bereich öfter wünschen.

Bart Davenport - „Fuck Fame“

Ein verkanntes Genie. Doch ­Davenport ist daran (zum Teil) selbst schuld: Er verbaut sich den großen Durchbruch, indem er seinen Platten hässliche Cover gibt und seinen perfekten Popsongs – wie diesem hier – ein ekliges Gitarrensolo verpasst. Ich liebe ihn aber genau dafür: dass er es sich selbst nicht leichtmacht und diese „Fuck Fame“-Attitüde auslebt.

Dennis Wilson - „You Are So Beautiful“

Die Aufnahme stammt von einem Beach-Boys-Auftritt 1980, kurz vor Wilsons Tod: Er ist vom ­Alkoholismus gezeichnet, die Band wirkt besorgt, als er das Stück anstimmt: „Wird er uns blamieren?“ Doch Wilsons Performance berührt, ist wunderschön. Übrigens: Der Song stammt nicht von Joe Cocker, er wurde von ­Wilson und Billy Preston geschrieben.

Sting - „If You Love Somebody Set Them Free“

Als Sting diesen Song 1985 schrieb, war er gerade bei The Police aus­gestiegen. Ich deute den Titel als Nachricht an seine alten Bandkollegen: „Lasst mich ziehen, lasst mich Fusion-Jazz spielen!“ Mein neuer Song „Fence Me In“ ist davon beeinflusst: Meine Band Whitest Boy Alive löste sich vor kurzem auf, nun kann ich Songs ganz für mich schreiben.

Dena - „Bad Timing“

Ich lernte Dena 2005 über Freunde in Berlin kennen. Damals war sie eine junge Sängerin, heute ­halte ich sie für die talentierteste Songschreiberin Deutschlands. Weil sie so kreativ und einzigartig mit der englischen Sprache umgeht. Ihre Texte regen meine Phantasie an. Und das ist für mich das Beste, was ein Popsong bewirken kann.

Laute Lichter: Gadget des Monats- LightFreq

Lichtschalter waren gestern: Die clevere Glühbirne kann per Smartphone-Steuerung Farbe sowie Lichtstimmung ändern – und obendrein Musik abspielen. Der 5-Watt-Lautsprecher im Inneren wird von im 360-Grad-Winkel abstrahlenden RGB-W-LEDs ummantelt. Mit der „Partymode“-Einstellung verwandelt man das Wohnzimmer so blitzschnell in eine Tanzfläche.
www.lightfreq.com

Staubfrei: Vinyl-Schätze am iPhone hören: drei Tipps, wie man LPs richtig digitalisiert.

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11 2014 THE RED BULLETIN

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