Hotelportier

Bekenntnisse eines Hotelportiers

Text: KITTY BEAN YANCEY
Foto: Anthia Cumming/Getty Images

Der Concierge hat die Macht: Er kann dir Zugang zu den heißesten Clubs verschaffen und sogar ein Treffen mit einem Star organisieren.

Wie kommst du am besten an den Türstehern vorbei, um eine verrückte Nacht in einem der angesagtesten Clubs zu verbringen? Und wie schnappst du dir den 1A-Tisch in diesem überbuchten Feinschmecker-Restaurant?

Am besten, indem du dir den vollen Service eines Hotelportiers zu Nutzen machst. Michael Fazio, Autor des Buches „Concierge Confidential”, begann seine Karriere in Manhattans InterContinental Hotel.

Als Mitbegründer der Firma Abigail Michaels Concierge, die Portiers für Luxus-Hotels und Wohnkomplexe zur Verfügung stellt, hat er genug Erfahrung gesammelt, um in seinem Buch zahlreiche Geheimnisse und bizarre - sogar illegale - Anfragen seiner Kunden zu enthüllen. Hier verrät er uns die besten Storys.

THE RED BULLETIN: Wozu braucht man also einen Concierge?

MICHAEL FAZIO: Die Gäste wollen Zugang zu allen möglichen Dingen. Sie wollen sich nicht anstellen, um in einen angesagten Club zu kommen. Sie wollen in diesem namhaften Restaurant einen Tisch bekommen. Sie wollen alles, was sie nicht selbst bekommen können.

Man sagt, viele Hotelgäste wüssten nicht, wie man einem Concierge entgegentreten soll.

Oh mein Gott, ja! Vor allem Männer. Das liegt am altmodischen Image eines eingebildeten, versnobten Portiers. Die Leute fühlen sich verurteilt, manche werden aggressiv, andere abwehrend.

Können Sie ein Beispiel für einen missglückten Versuch eines Gastes nennen?

„Oh, ich bin Präsident von bla bla bla und wir haben da oben ein paar Suiten gebucht. Ich brauche Sie dann.” Wenn ich schonmal für meine Gäste um etwas betteln soll, und genau das tut ein Concierge, dann möchte ich mir auch sicher sein können, dass ich von diesen auch gut vertreten werde. Sonst versaue ich mir die Beziehungen am anderen Ende. 

Was sollte man also am besten sagen?

Sei einfach direkt und sprich aus, was du willst. Sag: „Ich habe gehört, dass es unmöglich ist, dort reinzukommen. Kannst du da vielleicht etwas machen?” Und gib auch gleich Bescheid, wie hoch dein Budget ist.

„Manchmal muss man einfach unkonventionelle Wege gehen.”

Was können Sie denn machen?

Eigentlich alles. Von einem Tisch im renommierten Restaurant bis zu einem Handschlag und Selfie mit einem Star. Das haben wir so mit Kenny Chesney (US-amerikanischer Country-Sänger, Anm.) gemacht, er war sehr wichtig für einen meiner Kunden.

Und was passiert, wenn man einen Concierge um einen Escort-Service, oder um … ähm … bezahlte Gesellschaft bittet?

Frag irgendeinen anderen Portier als mich, und sie werden wahrscheinlich sagen, dass sie das nicht tun können. Aber die guten machen das. Ich hatte Nachtdienste und arbeite in einer Welt des Luxus. Bei den reichen und berühmten Leuten steht oft viel am Spiel, weswegen Diskretion sehr wichtig ist. Sie können nicht einfach ins Internet gehen und sie wollen ja auch nicht irgendwelche Junkies, die strippen. Ich habe meine Liste und natürlich beinhaltet sie auch diese Art von Dienstleistungen. Und es geht mich ja auch nichts an, was Leute so miteinander treiben.

„Ich habe Menschen nie nach der Höhe des Trinkgeldes beurteilt, sondern danach, wie sie sich verhalten.”

Welche war die seltsamste Anfrage, die Sie jemals erhalten haben? 

Puh, das ist schwierig … Da war einmal ein total netter Gast, aber es ist einfach nicht genug Platz in dieser Welt für sein riesiges Ego. Er wollte Paparazzi, die ihm durch Las Vegas folgen, ohne dass die Menschen merken, dass alles nur Show ist. Ich habe einen Journalisten kontaktiert und gefragt „Wie viele Leute bekommst du zusammen?” Wir hatten dann so 10 bis 12 Fotografen und mein Kunde war begeistert. 

Noch etwas?

Ja, einmal wollte jemand zu einer Jerry-Seinfeld-Show. I kannte seine Frau, Jessica, die eine Hilfsorganisation namens „Baby Buggy” hatte, mit der sie Familien in Not half. Mein Kunde spendete $5,000 an die Organisation und bekam dafür zwei Karten für Jerrys Show. Es war also eine Win-Win-Situation.

Welcher Wunsch war am schwierigsten zu erfüllen?

Ein Kunde wollte seiner Freundin eine Chanel-Boy-Handtasche um $4,500 schenken. Er war total verzweifelt, weil er ihr erzählt hatte, er hätte schon längst eine. Was er nicht wusste, es gab eigentlich eine Warteliste für die Tasche. Mein Büro versuchte es bei Chanel, war aber erfolglos. Somit musste ich weltweit bei Mitarbeitern vom Unternehmen anfragen. Ich erzählte ihnen, dass der Junge etwas Einmaliges für seine Freundin tun wollte und meinte: „Armer Junge. Seine Freundin will die Tasche so sehr und er wusste einfach nicht, wie schwer es ist, eine zu bekommen.” Am Ende, wie durch ein Wunder, bekam die Freundin ihre Handtasche. Manchmal muss man einfach unkonventionelle Wege gehen.

„Es geht mich ja auch nichts an, was Leute so miteinander treiben.”

Gibt es Richtwerte, wie viel Trinkgeld man einem Concierge geben sollte?

Gib nicht schon im Vorhinein Trinkgeld und versprich auch kein großzügiges Trinkgeld. Wenn dir ein Portier irgendwo Zutritt ermöglicht, wo du normalerweise keinen erhältst, dann sind $20 angebracht. Wenn es einfach nur die Frage nach einem netten Restaurant in der Umgebung ist, dann ist Trinkgeld nicht notwendig. Allgemein sind $5 bis $10 genug.

Wie sieht es konkret mit Trinkgeld aus, wenn Sie Gäste an den Türstehern eines angesagten Clubs vorbei bringen?

Normalerweise kostet es mehr als $1,000, um in einem Club einen Tisch zu bekommen, zusätzlich kommen meist noch etwa $500 Mindestkonsum hinzu. Wenn du nicht so viel bezahlen möchtest, kann ein Concierge eventuell seine Kontakte nutzen, um dich zur Bar zu bringen, dann sparst du dir die $500. Ich würde sagen: „Könntest du die Jungs rein lassen, sie sind echt nette Kerle.” In so einem Fall reichen 20% vom Mindestkonsum aus. Wenn du nicht so viel Geld hast, dann gib lieber dem Türsteher $50, das hilft mir genauso, denn dann ist es leichter für mich, den nächsten Gast hineinzubringen. Ich habe Menschen nie nach der Höhe des Trinkgeldes beurteilt, sondern danach, wie sie sich verhalten. Komm einfach vorbei und sag „Wir hatten eine großartige Nacht”. Natürlich freue ich mich enorm, wenn mir dann mal jemand eine 100-Dollar-Note in die Hand drückt. 

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03 2016 RedBulletin.com

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