Fitness Festival Vienna: Workout trifft Clubbing

Fitness Festival Vienna - Workout trifft Clubbing

Fotos: www.goodlifecrew.at
Interview: Christian Eberle

„Fitness hat noch nie so viel Spaß gemacht.“ Das verspricht Pedram Parsaian, Mastermind hinter dem Fitness Festival Vienna. Was es damit auf sich hat und wieso größer Denken nie verkehrt ist, verrät der Wiener im Interview.
Pedram Parsaian, 23, Fitness-Guru

Pedram Parsaian ist ein Fitness-Verrückter. Das kann man ohne negative Assoziationen behaupten. Der Kommunikationswirtschafts-Absolvent trainiert, seit er 13 Jahre alt ist. Er hat in der Holmes Place Academy die Ausbildung zum Personal Trainer gemacht und stieg dort mitzum jüngsten Club-Manager der Geschichte auf. Zudem hat er ein Buch zur wirtschaftlichen Anleitung für andere Trainer geschrieben und bringt bald eine eigene Fitness-Bekleidungslinie heraus. Das hehre Ziel seiner Arbeit: mehr Leute zum Trainieren zu bewegen und dabei das teilweise immer noch staubige Image des Fitnessstudios aufzupolieren.

Beides ist ihm nie eindrucksvoller als mit seinem jüngsten Projekt gelungen – dem Fitness Festival Vienna. Begleitet von DJ-Beats und Licht-Effekten verwandelt sich ein Fitnessstudio einmal im Monat zu einer coolen Clubbing-Location, wo sich die Gäste bis Mitternacht auspowern können und dabei eine neue Dimension von Training kennenlernen.

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THE RED BULLETIN: Ein Clubbing in einem Fitness-Studio, Party und Pumpen - klingt  außergewöhnlich. Woher kam diese Idee?

PEDRAM PARSAIAN: Ich leite einen Fitness-Club mit 4.000 Mitgliedern, von denen immer wieder welche zu mir gekommen sind mit der Bitte, etwas Besonderes zu erleben. Also habe ich mir etwas überlegt. Zu Beginn wollte ich einfach nur einen DJ haben, während wir trainieren. Der Grund: Ich war oft auf Festivals, wo eine sehr pulsierende und motivierende Stimmung herrscht, wo Leute stundenlang abtanzen und in Ekstase kommen, und das völlig nüchtern. Dieses Ambiente wollte ich ins Studio verfrachten.

Fitness Festival Vienna: Crew

Das Trio hinter dem Fitness Festival Vienna: Pedram Parsaian, Attila Senkaya und Ilja Jay Lawal (von links)

© Flo Mooshammer / www.goodlifecrew.at

Mit einem DJ allein war es dann aber nicht getan. 

Ich habe mir meinen Geschäftspartner Ilja und seinen Kollegen Attila, der bereits die Erfahrung als Event-Veranstalter in großen Clubs hatte, ins Boot geholt und ihnen von meinem Vorhaben erzählt. Da entstand gleich der Gedanke: Hey, warum machen wir das nicht größer? Für mehr Leute. Wir haben dann recherchiert und fanden heraus, dass es das, was wir planen, so noch nicht gibt. Obwohl es eigentlich auf der Hand liegt. Also haben wir es einfach mal mit einem Soft Launch versucht. Das erste kleine Festival war super, die Dynamik war gut. Aber wir haben gemerkt, da fehlt etwas. Der DJ braucht einen MC, der Stimmung macht und durchs Programm führt. In unseren Gruppenkursen ist der Trainer ja de facto ein MC, also haben wir zum DJ dazu fünf Trainer gestellt, die für alle Trainierenden ein Bootcamp veranstalten.

Bootcamp? Wie darf man sich das vorstellen?

Die Anlage ist voll aufgedreht. Die Trainer machen abgestimmt auf den DJ ein eigenes Programm, bei dem etwa genau beim Drop die Übung gewechselt wird. DJ und MCs haben so ein harmonisches Konzept entwickelt. Dank dieser Harmonie und unseres Sound- und Lichttechnikers, der beispielsweise schon die Grelle Forelle ausgestattet hat, haben wir eine richtig schöne Club-Atmosphäre geschaffen, die von den Gästen begeistert aufgenommen worden ist. Die Leute sind extrem abgegangen und fanden es richtig cool, dass alles so professionell aufgezogen ist. 

Fitness Festival Vienna

Fitness Festival Vienna added 103 new photos - with Marija Borkovic and 3 others at Holmes Place Wien Hütteldorf.

„So eine Atmosphäre hast du noch nirgends erlebt. Nicht nur in Österreich, sondern auch weltweit, haben wir damit eine Pionierstellung.“

Das heißt Stimmung wie im Club und ein Publikum wie im Club?

Was den Altersschnitt angeht: Von 18-Jährigen bis 75-Jährigen war schon alles dabei. Unser Konzept spricht automatisch junge Leute an, weil es in der Kommunikation sehr jung und poppig ist. Aber das heißt nicht viel. Unser Haupt-USP sind ja die Gruppen-Kurse, von denen wir am Abend über zehn im Programm haben – je drei pro Stunde. Und diese Kurse sprechen traditionell eher eine reifere Gruppe an.

Was uns zur nächsten Frage bringt, die man jedem Club-Besitzer gerne stellt: Wie sieht das Geschlechterverhältnis aus?

Was wir bemerkt haben: 70 Prozent unseres Publikums in den Kursen sind weiblich. Bootcamps und freies Training gefallen eher den Jungs, die sich zum Sound des DJs auspumpen können. Jeder findet das Richtige für sich. Wenn dein gewünschter Kurs – im Normalfall bieten wir Cardio-Anfänger-Kurse, Dance-Kurse und eine Aktivität im Pool an – voll ist, oder dir keiner zusagt, gehst du auf den Main Floor und machst spontan beim Bootcamp mit. Die Alternative: Du ziehst dein eigenes Ding durch.  

Fitness Festival Vienna

Gruppenkurse, Bootcamp oder freies Training - wie im Club entscheidest du, auf welchem Floor du dich am wohlsten fühlst.

© Flo Mooshammer / www.goodlifecrew.at

Es gibt Leute, die kommen, freuen sich über die Stimmung und die gute Musik und machen ihr eigenes Programm laut Trainingsplan. Andere kommen mit Freunden und machen als kleine Gruppe gemeinsames Training. Und wiederum andere kommen nur wegen unseres „Food & Beverage“ Bereichs, trinken Kaffee, Smoothies oder eigene Proteinkreationen, einfach Drinks, die ins Gym passen. Alkohol gibt es keinen, auch weil die Leute, die teilweise vier Stunden durchtrainieren, einfach die Nährstoffe brauchen.

Was gefällt dir persönlich am besten?

Die Bootcamps. Ganz klar. Auch wenn die Kurse ziemlich cool sind, bieten uns die Bootcamps die Chance, auf den Puls der Masse einzugehen. Dort kannst du die Crowd spüren. Functional Training, Battle Ropes, Ringe, Springseile, Training ausschließlich mit dem eigenen Körpergewicht, eine Mischung aus Kraft und Ausdauer-Cardio-Übungen, HIT-Training - das ist das Bootcamp-Prinzip. Das Kuriose: Am Anfang war das Bootcamp nur ein Side Event –  ein Alternativ-Programm für die Leute, die keinen Platz im Kurs hatten. Mittlerweile sind sie zu unserem Main Event geworden.

„Viele Leute wollen den Outcome eines Trainings, wollen aber den Prozess nicht durchmachen. Wir zeigen, dass auch der Prozess Spaß machen kann.“

Ein Erfolgskonzept mit Zukunft?

Wir wachsen organisch, werden mit der Festival-Tour alle Studios in Wien durchlaufen und dann im November diese mit der „Langen Nacht des Fitness“ krönen. Wenn die Leute in Wien um 23 Uhr ins Naturhistorische Museum gehen, warum gehen sie nicht auch ins Fitnessstudio. Also haben wir uns etwas ausgedacht: Alle Clubs werden gleichzeitig offen sein, jeder ein anderes Motto haben. Das wird eine Herausforderung für uns. 

Fitness Festival Vienna

  • Mai 2017 - Holmes Place Millenium City
  • Juni 2017 – Holmes Place VIC
  • August 2017 – Holmes Place Börseplatz
  • September 2017 – Holmes Place Hütteldorf
  • November 2017 – Das Highlight: Die Lange Nacht der Fitness in allen 4 Clubs 

Eintritt: 15 Euro (10 Euro ermäßigt)
Alle genauen Termine und weitere Infos unter: fitnessfestival.at

Ursprünglich lautete der Plan, ein Festival pro Quartal zu veranstalten. Dann haben wir gemerkt, es geht doch in einer höheren Frequenz, weil die Leute danach verlangen. Wenn wir die Frequenz steigern, müssen wir aber sichergehen, dass alles nahezu automatisiert vonstatten geht und die Qualität gleich hoch bleibt. Das ist möglich. Als Maximum für das Konzept sehe ich einmal die Woche. Jeden Samstag ein Fitness Festival kann ich mir also schon gut vorstellen.

Zum Abschluss: ein spezielles Festival-Erlebnis?

Die letzte Frau, die das erste Event des Jahres verlassen hat, war eine Endsechzigerin, die sich nach dem Ende noch eine Stunde Zeit gelassen hat und um 1 Uhr in der Früh nach Hause gegangen ist. Mit den Worten „Super, ich komme das nächste Mal wieder.“ Das ist einfach die Bestätigung, dass man etwas richtig gemacht hat.

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04 2017 The Red Bulletin

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