Mark Foster

Gottes Fuß und Humpty Dumpty

Text: Florian Obkircher
Bild: Getty Images

Jeff Buckley lehrte ihn Singen, die Beatles zeigten ihm Alices Wunderland. Mark Foster über die fünf Songs seines Lebens.

Als Achtzehnjähriger zog Mark Foster nach Los ­Angeles. Sein Ziel: eine Karriere als Musiker. Doch die ließ auf sich warten. Jahrelang kellnerte er in Bars und schrieb Werbejingles. 2010 stellten er und seine Band Foster the People dann den Song „Pumped up Kicks“ online. Ohne große Erwartungen, wie er heute sagt.

Doch die luftige Indie-Pop-Hymne brachte den Durchbruch: einer der Songs des Jahres 2011, Platz 3 der US-Charts, fünf Millionen verkaufte Exemplare. Das Debütalbum ­„Torches“ wurde für zwei Grammys nominiert. Dieser Tage erscheint das Nachfolgewerk „Supermodel“. Welche Stücke Mark Foster als ­Musiker prägten, erzählt er hier.

The Beach Boys - God Only Knows

„Als ich den Song als Kind im Radio hörte, war ich hin und weg. Die Harmonien, der Gesang, so etwas hatte ich noch nie gehört. Wenig später kamen die Beach Boys nach Cleveland – und ich erlebte mein erstes Konzert überhaupt. Bei den Grammys 2012 schließlich mit meiner Lieblingsband auf der Bühne zu stehen war der größte Moment meines Lebens.“

The Beatles - A Day in the Life

„Für mich der beste aller Popsongs. Simpel und tiefgründig zugleich. Mein liebster Moment: wenn das Stück nach zwei ­Minuten unerwartet in Orchesterlärm umschlägt. Der Song nimmt dich auf eine Reise mit. Großartig, weil es auch textlich ums Reisen geht. Wie die Beatles diese zwei Ebenen miteinander in Einklang bringen, ist schlicht genial.“

Jeff Buckley - Grace

„Ich hörte den Song zum ­ersten Mal in einer Live-Aufnahme, als ich 19 war (sechs Jahre, nachdem Buckley ertrank; Anm.). Ich brach in Tränen aus, weil ich das ­Gefühl hatte, Buckley habe in dem Song seinen Tod vorausgesagt. Ich sang das Stück damals beim Hören so oft mit, dass ich heute sogar sagen würde: Jeff Buckley brachte mir das Singen bei.“

Radiohead - Paranoid Android

„Das seltsame Zeichentrick-Musikvideo von „Paranoid Android“ war das Highlight im MTV-Programm meiner Jugend. Den Song selbst fand ich noch genialer. Er besteht aus drei Teilen, wie eine klassische Komposition. Beim Hören denke ich mir noch heute, ich sollte mit dem Musikmachen aufhören. Mit dem Stück haben Radiohead Gottes Fuß gestreift.“

The Beatles - I Am the Walrus

„Für diesen Song braucht man Kopfhörer. Nur damit bekommt man all die psychedelischen Soundflächen und den Bandleier-Effekt der Bassgitarre in voller Pracht mit. Diesen Effekt versuche ich seit Ewigkeiten nachzuahmen, bisher ohne Erfolg. Wenn ich „I Am the Walrus“ höre, fühle ich mich wie der von John Lennon besungene Humpty Dumpty auf LSD.“

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05/2014 The Red Bulletin

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