Cobrasnake: Die besten Party-Fotos

Im Angesicht der Kobra

Text: Florian Obkircher
Fotos: Mark Hunter

Wenn Stars wie Katy Perry und Steve Aoki auf Tour gehen, rufen sie Mark „The Cobrasnake“ Hunter an. Den Fotografen, der die Essenz einer Party einfängt wie kein anderer. Weil er knipst – ohne zu zögern.

Vor zwölf Jahren startete Mark „The Cobrasnake“ Hunter polaroidscene.com. Einen Fotoblog, auf dem der damals 17-jährige Hobbyfotograf täglich Bilder wilder Partynächte mit Freunden und Promis veröffentlichte.

Mark “The Cobrasnake” Hunter

„Ich mit meinen zwei Markenzeichen: Pornobalken und ­Hawaiihemd. Die beiden Models tragen T‑Shirts aus meiner Modekollek­tion.“

Die Idee war damals so neu wie aufregend: Schnell hatte die Seite eine halbe Million Besucher pro Monat, Popstars engagierten Hunter als Leibfotograf, um ihre exzessiven Partys zu dokumentieren. Der Grund für seinen Erfolg: Mit seinem radikalen Stil – ungeschminkten, freizügigen Schnappschüssen von ­exklusiven Hipster-Festen – gibt er dem Betrachter das Gefühl, selbst im Mittelpunkt der Party zu stehen.

Zwölf Jahre, 5000 Partys, eine Million Fotos: Mark „The Cobra­snake“ Hunter verrät, wie er vom Musikfan, der Mülltonnen durchwühlte, zum Lieblingsfotografen der Superstars aufstieg.

THE RED BULLETIN: Mister Hunter, wie wird man zum begehrtesten Partyfotografen der Welt?  

MARK HUNTER: Mit meinem Lebensmotto: Frag nicht lange, mach einfach! Als ich 2003 mit der Fotografie anfing, war ich siebzehn, zu jung für eine Fotoakkreditierung bei Konzerten. Also schmuggelte ich meine Kamera am Türsteher vorbei ins Moshpit.

Ademoiselle Yulia

Mark Hunter: „Seoul ist die Party-Hauptstadt Asiens. Nirgendwo gehen die ­Leute so ab wie dort. Vor allem wenn Mademoiselle Yulia Platten auflegt.“

Und starteten nebenbei Polaroidscene, den weltweit ersten Nightlife-Fotoblog.

… weil mich andere Kids auf Partys ­baten, ihnen die Fotos per E-Mail zu ­schicken. Irgendwann wurden es zu viele Anfragen. Also startete ich eine Website und verteilte einfach Visitenkarten.

Heute reisen Sie als Katy Perrys offizieller Tour-Fotograf um die Welt und sind Stammfotograf bei Modepartys von Stardesignern wie Jeremy Scott.

Ich habe in den letzten zwölf Jahren auf 5000 Partys Fotos gemacht. Dabei lernt man viele Leute kennen. Katy Perry war 2004 einfach ein Partygirl in Los Angeles, das ich beim Ausgehen fotografierte. Plötzlich war sie ein Popstar. Weil sie mich von früher kennt, vertraut sie mir

„Ich wühlte in den Mülltonnen vor Clubs nach weggeworfenen Backstage-pässen.“
Mark Hunter
Steve Aoki

„Als Steve Aoki bei dieser Las-Vegas-Show eine Torte ins Publikum warf, schlug er mir versehentlich das Blitzlicht von der Kamera. Egal, den Spaß war’s wert.“

Im Web gibt’s Anleitungen für den Cobrastyle-Fotolook. Was ist Ihr Geheimnis?

Ich frage nie um Erlaubnis, wenn ich auf einer Party fotografiere. Ich drücke einfach ab. Die besten Bilder entstehen, wenn die Leute gar nicht merken, dass ich da bin. Der DJ spielt einen Hit, die Tänzer flippen aus. Soll ich sie aus ihrer Euphorie reißen und nach einem Foto fragen? Das würde die Stimmung killen.

Und wenn es jemandem nicht passt, dass Sie ihn fotografieren? 

Wenn jemand abwinkt, drücke ich nicht ab. Ich bin kein Paparazzo. Ich will die magischen Momente einer Nacht einfangen, die Nachtschwärmer von ihrer schönsten und wildesten Seite zeigen. 

Wie kriegen Sie junge Frauen dazu, für Ihre Fotos das T-Shirt zu lüften? 

Ich animiere die Leute nicht dazu, durchzudrehen. Im Gegenteil: Sie animieren mich dazu, sie beim Durchdrehen zu fotografieren. Der Witz dabei ist, dass ich in meinem Leben selbst noch nie geraucht oder Drogen genommen habe.

Und was tun Sie mit den Mädels?

Ich trage stets kurze Hosen und Hawaiihemden. Ich sehe albern und ungefährlich aus. Nicht wie ein Typ, der sie abschleppen will. Das schafft Vertrauen.

„Ich sehe ungefährlich aus. Nicht wie ein Typ, der Frauen abschleppen will.“
The Cobra Snake

„Auf der Moschino-Mode-Party in L. A. versuchte mein Freund AJ dem Riesenteddy das T-Shirt zu klauen – und scheiterte grandios.“

Sie hängen mit Models und Stars ab und werden dafür bezahlt. Hat Ihr Job auch nervige Seiten?

Ja. Ich hasse es, wenn Leute sich für mich in Pose werfen. 

The Cobra Snake

„Die Purple-Magazine-Party in New York war wüst: Nach diesem Foto verschwanden die Rapper ATL Twins mit ­jeweils drei Frauen.“


Haben Sie Tipps für angehende Partyfotografen?

Zeig Eigeninitiative. Am Anfang meiner Karriere durchwühlte ich zum Beispiel die Mülltonnen vor Nachtclubs nach weggeworfenen Backstage-Pässen. ­Anstatt Magazin-Macher zu bitten, eine Party-Story fotografieren zu dürfen, machte ich meinen Blog.

Was macht ein Partyfotograf eigentlich untertags?

Ich betreibe mit Freunden und Fans den Cobra Fitness Club. Wir gehen laufen und wandern. Dabei spiele ich Musik, wir tanzen in der Sonne. Wir treiben Sport, der sich wie eine Party anfühlt.

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09 2015 The Red Bulletin

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