Jaleel Bunton

„Der Song ist der Star“  

Foto: Getty Images

Bestes Gitarrensolo, schönste Coverversion, peinlichstes Lieblingslied: Jaleel Bunton über fünf Songs seines Lebens.

TV On The Radio: "Seeds"

Das neue Album Seeds kam 2014 auf den Markt.

 

Mit seinem Debütalbum „Desperate Youth, Blood Thirsty Babes“ versetzte das New Yorker Quartett die Musikwelt 2004 in Staunen. Geschmackssicher mixte die Band Stile, die bis dahin als unvereinbar galten: souligen Gospel-Gesang, lärmige Punk-­Gitarren, Funk-Bassläufe und Electro-Drums.

David Bowie war so angetan, dass er beim zweiten Album der Band mitsingen wollte. Andere Fans wie Liam Gallagher und Scarlett Johansson ließen ihre Platten gar von Bandoberhaupt ­David Sitek produzieren. Dieser übernahm auch die Aufnahmen des fünften Albums „Seeds“, des bislang poppigsten von TV on the Radio. Welche Songs die Band dazu inspirierten, schildert Drummer Jaleel Bunton hier.

1) Nina Simone: “Suzanne”

Einer dieser seltenen Fälle, in denen die Coverversion das Original übertrifft. Erst mit Simones Gesang kommt Leonard ­Cohens Text richtig gut zur Geltung. In einer Live-Version des Songs pfeift sie ihre Band zu Beginn zurück. Sie sagt: „Wartet, spielt keinen Ton mehr als notwendig.“ Ein guter Rat für jeden Musiker: Der Song ist der Star, nicht du.

2) Jimi Hendrix: “One Rainy Wish”

Als Hendrix- Fan fällt es mir schwer, einen einzigen Song auszuwählen. „One Rainy Wish“, weil das Stück zwischen seinen Hits oft übersehen wird. Was Hendrix hier in drei Minuten packt, ist unglaublich. Vom verspielten Intro über den ­aggressiven Refrain bis zum psychedelischen Ende. Andere würden mit dieser Menge an Ideen ein halbes Album füllen.

3) Lianne La Havas: “Forget”

Der größte Fan dieser jungen Britin ist Prince, er spielte letztes Jahr ein Konzert in ihrem Wohnzimmer. Hinter Prince komme gleich ich. Dieses Stück ist ein Meisterwerk. Weil es sich anfangs als klassischer Popsong tarnt, dann im ­Refrain aber richtig düster wird. Wenn es einen Club gäbe, in dem solche Pop­musik läuft: ich wäre dort Stammgast.

4) Tears for Fears: “Everybody Wants to Rule the World”

Vermutlich blamiere ich meine Band mit dieser Wahl, aber ich halte den Song für einen zeitlosen Klas­siker. Klar wurde er auf 1980er-Jahre-Revival-­Partys zu Tode gespielt. Trotzdem ist das Gitarrensolo eines der besten der Pop-Geschichte. Weil es sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern ­perfekt auf das Stück abgestimmt ist.

5) The Deftones: “My Own Summer (Shove It)”

Dieser Song fällt in die Sparte peinlichstes Lieblingslied. Ich bin kein Nu-Metal-Fan, aber mit diesem Song ist den Deftones etwas Großes gelungen. Harte Gitarren und ein brüllender Sänger, der wie ein böser Kriegsherr in einem Fantasy-Film klingt. Etwas lächerlich, aber im Fitnesscenter gibt es keinen ­anderen Song, der mich derart antreibt.

TV On The Radio

TV On The Radio: Kyp Malone, Tunde Adebimpe, Jaleel Bunton und David Sitek

© Luco

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02 2015 THE RED BULLETIN

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